Hund im heißen Auto: „Nur mal schnell“ ist oft zu lang

Eigentlich sollte es jeder wissen: Bei warmem Wetter gehören Hunde nicht in parkende Autos. Dennoch sieht man es immer wieder. Was man als Außenstehender tun kann, um den Tieren zu helfen.

Thursday, August 6, 2020,
Von Melissa Holland-Moritz
Ein bei nur 24 °C in der Sonne geparktes Auto kann innerhalb von 20 Minuten eine ...

Ein bei nur 24 °C in der Sonne geparktes Auto kann innerhalb von 20 Minuten eine Innentemperatur von 48 °C erreichen. Für ein darin befindliches Tier kann das innerhalb von einer Stunde den Tod bedeuten. Auch ein geöffnetes Fenster bietet keinen Schutz für das Tier.

Bild Serov Aleksei, Shutterstock

Die Hundstage sind da. Umgangssprachlich sind damit sommerliche Hitzeperioden gemeint. Kalendarisch festgelegt sind sie in Deutschland auf den 23. Juli bis zum 23. August. Der Ursprung des Namens lässt sich auf den Beginn des Römischen Reichs zurückdatieren: Vor mehr als 2.000 Jahren war um diese Zeit der Aufgang des Sterns Sirus, dem hellsten Stern unseres Nachthimmels, im Sternenbild „Großer Hund“ zu beobachten. Mittlerweile hat sich dieses astronomische Phänomen aufgrund der Präzession der Erdachse in Deutschland auf den 25. August verschoben.

Die Hundstage haben also nicht wirklich etwas mit einem der beliebtesten Haustiere der Welt zu tun. Der Name könnte allerdings eine gute Erinnerungsstütze während der heißen Tage sein, besonders auf die Vierbeiner aufzupassen. Denn trotz Aufklärung kommt es jedes Jahr wieder zu Todesfällen, weil Hunde in parkenden Autos gelassen werden. Wenn das Herrchen versagt, sind die Tiere auf Außenstehende angewiesen. Es gilt, die Situation richtig einzuschätzen und Zivilcourage zu zeigen.

Wann ist es zu heiß im Auto?

Ein häufiger Fehler von Hundebesitzern ist es, die Hitzeentwicklung im Auto zu unterschätzen. Selbst bei vermeintlich angenehmen 24 Grad Außentemperatur kann die Temperatur im Inneren des Autos auf über 40 Grad ansteigen. Besonders gefährlich: direkte Sonnenstrahlung. Zudem sollten Hundehalter nicht vergessen, wie schnell sich ein „kurzer“ Sprung in den Supermarkt unverhofft in die Länge ziehen kann. Wie sich an der Tabelle ablesen lässt, können fünf Minuten bereits eine Qual für das Tier sein. 

Hitzefalle Auto: Die Temperatur im Fahrzeug wird häufig unterschätzt.

Bild National Geographic modifiziert nach A. Grundstein, University of Georgia (2010)

Auch ein vermeintlich schattiges Plätzchen hilft da nicht viel. Zudem gilt es zu bedenken, dass sich die Position der Sonne verändert und ein bewölkter Himmel von einem Moment auf den nächsten aufklaren kann. Wer einen kühlen Platz also nicht mit absoluter Sicherheit garantieren kann, sollte seinen Ausflug auf kühle Tageszeiten verschieben. Oder besser noch: Seinen Vierbeiner Zuhause oder bei Freunden lassen.

Woran erkennt man einen Hitzschlag beim Hund?

Dass auch gesunde Hunde hecheln, um sich abzukühlen, ist gemeinhin bekannt. Extremes Hecheln und Nervosität sind jedoch oft erste Anzeichen für Überhitzung. Des Weiteren zählen vermehrter Speichelfluss, Erbrechen und Durchfall zu den Symptomen, diese können jedoch auch erst nach der Rettung aus der Hitze erfolgen können. Liegt der Hund auf der Seite, wirkt apathisch oder gar komatös, sollte dringend gehandelt werden. Die Mortalitätsrate eines Hitzschlags liegt bei über 50%.

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Was man nicht außer Acht lassen darf: Manche Hunderassen sind besonders anfällig für Hitzschläge. Brachycephale, also kurzköpfige Rassen, laufen größere Gefahr, einen Hitzschlag zu erleiden, da ihre Nasen, die unter anderem zur Regulierung der Körpertemperatur dienen, sehr klein gezüchtet wurden. Dazu zählen beispielsweise Französische Bulldoggen, Möpse, Boston Terrier, Boxer, Cavalier King Charles Spaniels, Pekinesen und Pinscher.

Erste Hilfe beim überhitzten Hund

Zunächst sollte das Tier so schnell wie möglich ins Kühle gebracht werden. Ist der Hund noch bei Bewusstsein, sollte ihm Wasser angeboten werden. Da es den Kreislauf des Hundes zu sehr belasten würde, sollte das Wasser jedoch nicht eiskalt sein. Ist der Hund bereits bewusstlos, sollte er in rechte Seitenlage gebracht werden, um das Herz zu entlasten. Kopf und Hals dabei gestreckt halten, damit die Zunge nicht in die Luftröhre abrutschen kann. Wenn der Hund nicht mehr atmet, könnten seine Atemwege durch Erbrochenes verstopft sein. Ist das der Fall, muss es manuell so gut wie möglich aus Mund und Hals entfernt werden. In allen Fällen sollte man eine Decke, Handtuch oder anderes Textil anfeuchten, um das Tier wickeln und es so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen.

Hund aus heißem Auto retten: Darf man die Scheibe einschlagen?

Wenn es keine akute Notlage ist, sollte zunächst versucht werden, den Besitzer des Hundes ausfindig zu machen. Susan Beaucamp ist Rechtsanwältin und spezialisiert auf Tier- und Hunderecht. Sie rät: Ist dieser nicht zu finden, sollte man nicht zögern, die Polizei oder Feuerwehr zu kontaktieren. Sollte der Hund bereits in einem desolaten Zustand sein, ist es aber wohl moralisch immer die richtige Entscheidung, die Scheibe einzuschlagen, um das Tier zu retten – auch wenn man sich wegen Sachbeschädigung strafbar macht.

„Sinnvoll ist es, die vermeintliche Straftat mit Hilfe von Zeugen und Handyaufzeichnungen zu dokumentieren, damit sich die Beweggründe und Notwendigkeit der Tat vor Gericht beweisen lassen“, sagt Beaucamp. Die Chancen dafür, dass ein eventuelles Verfahren eingestellt wird, seien dann sehr groß. Macht man sich nach der Rettung weiterhin Sorgen um das Wohlergehen des Tieres, könne es Beaucamp zufolge auch Sinn machen, das Veterinäramt einzuschalten. Dieses verhängt zwar keine Geldstrafen, kann aber für lebenslange Haltungsverbote sorgen, wenn die Sachlage es zulässt.

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Geld- und Freiheitsstrafen für den Halter

Wer seinen Hund bei hohen Temperaturen im Auto lässt, kann nach §17 des Tierschutzgesetzes einer Straftat bezichtigt werden. Dieser besagt, dass eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren droht, wenn ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet wird oder ihm „aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zugefügt werden.

„Die Norm setzt jedoch voraus, dass der Täter vorsätzlich handelt, er also die Tat und deren Folgen zumindest billigend in Kauf nimmt“, erläutert Ulrich Bremer, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Köln. Dies sei nach seinem Kenntnisstand eher selten nachzuweisen. Die meisten dieser Fälle würden daher als Ordnungswidrigkeit nach §18 eingestuft. Auch die Kosten für den Einsatz der Polizei oder Feuerwehr trägt laut Rechtsexperten in der Regel der Halter.

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