Schlemmen verboten? Wieso ungesunde Ernährung sofort schaden kann

Wie wir uns ernähren, hat einen direkten Effekt auf unsere Gesundheit – gesundes Essen ist darum essenziell. Doch was passiert, wenn man ausnahmsweise sündigt?

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 18. Aug. 2023, 15:38 MESZ
Oberkörper zweier essender Frauen an einem Tisch, davor zwei rote Limonaden und ein Teller Pommes mit ...

Ausnahmsweise eine Pommes oder Limo zwischendurch – einmal ist schließlich keinmal. Lieber nicht, sagt hingegen eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Foto von cottonbro studio / Pexels

Sich auch einmal etwas gönnen und beim Essen nicht unbedingt immer die gesündeste oder vernünftigste Wahl treffen – alle tun es. Schließlich geht es nicht nur um die Nahrungsaufnahme, sondern auch um den Genuss. Wer Diät macht, legt zwischendurch einen Schummeltag, den sogenannten Cheat Day ein, an dem erlaubt ist, was sonst nicht auf den Tisch kommt. Tagelanges Schlemmen gehört so sehr zu Weihnachten wie der Christbaum. Und auch im Urlaub geht man die Ernährung gerne etwas lockerer an als im Alltag. Wie schlimm kann das schon sein?

Laut einer Studie des Universitätklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), die in der Zeitschrift nature immunology erschienen ist, sind ungesunde Ausnahmen beim Essen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Selbst, wenn man sich ansonsten generell gesund ernährt, haben Abweichungen von dieser Regel demnach ernste Folgen – für unser Immunsystem.

Nahrung verändert die Darmflora in Echtzeit

Unsere Ernährung hat einen tiefgreifenden Einfluss auf unser Immunsystem. Zwischen der Darmflora – also der Zusammensetzung symbiotischer Bakterien in unserem Darmtrakt – und unseren Ernährungsgewohnheiten besteht ein direkter Zusammenhang. Ändert sich die Art von Nährstoffen, die wir in uns aufnehmen, verändert sich schnell auch das Mikrobiom unseres Darms. Das Wachstum bestimmter Bakterien wird gegenüber anderen begünstigt.

Die Darmflora hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das Immunsysten. Das internationale Studienteam unter der Leitung von Nicola Gagliani, Forschungsgruppenleiter in der Klinik für Allgemeinchirurgie am UKE, wollte darum herausfinden, ob sich bereits eine kurzfristige Ernährungsumstellung auf dessen Funktion auswirkt.

Das Leben ist süß – Zucker und seine Folgen
Was wir jeden Tag essen hat einen Einfluss auf unsere Gesundheit und die unserer Umwelt. Doch amerikanische Kinder essen häufiger Pommes Frites als Gemüse.

Getestet wurde dies am lebenden Objekt: Zunächst an Mäusen, dann im Rahmen einer Proband*innen-Studie am Menschen. Teilnehmende Personen erhielten erst fünf Tage lang eine ballaststoffreiche Diät, danach ernährten sie sich fünf Tage lang genau entgegengesetzt: ballaststoffarm und fettreich.

Fett und Zucker blockieren Immunantwort

Die Ergebnisse sind deutlich: Nach dem Wechsel zur ungesunden Ernährungsweise nahm die Menge mikrobieller Stoffwechselprodukte in den Proben der Studienteilnehmenden ab. Dieser Rückgang zog eine merkliche Drosselung der Funktion von CD4+T-Zellen nach sich. Diese Zellen, die auch T-Helferzellen genannt werden, haben eine elementare Funktion in unserem Immunsystem. Sie erkennen Krankheitserreger, mobilisieren T-Killerzellen, die die Antigene eliminieren und informieren B-Lymphozyten darüber, welche Antikörper zu produzieren sind.

Schon eine kurzfristige, ungesunde Ernährung behindert also das Immunsystem bei seiner Arbeit – und das unmittelbar und gravierend. Eine höhere Anfälligkeit für bakterielle Infektionen ist die Folge.

„In unserer Studie konnten wir zeigen, wie synchronisiert unser Ernährungsverhalten und unsere Immunreaktionen sind und wie selbst eine kurzfristige Umstellung auf Schlemmereien zu einer raschen Beeinträchtigung des Immunsystems führt“, sagt Gagliani. „Unsere Daten machen deutlich, wie schnell und tiefgreifend sich unsere täglichen Essensentscheidungen auf unsere Gesundheit auswirken können.“

Den Schaden reparieren

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Durch einen erneuten Wechsel zu einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung kann der Effekt rückgängig gemacht und ein effizienter T-Zellen-Stoffwechsel wiederhergestellt werden.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die wichtige Rolle, die unsere Ernährung beim Erhalt der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger spielt. „Positiv ausgedrückt heißt dies, dass mithilfe einer regelmäßigen ausgewogenen Ernährung etwa die Wirksamkeit von Impfstoffen und Immuntherapien maximiert werden könnte“, sagt Francesco Siracusa, Immunologe und Erstautor der Studie. Über den unmittelbaren Effekt von ungesundem Essen – selbst, wenn wir es nur ausnahmsweise zu uns nehmen –, sollte man sich aber bewusst sein.

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