Umwelt

Dieser kleine Inselstaat liefert starke Argumente für den Schutz unserer Meere

Vor zwei Jahren schuf Palau eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt – und es zahlt sich aus. Donnerstag, 9 November

Von Sarah Gibbens

Es ist einleuchtend, dass Ökosysteme florieren, wenn man den Ozean schützt. Dank einer umfassenden Studie von Meeresschutzgebieten des Inselstaats Palau haben Wissenschaftler nun Fakten und Zahlen, um diese logische Schlussfolgerung zu stützen.

Vor fast zwei Jahren erklärte Palau etwa 500.000 km² seines Seehoheitsgebietes zum vollständig geschützten Meeresschutzgebiet, in dem kein Fischfang und kein Rohstoffabbau erfolgen darf. Dieses Schutzgebiet wurde somit das sechstgrößte seiner Art auf der Welt – während die Insel Palau kleiner als New York City ist, wurde sein Meeresschutzgebiet größer als der Staat Kalifornien.

In einer Stellungnahme zum damaligen Zeitpunkt sagte Palaus Präsident Tommy Remengesau Jr., dass dieser Schritt unerlässlich sei, um die Existenzgrundlage der Insel zu erhalten: „Inselgemeinschaften wurden mit am härtesten von den Bedrohungen für unsere Ozeane getroffen. Die Ernennung dieses Schutzgebietes ist ein mutiger Schritt, den das Volk von Palau als wesentlich für unser Überleben anerkennt.“

Jetzt hat die Wissenschaft den Fall bestätigt: In einer Studie, die am 30. März in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ erschien, präsentierten Wissenschaftler des Fisheries Ecology Research Laboratory an der Universität von Hawaii die Ergebnisse ihrer Bemühungen, die Ausmaße der positiven Auswirkungen eines Meeresschutzgebietes zu beobachten.

Die Studie konzentrierte sich besonders auf die Menge der Biomasse – Fische und sogenannte Benthonten, also Bodenlebewesen –, die in Palaus geschützten Regionen vorkam. Um das Meeresleben so wenig wie möglich zu stören, nahmen die Wissenschaftler keine Proben, sondern leiteten ihre Ergebnisse aus Fotografien und direkten visuellen Schätzungen ab.

Sie fanden heraus, dass geschützte Gewässer doppelt so viele Fische hatten wie ungeschützte und fünfmal so viele Raubfische. Als Hauptnahrungsquelle für andere Räuber ist eine gesunde Fischpopulation ein Indikator für ein blühendes Ökosystem.

„Unsere Messungen bestätigen, dass Meeresschutzgebiete ohne Fischentnahme dazu beitragen, die Biomasse der Fische zu vergrößern, so wie wir es auch schon in anderen Gebieten auf der Welt beobachten konnten“, erklärt Enric Sala, ein ortsansässiger National Geographic Explorer, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Durch die geschützten Gebiete können Palaus Fische mehr Nachkommen haben, was wiederum Nutzen für die örtlichen Fischer bringt. Die Studie suggeriert, dass bei zunehmender Biomasse in geschützten Gebieten der daraus resultierende Überlauf an ausgewachsenen Fischen in nicht geschützte Gebiete zu üppigeren Fängen für lokale Fischereien führt.

Sala weist darauf hin, dass der erfolgreiche Naturschutz nicht nur den Richtlinien der Regierung zu verdanken ist, sondern auch der Kultur der Ressourcenschonung unter den Inselbewohnern.

Das Land verfügt über kein Militär, welches die Vorschriften durchsetzen könnte. Stattdessen haben sich die örtlichen Naturschutzbestrebungen aus einer Jahrtausende alten Tradition namens „bul“ entwickelt.Diese Praxis kommt zur Anwendung, wenn Palaus Rat der Anführer bestimmte Riffe für tabu erklärt, um den Fischen einen ungestörten Ort zum Vermehren und Fressen zu bieten. Die Anfälligkeit der Fische während dieser Zeit zu beachten, stellte sicher, dass die Population ausreichend groß sein würde, um die lokale Bevölkerung später im Jahr zu ernähren.

Palau ist in hohem Maße abhängig von einem gesunden Meeresökosystem. Es hat eine der höchsten Biodiversitätsquoten der Erde, und ein erheblicher Teil seiner Umsätze kommt durch Umwelttourismus zustande.

Palau ist natürlich nicht das einzige Land, das von gesunden Meeresressourcen profitiert, aber nur 1,6 Prozent der Weltmeere sind geschützt. Die Forscher hoffen, dass andere Regierungen Notiz davon nehmen werden, wie nutzbringend geschützte Gebiete sein können.

„Wir brauchen so viele Schutzgebiete wie möglich, an abgelegenen und dicht bevölkerten Orten, größere und nicht ganz so große“, sagt Sala. „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“

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