300 Millionen Jahre alt: Älteste Spinnenart Deutschlands entdeckt

Das Fossil von Arthrolycosa wolterbeeki ist uralt und erstaunlich gut erhalten. Die Überreste der kleinen Spinne geben Einblicke in das Leben Europas zur Zeit des späten Karbons.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 1. Aug. 2023, 09:17 MESZ
Das Fossil der ältesten Gliederspinne Deutschlands: Arthrolycosa wolterbeeki.

Das Exemplar der Arthrolycosa wolterbeeki lebte vor etwa 310 bis 315 Millionen Jahren im heutigen Piesberg bei Osnabrück in Niedersachsen. Damit ist sie die älteste fossile Spinne Deutschlands. 

Foto von Jason Dunlop

Rund 1.000 Spinnenarten krabbeln heutzutage durch Deutschland. Von der vier bis sieben Millimeter kleinen Zebraspringspinne bis hin zur invasiven und 5 Zentimeter großen Giftspinne namens Nosferatu. Weltweit sind die achtbeinigen nützlichen Räuber noch besser aufgestellt: Über 51.000 Arten wurden bislang im World Spider Catalog dokumentiert.

Etwa 1.400 bekannte Spinnenarten gelten derweil als ausgestorben. Nun kommt eine neuentdeckte Art hinzu: In einem Steinbruch bei Osnabrück wurde das Fossil der ältesten bekannten Spinnenart Deutschlands entdeckt. Arthrolycosa wolterbeeki wurde erstmals von Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde Berlin beschrieben. Ihr Alter wird auf stolze 310 bis 315 Millionen Jahre geschätzt. 

Erstaunlich gut erhalten: Arthrolycosa wolterbeeki 

Damit ist sie „die erste paläozoische Spinne“, die hierzulande nachgewiesen wurde – wie die Studie des Museums für Naturkunde des Leibniz Instituts für Evolutions- und Biodiversitätsforschung mitteilt. Mit ihrem stolzen Alter stößt sie die bisherige Rekordhalterin aus dem Jura vor 200 bis 145 Millionen Jahren von Platz eins.

Arthrolycosa wolterbeeki maß zu Lebzeiten vermutlich eine Beinspannweite von 4 Zentimetern. Ihr Entdecker Tim Wolterbeek spendete das Fossil an das Berliner Museum. Ihm zu Ehren benannte Dunlop die Art schließlich. 

Foto von Jason Dunlop

Dass es sich tatsächlich um eine Spinne handelt, konnte Dunlop dank der erstaunlich gut erhaltenen Überreste ausmachen. A. wolterbeeki besitzt charakteristische seidenproduzierende Spinndrüsen. Auch Krallen und feine Haare konnte der Paläontologe dokumentieren. Vermutlich wies das Tier zu Lebzeiten eine Beinspannweite von vier Zentimetern und eine Körpergröße von einem Zentimeter auf.

Einzuordnen ist das Exemplar als Gliederspinne. Heutzutage kommen diese lediglich noch in Ostasien vor. Gliederspinnen unterscheiden sich zu dem Großteil der restlichen heute lebenden Spinnen durch ihren segmentierten Hinterleib. Anders als andere Arten bauen sie kein Nest, sondern verbringen die meiste Zeit in einem aus Seidenfäden bestehenden Bau – möglicherweise auch A. wolterbeeki.

Erste deutsche Urzeit-Spinne aus dem Karbon

Neben dem hohen Alter ist der Fund auch aus einem anderen Grund spektakulär: Denn es gibt äußerst wenige Überreste von Spinnen aus dem späten Karbonzeitalter. Dadurch war bisher nicht gesichert, ob Spinnen bereits zu dieser Zeit in den damaligen Steinkohlewäldern des heutigen Niedersachsens lebten. Bislang konnten gerade einmal 12 andere Arten aus dem Karbon sicher identifiziert werden. Diese stammen aus den USA, Frankreich, Polen und der Tschechischen Republik. 

Laut Dunlop könnten diese raren Funde mit ihrem Lebensstil zusammenhängen. „Wenn Spinnen aus dem Karbon einen ähnlichen Lebensstil des ‚Sitzens und Wartens‘ in einer Höhle oder einer ähnlichen Art von Rückzugsort hatten, könnte dies erklären, warum sie nur selten mit Gewässern in Berührung kamen, die für ihre Erhaltung als Fossilien notwendig sind“, erklärt Dunlop. 

Geopark Piesberg: Niedersächsische Fossilien-Goldgrube  

Der Fundort am Piesberg liegt inmitten des UNESCO Natur- und Geoparks TERRA.vita im niedersächsischen Osnabrück. Zu der Zeit, als A. wolterbeeki hier in den Sumpfwäldern und weit verzweigten Flusslandschaften lebte, war das Klima Niedersachsens nahezu tropisch, da Europa im Karbon noch relativ nah am Äquator lag.

Hunderte Millionen Jahre später fördert der heutige Steinbruch unzählige Fossilien der urzeitlichen Tier- und Pflanzenwelt zutage. Arthrolycosa wolterbeeki reiht sich damit in eine Vielzahl von wertvollen Funden ein. Zusätzlich bereichert sie die 30 Millionen Objekte umfassende Artensammlung des Museums für Naturkunde Berlin.

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