Nosferatu-Spinne: Wo sich der giftige Invasor in Deutschland besonders wohlfühlt

Für Fachleute ist sie ein Faszinosum, für Phobiker ein Albtraum mit acht Beinen. Die südeuropäische Nosferatu-Spinne breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Gerade im Herbst zieht es sie in die warmen Wohnungen.

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 21. Okt. 2022, 08:58 MESZ
Nahaufnahme einer großen Nosferatu-Spinne

Giftig, haarig und ziemlich groß: die Nosferatu-Spinne

Foto von Adobe Stock

Wer genau hinsieht, kann dem Vampir direkt in die Augen schauen. Tatsächlich erinnert der obere Vorderkörper der Nosferatu-Spinne, das Prosoma, an den blutsaugenden Namensgeber, der mit klauenartigen Händen seinem Sarg entsteigt. In den Bergen Transsilvaniens ist Zoropsis spinimana allerdings nicht zu finden. Ihre Heimat ist das westliche Mittelmeergebiet.

Inzwischen fühlt sich die imposante Giftspinne aber auch bei uns pudelwohl. Die ersten Exemplare reisten vermutlich als blinde Passagiere in Güterzügen, Lkws oder Flugzeugen nach Norden. Die Klimaerwärmung scheint die Ausbreitung der wärmeliebenden Art zu beschleunigen.

Während sich die Nosferatu-Spinne in ihrer mediterranen Heimat gern in lichten Wäldern unter Steinen aufhält, sucht sie bei uns ausdrücklich die menschliche Nähe. Als nächtliche Jägerin hält sie im Haus den Insektenbestand klein. Ein Nützling also, der vielen Menschen trotzdem spinnefeind sein dürfte.

Mit etwas Phantasie kann man Gesicht und klauenartige Hände des Vampirs Nosferatu auf dem Vorderkörper der Spinne erkennen.

Foto von Adobe Stock

Spiderman mit Biss

Immerhin erreicht die Nosferatu-Spinne mit ausgestreckten Beinen eine Länge von gut fünf Zentimetern. Neben der Großen Winkelspinne gehört sie damit zu den größten Spinnen in Deutschland. Dank ihrer Hafthaare an den Füßen klettert sie spielend leicht an glatten Oberflächen wie zum Beispiel Glaswänden entlang. Und wenn sie sich bedroht fühlt, kann sie auch zubeißen. Für den Menschen ist ihr giftiger Biss ungefährlich. Er ähnelt einem leichten Bienenstich.

Hierzulande wurde die Nosferatu-Spinne erstmals 2005 in Freiburg im Breisgau entdeckt. Innerhalb weniger Jahre hat sich der haarige Arachnide in weiten Landesteilen ausgebreitet. Das zeigen erste Ergebnisse des Naturschutzbunds Deutschland.

Der Nabu ruft dazu auf, Beobachtungen online zu melden. Innerhalb weniger Wochen wurden bereits rund 16.000 Sichtungen registriert.

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Nosferatu-Spinnen in allen Winkeln der Republik

Inzwischen gibt es Meldungen aus allen Winkeln der Republik. Laut Nabu liegen die Verbreitungsschwerpunkte im Süden und Westen. Vor allem entlang von Rhein, Neckar und Ruhr kommt die Nosferatu-Spinne demnach nahezu flächendeckend vor. Nach Norden und Osten würden die Nachweise merklich ausdünnen.

Spätestens im Herbst zieht es die Nosferatu-Spinne dann nach drinnen. Den Hang zur Gemütlichkeit hat sie übrigens mit der Großen Winkelspinne gemeinsam. Wer sich nicht davor ekelt, den achtbeinigen Stubenhockern nahezukommen, wird die Unterschiede leicht erkennen: Nosferatu grüßt vom Prosoma.

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