Warum Katzen gut für die Gesundheit sein können

Wenn es um Therapietiere geht, wurden Katzen lange unterschätzt. Dabei profitieren Demenzstationen, Therapieeinrichtungen oder Hospize nachhaltig von der beruhigenden und heilenden Wirkung der Tiere.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 4. Aug. 2023, 15:25 MESZ
Eine Therapiekatze wird von einer älteren Person gestreichelt

Kontakt zu Katzen trägt zur Steigerung des psychischen Wohlbefindens bei. Doch auch Menschen mit körperlichen Leiden profitieren vom Schnurren der einfühlsamen Tiere.

Foto von FO_DE / adobe stock

Von Demenzkranken über Menschen mit Depressionen bis hin zu Kindern mit Traumata – viele seelische Leiden können durch tiergestützte Therapieformen gemildert werden. Sie reichen von Streicheleinheiten mit Hunden, Eseln oder Kaninchen bis hin zu therapeutischen Reitstunden mit Pferden. 

Dabei wurde die Wirkung von Katzen lange unterschätzt. Heute weiß man: Sie helfen nicht nur bei der Reduzierung von psychischen und körperlichen Leiden – sie unterstützen Patient*innen auch dabei, Aufenthalte in therapeutischen Einrichtungen positiver wahrzunehmen.

Katzen als tierische Co-Therapeuten

Depression, Sucht, Zwänge: Psychische Krankheiten und Einschränkungen sind so vielfältig wie ihre jeweiligen Symptome. Der Schritt zur helfenden oder gar rettenden Therapie kann einiges an Kraft kosten – ebenso der Mut, sich der professionellen Hilfe verbal zu öffnen. Hier können Katzen und andere Tiere Abhilfe schaffen: Indem die Patienten zu ihnen eine Verbindung aufbauen, fällt es ihnen leichter, sich auf die Therapie einzulassen.

“Es fällt uns allen erst einmal leichter, über Dritte zu sprechen, als über das, was uns selbst betrifft.”

von Margit Dittrich
Diplom-Sozialpädagogin

So setzt auch die Diplom-Sozialpädagogin Margit Dittrich Katzen in ihren Therapiesitzungen ein. Sie engagiert sich mit ihrer Arbeit auf ihrem Hof nahe Würzburg im Bundesverband Tiergestützte Intervention e.V. und arbeitet seit rund 20 Jahren im Bereich der tiergestützten Pädagogik und Therapie mit Kindern und Jugendlichen. „Zusammen mit Klient*innen und einem Tier befindet man sich in einer Dreieckskommunikation – dabei wird etwa zunächst über das Befinden der Katze gesprochen, bevor man sich den eigenen Zielen zuwendet“, sagt sie. 

Die Katzen, mit denen Dittrich arbeitet, sind sehr personengebunden und entscheiden sich häufig ganz von selbst dazu, bei den Übungen mitzumachen. Dazu zählen taktile Erfahrungen durch das Streicheln oder Bürsten ebenso dazu wie die Gespräche über die Tiere. Anschließend wird es wieder zwischenmenschlich und die eigenen Befindlichkeiten sowie die Verbesserung der individuellen Ziele werden angegangen.

„Um mit Katzen in Kontakt zu treten, verlangen diese vom Menschen, zur Ruhe zu kommen“, sagt Dittrich. „Sie wirken stressreduzierend.“ Deshalb sind laut ihr Katzen etwa für hyperaktive Kinder hilfreich und auch insbesondere für Depressive.

Kontakt mit Katzen gegen psychische und körperliche Leiden

Und auch bei Senior*innen in Wohngruppen oder bei Demenzkranken wirken sich Katzen positiv aus. In diesem Bereich engagiert sich Eva Kullmann, erste Vorsitzende des Projekt Therapietiere - Lebensfreunde auf vier Pfoten e.V., die zusammen mit ihren Katzen regelmäßig Demenzstationen und Hospize in Berlin besucht. Wenn ihre Kater Mogli und Baghira den Raum betreten, strahlen sogar die anfänglich eher skeptisch dreinblickenden Augen der Wohngruppe. Kullmann beobachtet die Interaktion von Katzen und Menschen meist erst einmal. Manchmal animiert sie die Tiere durch sogenanntes Clickertraining zu kleinen Tricks – die von den Besuchten mit Leckerlis belohnt werden. Oft wird gestreichelt, beobachtet und in Gesprächen werden die Gefühle der Katzen interpretiert.

BELIEBT

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    Stressreduzierend und ein Anreiz für Kommunikation: Tierische Besuche auf der Demenzstation gehen mit einer ganzen Reihe von positiven Effekten einher. Manche Bewohner*innen blühen in Gegenwart von Katzen förmlich auf.

    Foto von Caterina Trimarchi / adobe stock

    Dass ihre Katzen etwas in den Menschen bewegen, merkt Eva Kullmann meist sofort. „In der Demenzwohnstation wird sofort viel mehr kommuniziert: Über meinen Kater, über eigene Tiere oder über Erlebnisse mit Tieren. Gelegentlich wird dem Kater sogar etwas vorgesungen“, sagt Kullmann. „Manchmal dauert es auch etwas länger, wie etwa bei einem Herrn in der Wohngruppe, der zunächst nichts mit Tieren am Hut hatte. Mittlerweile streichelt er den Kater mit einem breiten Lächeln im Gesicht.“

    Tatsächlich stärkt das Interagieren mit den Katzen das Wohlbefinden und Vertrauen der Bewohner*innen: Es gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Doch damit nicht genug: Von den tierischen Besuchen und Streicheleinheiten profitieren die Menschen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich auf ganzheitlicher Ebene. Während der Interaktion mit Katzen schüttet der menschliche Körper vermehrt Oxytocin aus. Das sogenannte Kuschelhormon wirkt beruhigend, senkt den Blutdruck und kurbelt sogar die Wundheilung an. Kortisol und Adrenalin werden ebenso gesenkt.

    Zudem hat das Schnurren der Tiere laut einer Studie eine heilende Wirkung. Demnach heilen Knochenbrüche bei einer Schnurrfrequenz zwischen 27 und 44 Hertz schneller, die Knochendichte erhöht sich. Eine andere Untersuchung mit mehreren tausend Teilnehmenden bestätigt, dass Menschen, die Katzen besitzen, deutlich seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen sterben. Vor allem ältere Menschen und Pflegebedürftige profitieren dementsprechend von regelmäßigen tierischen Begegnungen, wie sie durch Ehrenamtliche wie Eva Kullmann möglich gemacht werden.

    Galerie: Katzen aus aller Welt

    Katzen motivieren und verändern das Ambiente positiv

    Doch Katzen müssen nicht einmal unbedingt einen aktiven Part in Therapien einnehmen. In einer Studie untersuchten Karin Hediger von der Universität Basel, die schon lange Forschungen zu Mensch-Tier-Beziehungen sowie tiergestützten Interventionen betreibt, und ihr Team jeweils zwei Stationen der psychiatrischen Klinik in Basel. Auf diesen befanden sich hauptsächlich Menschen mit Depression, Drogenabhängigkeit oder Psychosen – einmal mit und einmal ohne Katze.

    „Die Tiere wurden nicht speziell für die Therapie eingesetzt, sondern waren tatsächlich einfach vor Ort und konnten ihren Tag und Aufenthaltsort selbst bestimmen“, sagt Hediger. „Trotzdem kann man sagen, dass sie das Ambiente positiv verändern.“ So zeigte die Studie: Die schlichte Anwesenheit der Katzen verbesserte sowohl den Aufenthalt in der Klinik als auch das Gesamtergebnis der Behandlungen. Die Patient*innen nahmen das Personal, die Gemeinschaftsräumlichkeiten, Erholungsangebote sowie die Klinik selbst durch die Tiere als deutlich zufriedenstellender wahr. Diese Effekte zeigten sich laut Hediger sogar bei Personen, die nicht direkt mit den Tieren interagieren konnten oder wollten.

    Diesen Effekt haben viele Institutionen bereits erkannt: Rund 60 Prozent der psychiatrischen Kliniken in Deutschland beherbergen Tiere auf ihrem Gelände.

    “Es gibt Studien, die bestätigen, dass Katzen zur Verringerung von negativen Emotionen beitragen. Gefühle wie Traurigkeit oder Wut können dadurch besser reguliert werden.”

    von Prof. Dr. Karin Hediger
    Fakultät für Psychologie – Universität Basel

    Heimische Katzen im tierischen Ehrenamt

    Doch welche Katze ist für solch eine tierische Therapiehilfe geeignet? Laut Eva Kullmann im Grunde fast jede. Ihr Verein unterstützt Freiwillige sogar dabei, geeignete Kliniken zu finden. Ein erster Besuch läuft oft so ab: Hygienemaßnahmen, etwaige Allergien der Patient*innen und der grobe Ablauf werden mit dem Fachpersonal in den Einrichtungen vor Ort besprochen – dann darf die Katze erstmals mit den Patient*innen in Kontakt kommen.

    Einige Anforderungen an die Vierbeiner gibt es allerdings doch. „Wie alle Therapietiere muss eine Therapiekatze fit sein und regelmäßig vom Tierarzt gecheckt werden. Sie darf nicht schüchtern sein und sollte es gewohnt sein, sich ohne Furcht an fremden Orten aufzuhalten“, sagt Kullmann. Kratzen oder Beißen sollten in sämtlichen Situationen ausgeschlossen werden können, Leinenführung und einfache Kommandos durch Clickertraining seien ebenso hilfreich. 

    Eine spezielle Ausbildung seitens Besitzerin und Besitzer oder Tier ist für reine Besuche, ohne spezielle therapeutische Ziele, nicht vonnöten. Karin Hediger rät Interessierten dennoch zumindest zu einer Basisausbildung. Vor allem in psychotherapeutischen Settings ist laut ihr grundlegendes Wissen über Diagnosen und deren Auswirkungen hilfreich, um nicht nur die Grenzen des eigenen Tieres einschätzen zu können, sondern auch angemessen auf die Klient*innen der Einrichtung reagieren zu können.

    Ob es letztendlich wirklich eine Katze ist, die einem beim Überwinden von schwierigen Phasen oder Krankheiten helfen kann, oder doch ein anderes Tier, kommt laut Hediger ganz auf die jeweilige Person an. „Vor allem geht es um die Beziehung. Es gibt Menschen, die können besser mit Katzen, andere fühlen sich in der Gegenwart von Hunden wohler.“ Dass die tierischen Helfer uns nachhaltig gut tun steht jedoch außer Frage.


    Am 8. August ist Tag der Katze. Ab 20:15 Uhr feiert National Geographic WILD die beliebten Haustiere mit drei packenden Beiträgen am Stück. National Geographic und National Geographic WILD empfangt ihr über unseren Partner Vodafone im GigaTV Paket.

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