Fliegende Helfer: Vögel im Einsatz für uns Menschen

Ob Krähe, Taube oder Falke: Seit Jahrtausenden bilden Menschen verschiedene Vogelarten zu nützlichen Helfern aus. Doch ihre Aufgaben haben sich gewandelt: Statt Briefe zuzustellen, holen sie heute Drohnen vom Himmel oder sammeln Müll ein.

Für Adler ist es kein Problem, eine Drohne vom Himmel zu holen. Auf Kommando klappt das jedoch nicht immer so gut wie bei diesem Steinadler: Bei der holländischen Polizei wurde ein Pilotprojekt gestoppt. 

Foto von Martin Mecnarowski / Adobe Stock
Von Nina Piatscheck
Veröffentlicht am 10. Feb. 2022, 14:13 MEZ

Dass Vögel den Menschen nützliche „Dienstleister” sind, ist wahrlich nichts Neues. Schon in der Antike transportierten Brieftauben schriftliche Botschaften von A nach B. Greifvögel sind bereits seit vielen hundert Jahren beliebte Jagdhelfer.

In Zeiten von E-Mails und modernen Schusswaffen fallen viele Aufgaben, die die Tiere einst erfüllt haben, weg. Dafür kommen die gefiederten Helfer heute an anderen Stellen zum Einsatz. Statt Nagetiere jagen sie jetzt Drohnen und statt Ungeziefer picken sie Zigarettenstummel auf. Ein Überblick über die modernen Einsatzgebiete von Vögeln. 

Pay peanuts: Krähen als Müllsammler

Rabenvögel zählen zu den intelligentesten Tieren überhaupt: Sie nutzen Werkzeuge, merken sich Tricks und können Rätsel lösen. In der schwedischen Stadt Södertälje sollen sie in Zukunft für saubere Straßen sorgen. Dort will man wilde Krähen so dressieren, dass sie Zigarettenstummel und anderen Müll einsammeln. 

Plan des Start-ups Corvid Cleaning  ist es, die Tiere mit Futter zur Mitarbeit zu animieren: Jedes Mal, wenn eine Krähe eingesammelten Müll in einen entsprechenden Automaten wirft, wird sie dafür zum beispiel mit Erdnüssen belohnt. Krähenvögel beobachten und imitieren ihre Artgenossen und lernen deshalb schnell - das heißt, sie müssen für den Job nicht extra trainiert werden. Durch müllsammelnde Dohlen und Krähen können Stadtreinigungskosten von rund zwei Cent pro Zigarettenstummel gespart werden. 

Die Initiative in Schweden ist nicht die erste ihrer Art, jedoch die erste, in einer kompletten Stadt. In einem Freizeitpark in Frankreich werden Krähen zum Beispiel schon seit Jahren als Aufräumer eingesetzt. 

Falken am Flughafen: Fliegende Vogelscheuchen

Vögel sind im Umfeld von Flughäfen ein unerwünschtes Risiko: Gerade wenn mehrere Tiere bei Start oder Landung in die Triebwerke geraten, kann das starke Schäden an Flugzeugen verursachen - und viele Vögel töten. 

Ein Lösungsansatz: Vögel mit Vögeln bekämpfen. Dressierte Greifvögel wie Falken oder Bussarde werden zur Vermeidung von Vogelschlag eingesetzt. Dabei schicken Falkner die Tiere über die Flächen, um zum Beispiel Möwen, Tauben oder Krähen zu verscheuchen. In Deutschland arbeitet unter anderem der Hamburger Flughafen mit den Raubvögeln, auch in Nürnberg wird die Methode angewendet. Die fliegenden Vogelscheuchen sind aber auch international im Einsatz, etwa auf Mallorca oder in Kuwait. 

Der Vorteil von Raubvögeln im Vergleich zu anderen Vergrämungstechniken wie Pyrotechnik oder Schreckschusspistolen: Wo ein Greifvogel einen Vogelschwarm vertrieben hat, bleibt dieser normalerweise für zwei bis drei Tage fern. Die Wirkungsdauer von technischen Mitteln ist deutlich kürzer. 

Eulen statt Gift auf Weingütern

Kalifornien ist unterdessen auf die Eule gekommen: Die nächtlichen Jäger werden hier mehr und mehr zur Antwort auf wachsende Schädlingsprobleme. Grund dafür ist eine Studie der Humboldt State University in Artaca, Kalifonien: In einer lang angelegten Untersuchung des Department of Wildlife der Universität wurden rund 300 Eulennistkästen in den Weinbergen des Napa Valley aufgestellt. Die dadurch angesiedelten Eulen sollten Nagetiere von den Weinbergen fernhalten, die sonst mit Gift bekämpft worden wären, das auch für unschädliche Arten tödlich ist.

80 Prozent der insgesamt 75 Weingüter in der Region wurden mit den Nistkästen ausgestattet. Laut Berichten der Wissenschaftler ist die Menge an eingesetztem Gift seitdem deutlich zurückgegangen. Dass Greifvögel effiziente Helfer im Kampf gegen Nagetiere sind, wissen Menschen seit Jahrhunderten. Gifte galten jedoch irgendwann als die praktischere und sicherere Methode bei der Schädlingsbekämpfung. 

Adler als Drohnenabwehr

2017 sorgte die niederländische Polizei weltweit für Schlagzeilen: Als erstes Land wollte sie Raubvögel gegen Drohnen einsetzen. Die Behörde kaufte Seeadlerküken und bildete die heranwachsenden Vögel zur Jagd aus. Einen besonders prominenten Auftritt hatte die fliegende Spezialeinheit beim Nato-Gipfel in Brüssel, international berichteten Medien über die Innovation. Doch zum richtigen Einsatz kam es nie: Nach einem Jahr wurde das Projekt gestoppt.

Weitaus erfolgreicher waren gänzlich undressierte Tiere in freier Wildbahn, unter anderem in den USA: Sie holten Drohnen vom Himmel, die Touristen in ihren Revieren fliegen ließen. Der Krach nervte offenbar nicht nur Naturliebhaber auf der Suche nach Ruhe. 

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