Puerto Rico: Berühmtes Radioteleskop ist eingestürzt

Das Arecibo-Observatorium wurde Anfang der Sechziger zur Erforschung der Ionosphäre erbaut und war eine kritische Ressource der Inselbewohner im Fall von Naturkatastrophen.

Veröffentlicht am 2. Dez. 2020, 16:20 MEZ
Arecibo-Observatorium

Diese Luftaufnahme zeigt die Schäden am Arecibo-Observatorium, nachdem seine 900 Tonnen schwere Ausrüstungsplattform in eine nahe gelegene Felswand eingeschlagen hatte und auf die Reflektorschlüssel darunter gestürzt war.

Bild Ricardo Arduengo, Getty Images

Eine Plattform am Radioteleskop des Arecibo-Observatoriums riss am 1. Dezember kurz vor 8 Uhr Ortszeit aus ihrer Verankerung, stürzte mehr als 135 Meter in die Tiefe und krachte durch den gewaltigen Hauptspiegel des Teleskops. Es war ein katastrophales Ende mit Ansage: In den letzten Monaten waren mehrere tragende Kabel unerwartet gerissen. Niemand wurde verletzt, als die 900 Tonnen schwere Plattform ihren Kampf gegen die Schwerkraft verlor, wie Mitarbeiter des Observatoriums in Puerto Rico berichten.

Das Radioteleskop selbst ist zerstört worden, aber das volle Ausmaß der Schäden an den umliegenden Einrichtungen konnte noch nicht festgestellt werden. Luftaufnahmen zeigen, dass die Plattform wahrscheinlich wie ein Pendel gegen eine nahe gelegene Felswand schlug. Teile der Plattform, darunter eine große Kuppel, in der ein komplexes Reflektorsystem untergebracht war, zerschellten nahe des Zentrums der Reflektorschale. Fotos vom Boden zeigen, dass die Spitzen der drei Türme, die die Plattform tragen, ebenfalls abgebrochen sind. Ohrenzeugen berichteten, dass die abstürzende Plattform wie eine Lawine, ein Zug oder ein Erdbeben klang.

„Wir können bestätigen, dass die Plattform abgestürzt ist und dass uns keine Berichte über Verletzte vorliegen. Wir werden weitere Einzelheiten bekannt geben, sobald sie bestätigt sind“, sagt Robert Margutta von der National Science Foundation (NSF), die für die Anlage verantwortlich ist.

Das berühmte Teleskop befand sich seit August in einem prekären Zustand: Schon damals riss ein tragendes Hilfskabel, fiel durch die Radioschüssel und hinterließ einen 30 Meter langen Riss in den Reflektorpanelen. Die Situation verschärfte sich Anfang November, als eines der Hauptkabel, die die Geräteplattform trugen, ebenfalls riss und das Teleskop am Rande eines katastrophalen Einsturzes stand. Inspektionen ergaben, dass auch andere Kabel Gefahr liefen zu reißen. In den letzten Wochen entdeckten die Ingenieure außerdem gerissene Kabelstränge und andere Anzeichen einer drohenden Gefahr.

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Am 19. November gab die NSF bekannt, dass sie beschlossen habe, das Teleskop stillzulegen und Optionen für einen kontrollierten Abriss des gefährlichen Bauwerks zu begutachten. Diese Entscheidung fiel, nachdem Ingenieurbüros den Bau geprüft und vorausgesagt hatten, dass die Plattform in naher Zukunft zusammenbrechen würde, wenn sie nicht repariert würde.

Angesichts der Gefahr eines drohenden Einsturzes entschieden die Behörden, dass es zu riskant sei, Arbeiter auf die Plattform oder die Türme zu schicken, um Reparaturversuche durchzuführen.

„Wenn wir uns Sorgen machen, dass etwas herunterfällt, sollte niemand da raufgehen oder dabei sein, wenn das passiert“, sagte der ehemalige Direktor der Sternwarte, Michael Nolan, der heute an der University of Arizona arbeitet, damals gegenüber National Geographic.

„Für jemanden wie mich, der als Kind durch das Observatorium dazu inspiriert wurde, nach den Sternen zu greifen, ist das wirklich ein harter Schlag und herzzerreißend. Ich habe erlebt, wie das Observatorium meine Insel bis heute inspiriert“, sagte damals der Planetenforscher Edgard Rivera-Valentin vom Mond- und Planeteninstitut. Rivera-Valentin twitterte nach dem Zusammenbruch des Observatoriums, dass „wir untröstlich und traurig sind und weinen“.

Die Entscheidung der NSF, das Teleskop stillzulegen, hielt Wissenschaftler und Puerto Ricaner nicht davon ab, sich für die Unterstützung des Observatoriums zu engagieren. Für sie besitzt das Teleskop nicht nur einen wissenschaftlichen, sondern auch einen kulturellen Wert. Jahrzehntelang war die Anlage eine Quelle des Stolzes und der Inspiration für die Insel und war bei Naturkatastrophen eine kritische Ressource für die lokale Bevölkerung. Nun hinterlässt das zerstörte Teleskop ein großes, gefährliches Trümmerfeld, das es zu beseitigen gilt – und vielleicht einen Ort, an dem es wiederaufgebaut werden kann.

Anne Virkki, die das Planetenradarteam des Observatoriums leitet, schrieb in einer E-Mail: „Wir müssen sofort mit der Kampagne für den Wiederaufbau beginnen.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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