Long Covid: Parallelen zu Alzheimer und Parkinson

Ein Forschungsteam aus Hannover hat eine neue Studie zum Coronavirus und seinen neurologischen Symptomen veröffentlicht. Die Ergebnisse könnten helfen, Therapien gegen die Spätfolgen des Virus zu entwickeln.

Ein Forscherteam aus Hannover hat herausgefunden, dass im Gehirn bei einer Corona-Infektion Proteinsammlungen auftreten, die auch im Zusammenhang mit Alzheimer- und Parkinson-Erkrankungen bekannt sind.

Foto von Fusion Medical Animation via Unsplash
Von National Geographic
Veröffentlicht am 17. Juni 2022, 14:19 MESZ

Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Angstzustände: Long Covid hat viele Gesichter. Eine neue Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), die im Fachmagazin eBioMedicine - The Lancet veröffentlicht wurde, beschreibt nun eine mögliche Ursache für die Spätfolgen: Proteinansammlungen im Gehirn, die auch im Zusammenhang mit Alzheimer- und Parkinson-Erkrankungen bekannt sind. 

Für die Studie untersuchte das Team der Professorin Dr. Franziska Richter Assencio, Leiterin des Instituts für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Stiftung TiHo, die Gehirne Syrischer Goldhamster während und nach einer Infektion mit SARS-CoV-2. Nach überstandener Krankheit stellten die Wissenschaftler in den Nervenzellen der Großhirnrinde  Alpha-Synuclein-Proteine sowie in ihrer Struktur veränderte Tau-Proteine fest. Beide Proteine traten in erhöhter Menge auf – und spielen bei der Entwicklung von Alzheimer und Parkinson eine entscheidende Rolle. 

Nach Angaben der Autorinnen und Autoren der Studie könnten diese Proteinansammlung eine Ursache für die langanhaltenden neurokognitiven Störungen während und  im Anschluss an eine COVID-19-Infektion sein.  

67 Prozent der Corona-Patienten haben neurologische Symptome

Den Forschenden aus Hannover zufolge weisen bis zu 67 Prozent der COVID-19-Patientinnen und -Patienten während der Infektion neurologische Symptome auf, die teilweise auch noch Wochen nach der Erkrankung bestehen. In diesem Fall sprechen Medizinerinnen und Mediziner von Long Covid. An Post Covid leiden Betroffene, die die Infektion eigentlich überstanden haben, bei denen es aber einige Zeit später erneut zu einem Verlust der kognitiven leistungsfähigkeit kommt. Was genau Long und Post Covid auslöst, ist nach wie vor unklar. 

Der genaue Zusammenhang zwischen der beobachteten Anhäufung der Proteine in den Neuronen und den fortschreitenden Prozessen, die Nervenzellen schädigen und neurologische Symptome auslösen, muss laut Franziska Richter Assencio von der TiHo mithilfe weiterer Studien geklärt werden. „Es besteht noch viel Forschungsbedarf. Eines steht aber fest: Wenn wir die Ursachen für die Symptome von Long und Post Covid kennen, können darauf aufbauend rationale Therapien für die Betroffenen entwickelt werden.”

Alzheimer und Corona

Ähnlichkeiten zwischen Corona und neurokognitiven Störungen wie Alzheimer konnten bereits im Rahmen vorangegangener Studien festgestellt werden. Im Januar 2022 zeigte eine Studie der New York University, dass die Erkrankung die Gehirnleistung infizierter Personen vermindert. Die Anzahl neurodegenerativer Biomarker, die in hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten nachgewiesen wurden, entsprach der in Menschen, die an Alzheimer erkrankt waren – oder überstieg diese sogar. Das University College London meldete, dass sich Alzheimer und Covid-19 offenbar einen genetischen Risikofaktor teilen.

Angst haben, dass man aufgrund einer Covid-Erkrankung dement wird, muss man jedoch nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) nicht: „Diese Sorge ist unbegründet, zumal sich die kognitiven Einschränkungen bei Menschen mit Post- oder Long-COVID wieder verbessern”, sagt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

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