Tiere

Indische Riesenhörnchen: Mehr Purpur geht nicht

Die bis zu 1,8 Kilogramm schweren Baumbewohner verstecken ihr Futter im Gegensatz zu ihren Verwandten nicht am Boden.Monday, April 8, 2019

Von Jason Bittel
Das Königsriesenhörnchen (das hier abgebildete Exemplar wurde in Kerala in Indien fotografiert) können inklusive Schwanz mehr als 80 Zentimeter lang werden.

Als der Hobbyfotograf Kaushik Vijayan durch die Wälder Südindiens spazierte, staunte er nicht schlecht, als er riesige Hörnchen mit ungewöhnlicher Fellfarbe entdeckte, die von Ast zu Ast sprangen.

Prompt machte er einige Schnappschüsse und lud sie auf Instagram hoch. Die Tierchen eroberten das Internet im Sturm. Einige User konnten kaum glauben, dass die Tiere, welche im Bezirk Pathanamthitta des Bundesstaats Kerala abgelichtet wurden, tatsächlich existieren. Teils lag das an ihrer außergewöhnlichen Fellfarbe, bei der sich schwarze und cremefarbene Bereiche mit dunklen, pflaumenfarbenen Stellen abwechseln.

Aber das Königsriesenhörnchen (Ratufa indica) gibt es tatsächlich.

„Genau so sehen sie aus. Wirklich prächtig!“, sagt John Koprowski, ein Biologe, der sich auf den Wildtierschutz spezialisiert hat und an der University of Arizona arbeitet.

Ihm zufolge kommt kein anderes Säugetier farblich näher an Purpur heran als diese Hörnchen.

Allerdings vermutet die Evolutionsbiologin Dana Krempels, dass die Instagram-Bilder womöglich bearbeitet wurden.

„Es ist durchaus möglich, dass da jemand seine Photoshop-Lizenz genutzt hat“, schrieb Krempels, eine Dozentin an der University of Miami, in einer E-Mail. „Es gibt da eine Einstellung namens ‚Dynamik‘, mit der man die Farbintensität erhöhen kann. Danach sieht mir das aus.“

Auf Tuchfühlung mit den Riesenhörnchen

Das Königsriesenhörnchen ist an der metaphorischen Spitze keineswegs einsam. Es gibt noch drei andere große Arten in der Familie der Hörnchen (Sciuridae). Mit einem Gewicht von zwei bis drei Kilogramm sind sie im Vergleich zu unseren heimischen Eichhörnchen, sie es auf etwa 330 Gramm bringen, tatsächlich ziemliche Riesen.

„Die vier Arten dieser Gruppe sind wirklich faszinierend, was ihre Größe, Färbung und ihre Vorliebe für einige der großen tropischen Früchte in den Baumkronen angeht“, sagt Koprowski.

Das Blasse Riesenhörnchen (Ratufa affinis) ist in Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien heimisch und meist bräunlich bis cremefarben. Das Schwarze Riesenhörnchen (Ratufa bicolor) ist größtenteils Schwarz und Weiß und über ein ähnliches Gebiet verbreitet, das allerdings noch China miteinschließt.

Das Sri-Lanka-Riesenhörnchen (Ratufa macroura) lebt auf seiner namensgebenden Insel sowie im Süden Indiens. Für gewöhnlich ist sein Fell schwarz und grau schattiert.

„Man geht davon aus, dass die Populationen aller vier Arten rückläufig sind, auch wenn sie noch immer so zahlreich genug sind, dass die Leute sie regelmäßig sehen“, sagt Koprowski.

Neben ihrer Fellfarbe unterscheiden sich die Königsriesenhörnchen aber noch in einem anderen Merkmal von fast all ihren Hörnchenverwandten, erzählt John Wible, der Säugetierkurator für das Carnegie Museum of Natural History.

Anstatt ihre Nüsse und Samen in Verstecken am Boden zu verstauen, legen Königsriesenhörnchen ihre Vorratskammern hoch oben in den Baumwipfeln an.

Warum Purpur?

Selbst unter seinen Verwandten sticht das Königsriesenhörnchen mit seinen leuchtenden Farben hervor. Das wirft die Frage auf, warum sich eine so auffällige Fellfärbung evolutionär durchgesetzt hat.

Schließlich sind die Wälder, in denen die Tiere leben, kein ganz ungefährlicher Ort. Dort treiben sich Leoparden, Bartaffen und Schlangenweihen herum, die ihren Speiseplan gern mit baumbewohnenden Nagern ergänzen.

Ganz sicher ist sich niemand, welchen Zweck die Färbung erfüllt, sagt Koprowski. Vermutlich dient das Muster auf dem Fell aber als Tarnung. Die großblättrigen Wälder, in denen die Hörnchen heimisch sind, erzeugen tagsüber ein „Mosaik aus Sonnenflecken und dunklen, schattigen Bereichen“, die der Fellzeichnung nicht ganz unähnlich sind.

Mit anderen Worten: Was auf einem Instagramfoto auffällig und witzig aussieht, könnte die Tiere in der Wildnis vor den hungrigen Mäulern ihrer Fressfeinde bewahren.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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