Geschichte und Kultur

Maya handelten Tiere für Zeremonien schon vor 2.400 Jahren

Eine Untersuchung von Zähnen und Knochen zeigte, dass die Tiere teils aus weit entfernten Regionen stammten und eine wichtige Rolle bei Zeremonien spielten.Dienstag, 20. März 2018

Von Kristin Romey
In der Maya-Ruinenstadt Seibal in Guatemala fand man einige der bisher ältesten Belege für zeremonielle Aktivitäten in der Region.

Zähne und Knochen aus einer 3.000 Jahre alten Stätte der Maya in Guatemala sind nun einige der ältesten Belege Amerikas für die Haltung von und den Handel mit Tieren. Die Entdeckung offenbart, dass Zeremonien mit Tieropfern eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Maya-Gesellschaft gespielt haben könnten.

Wo suchten die Forscher?

In vielen Teilen der Welt spielte die Domestizierung von Tieren eine wichtige Rolle bei der Ernährung wachsender Städte und Gesellschaften. Einige europäische und asiatische Kulturen begannen mit der Zucht von Tieren wie Schweinen schon vor bis zu 9.000 Jahren.

Forscher untersuchten die Überreste von 46 Tieren aus Seibal, darunter Hunde, Hirsche und Langschwanzkatzen (abgebildet).

Im alten Mesoamerika sah das etwas anders aus. Dort gibt es zwar Belege dafür, dass Kulturen wie die der Maya Nutzpflanzen anbauten, allerdings schienen sie nur wenige Tiere zu züchten, hauptsächlich Hunde und Puten. Wie entwickelte sich die Gesellschaft der Maya ohne die wirtschaftlichen und politischen Faktoren der Tierhaltung?

Was entdeckten sie?

Forscher untersuchten Knochen und Zähne aus der Ruinenstadt Seibal in Guatemala und veröffentlichten ihre Ergebnisse in „Proceedings of the National Academy of Sciences“. In der Stätte fanden sich einige der ältesten Belege für zeremonielle Handlungen der Maya. Die Forscher fanden Knochen und Zähne von Hunden und Katzen in den Bereichen rund um den zentralen Platz von Seibal. Die Überreste wurden auf 700 – 350 v. Chr. datiert und fallen daher grob in die Mittlere Präklassik. Damit sind sie Jahrhunderte älter als die zuvor entdeckten Belege für Tierhaltung bei den Maya.

Was offenbarten ihre Untersuchungen?

Die Forscher analysierten die Überreste, um das Verhältnis diverser Isotope darin festzustellen. Eine höhere Konzentration von Kohlenstoffisotopen würde darauf hindeuten, dass das Tier zu Lebzeiten viel gezüchtetes Getreide (oder mit solchem Getreide gefütterte Tiere) gefressen hat. Niedrigere Werte würden hingegen eher auf einen vermehrten Verzehr von Wildpflanzen hinweisen.

Die Analyse offenbarte, dass in sämtlichen Überresten der Hunde hohe Konzentrationen von Kohlenstoffisotopen vorhanden waren. Auch eine Großkatze, womöglich ein Jaguar, war auf Basis des gezüchteten Getreides ernährt worden. (Andere Katzen aus späteren Ausgrabungen in Seibal hatten sich anscheinend eher von Tieren aus dem örtlichen Dschungel ernährt).

Die Isotopsignatur offenbarte außerdem, dass 44 der 46 gefundenen Tiere aus der Region stammten. Die restlichen zwei Tiere (beides Hunde) kamen aus einer trockeneren Berggegend, die weit vom südlichen Tiefland Seibals entfernt liegt. Einer der fremden Hunde und die Großkatze wurden etwa 400 v. Chr. in Gruben unter einem Gebäude in Seibals zeremoniellem Zentrum gefunden.

Warum ist das wichtig?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Tiere für zeremonielle Aktivitäten genutzt wurden, die stattfanden, als Seibal gerade zum regionalen Zentrum politischer Macht wurde, wie die Forscher anmerken. Während die Maya Tiere also nicht vornehmlich zu Nahrungszwecken hielten, förderte deren Zucht und Handel zu zeremoniellen Zwecken dennoch das wirtschaftliche Wachstum und die politische Entwicklung der Gesellschaft. Die Forscher vermuten, dass die Tiere daher wahrscheinlich eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Maya-Zivilisation gespielt haben.

„In Asien, Afrika und Europa ging das Tiermanagement Hand in Hand mit der Stadtentwicklung“, sagt die Co-Autorin der Studie Ashley Sharpe, eine Archäologin des Smithsonian Tropical Research Institute. „Aber in Amerika schienen die Menschen Tiere für zeremonielle Zwecke gezüchtet zu haben. Das Wachstum von Städten scheint daher nicht direkt mit der Tierhaltung zusammenzuhängen.“

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