Großartige Giganten: 5 überraschende Fakten über Dinosaurier

Wie haben sich Dinosaurier angefühlt? Welche Dinos haben das heutige Deutschland besiedelt? Und mit wem teilten sich die Riesen ihren Lebensraum? Fünf spannende Fakten rund um das Leben und Sterben der Dinosaurier.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 15. Aug. 2023, 08:53 MESZ
Zwei ausgewachsene Mamenchisaurus-Dinosaurier begleiten einen Jungen über einen Fluss, während drei Exemplare des Pterodactylus nach Fischbeute ...

In der Dinosaurier-Forschung hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Neue Erkenntnisse zeigen, wie das Leben der Urtiere ausgesehen haben könnte.

Foto von Catmando / Adobe Stock

Brontosaurus, T. rex, Triceratops – einige der beliebtesten Tiere, vor allem bei Kindern, sind Dinosaurier. Obwohl sie bereits seit Millionen von Jahren ausgestorben sind, faszinieren die urzeitlichen Giganten bis heute. So haben sie nicht nur in der Forschung einen festen Platz – auch die Popkultur wird von Dinosauriern beherrscht: Jurassic ParkIn einem Land vor unserer Zeit und unzählige Kinder- und Wissensbücher erleben in ihrer Beliebtheit keinen Abbruch.

Auch Armin Schmitt hat das Dinosaurierfieber in seiner Kindheit gepackt – und seitdem nie mehr losgelassen. Als Paläobiologe forschte er fünf Jahre an der University of Oxford, nun arbeitet er an der University of Cambridge. In seinem kürzlich erschienenen Buch Großartige Giganten führt der deutsche Wissenschaftler durch Millionen von Jahren Dinosauriergeschichte und erklärt die spannendsten Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte.

Wie die Welt der Dinosaurier aussah und wo die Wissenschaft noch im Dunkeln tappt – fünf spannende Fakten über die Urzeitgiganten. 

Inhalt

1. Wie hörten sich Dinosaurier an?

In Filmen werden große Raubsaurier mit furchteinflößendem Brüllen dargestellt. Doch der Realität entspricht das nicht. Das Gebrüll der Raubsaurier aus Jurassic Park wurde beispielsweise zu einem großen Teil von den Lauten anderer bekannter Prädatoren inspiriert. „Im Allgemeinen kann man sagen, dass Dinosaurier sicher nicht so geklungen haben wie in den Filmen“, sagt Schmitt. Das läge vor allem daran, dass Dinosaurier – genau wie Vögel heute – keine Stimmbänder hatten. „Sie erzeugten Geräusche mit einem Organ, das Syrinx genannt wird“, sagt der Paläobiologe. Diese besteht aus verzweigten Knorpelringen und Tonhäutchen, die durch Atmung in Schwingung geraten. 

Beim Anblick eines solchen Bildes kommt einem oft das furchteinflößende Gebrüll aus Filmen in den Sinn. Doch in Wahrheit können Saurier solche Geräusche wohl nicht von sich gegeben haben.

Foto von warpaintcobra / Adobe Stock

Vögel können mit der Syrinx eine ganze Reihe von Geräuschen erzeugen – bei Dinosauriern ist bislang allerdings kaum erforscht, welche Laute sie von sich gaben. „Es gab Versuche, das Stimmrepertoir bei Hadrosauriern – einer Gruppe der pflanzenfressenden Vogelbeckendinosaurier – zu rekonstruieren, das sie möglicherweise mit ihren markanten Kämmen erzeugen konnten“, sagt Schmitt. Dabei haben Forschende anhand eines ungewöhnlich gut erhaltenen Kopffossils einen trötenden Ruf simuliert, den die Dinosaurier wie der Parasaurolophus von sich gegeben haben könnten. „Bei anderen Dinosauriern ist es aber schwer, verlässliche Aussagen zu machen“, sagt Schmitt. 

2. Wie sahen Dinosaurier aus?

Gerade die großen fleischfressenden Raubsaurier stellen wir uns heute oft als Ungeheuer mit trockener und hornschuppenbedeckter Haut vor – ähnlich wie Reptilien. Doch das stimmt nicht so ganz. „Sehr viele der fleischfressenden Dinosaurier waren zumindest teilweise gefiedert, einige von ihnen hatten sogar Deckfedern, wie wir sie von modernen Vögeln kennen“, sagt Schmitt. 

So beispielsweise der 2012 in China entdeckte Raubsaurier Yutyrannus huali. Er gehört zur Gruppe der Tyrannosauroidea, zu der auch der T. rex gehört, und ist der bislang größte beschriebene gefiederte Dinosaurier. Außerdem gab es laut Schmitt vermutlich so etwas wie Borsten-ähnliche Protofedern, die vermutlich Entenschnabel-, Keulenschwanz- und Horndinosaurier trugen. Weit weg also vom Bild des schuppigen Riesenreptils.

Sinosauropteryx ist einer der ersten Saurier, dessen Farbgebung Forschende mithilfe von Farbpigmenten entschlüsseln konnten. Im Rahmen einer Studie offenbarten sie die verschiedenen Farben der Federn des Sauriers.

Foto von Jim G. Robins

Und welche Farben hatten diese Federn und Schuppen? Bei dieser Frage wurden lange Zeit Rückschlüsse von heutigen Tieren auf die ausgestorbenen Saurier gezogen. In den letzten Jahrzehnten gelang es Forschenden aber, anhand von Farbpigmenten das Aussehen einiger Saurierarten konkret zu rekonstruieren. So wissen wir heute beispielsweise, dass es rotgelbe Dinosaurier mit orange-weiß gestreiftem Schwanz gab.

3. Welche evolutionären Entwicklungen begannen bei den Dinosauriern?

Bevor der Asteroid sie aussterben ließ, waren Dinosaurier hunderte Millionen Jahre lang erfolgreiche Erdbewohner. „Dinosaurier sind nicht die plumpen und behäbigen Tiere, als die sie oft dargestellt werden“, sagt Schmitt. Sie seien stets in der Lage gewesen, sich an veränderte Umwelt- und Klimabedingungen anzupassen – und hätten dadurch gleich mehrere tierische Eigenschaften „erfunden“, die wir heute noch kennen. „Dazu zählt zum Beispiel die effizienteste Atmung aller Wirbeltiere, die Federn, und der Vogelflug“, so der Paläobiologe. Durch ihr plötzliches Aussterben würden diese Errungenschaften oft vergessen.

4. Mit welchen Lebewesen teilten sich Dinosaurier ihren Lebensraum?

„Viele Tierarten, die wir heute kennen, haben auch schon zu Lebzeiten der Dinosaurier existiert“, sagt Schmitt. Dazu gehören heutige Insekten- und Eidechsenarten, die ihren prähistorischen Artgenossen sogar noch recht ähnlich sehen. „Auch Säugetiere haben schon zur Zeit der Dinosaurier gelebt, allerdings waren die alle ausnahmslos eher klein und ähnelten unseren heutigen Säugern nicht sonderlich“, sagt der Paläobiologe. Beispielsweise habe es weder Löwen noch Giraffen gegeben. Vielmehr bevölkerten nagetiergroße, nachtaktive Tiere den Boden unter den Sauriern, darunter beispielsweise das mausähnliche Filikomys primaevus.

Neben Krokodilen, die bekanntermaßen schon zu Lebzeiten der Saurier existieren und sich bis heute ebenfalls nur wenig verändert haben, gab es vor über 66 Millionen Jahren auch bereits Urzeit-Frösche. Auch jene haben sich bis heute wenig verändert. Vom Zirpen und Summen der Insekten bis zum Quaken der Frösche haben Dinos also vermutlich schon ganz ähnliche Laute in ihrer Umwelt vernommen wie wir heute. 

5. Welche Dinosaurier gab es in Deutschland?

Die meisten der sehr bekannten Dinosaurierfunde stammen aus den USA, China und Südamerika. Vor allem die in den USA entdeckten Exemplare – Tyrannosaurus, Triceratops, Stegosaurus, Brontosaurus – sind besonders populär. Funde aus Deutschland sind meist weniger bekannt – auch, weil in dieser Region generell weniger Saurier lebten. „Das liegt daran, dass große Teile Deutschlands zur Zeit des Jura unter Wasser lagen und deshalb hauptsächlich Fossilien von Ichthyosauriern und Meereskrokodilen gefunden werden“, sagt Schmitt. Dennoch lebten auch hier Landsaurier – hauptsächlich auf kleinen Inseln. 

So beispielsweise der Europasaurus holgeri, der erstmals in Norddeutschland entdeckt wurde. Europasaurus erinnert mit seinem langen Hals an einen Brachiosaurus, aufgrund seines Insellebens und dem geringen Nahrungsangebot war er für einen Sauropoden, zu denen auch Brachiosaurus gehört, mit seinen höchstens sechs Metern Länge allerdings extrem klein. 

„Es waren aber nicht alle deutschen Dinosaurier Zwerge“, sagt Schmitt. Fußspuren aus Münchehagen belegen beispielsweise, dass im heutigen Niedersachsen einst sehr große Langhalsdinosaurier gelebt haben. Im Harz hat man außerdem Zähne und Fußspuren von riesigen Fleischfressern gefunden und in Süddeutschland lebte nachweislich der Plateosaurus, der vor über 200 Millionen Jahren gelebt hat und schon damals bis zu zehn Meter lang werden konnte. 

Und auch diese waren sicher nicht die letzten, die entdeckt wurden. „Vieles, was wir über Dinosaurier wissen, haben wir erst in den letzten Jahren herausgefunden“, sagt Schmitt. „Ich denke, dass wir in der Zukunft noch viel mehr Geheimnisse entschlüsseln werden, die im Moment noch unlösbar erscheinen.“

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