Altes Ägypten: Rätsel um die mumifizierten Paviane gelöst

Paviane galten im Alten Ägypten als heilig und wurden deshalb zu einer Vielzahl geopfert und mumifiziert. Dahinter steckte eine ganze Industrie, die für die Tiere viel Leid bedeutete.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 12. Dez. 2023, 09:52 MEZ
Pavianmumie vor schwarzem Hintergrund.

Dieser Pavian war im Alten Ägypten wohl eine Ausnahme: Er war vermutlich das Haustier eines hochrangigen Menschen.

Foto von RICHARD BARNES / NAT GEO IMAGE COLLECTION

Von Ibissen über Katzen bis hin zu Krokodilen – die Alten Ägypter mumifizierten nicht nur Menschen, sondern auch unzählige Tiere. En vogue war die Praxis zwischen dem 9. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. und wurde hauptsächlich aus religiösen Gründen durchgeführt. 

Doch nicht nur heimische Tiere wurden von den Ägyptern damals in Mumien verwandelt, auch Paviane waren unter den symbolischen Opfern an große Gottheiten. Laut einer neuen Studie eines internationalen Forschungsteams erging es den Primaten jedoch nicht sonderlich gut, nachdem sie nach Ägypten gebracht wurden, um dort geopfert zu werden. 

Paviane in Gefangenschaft

Für ihre Studie untersuchte das Team 36 Pavian-Mumien aus Theben, einer altägyptischen Stadt und Grabungsstätte in Oberägypten. Die Mumien stammen alle aus der Zeit zwischen 800 und 500 v. Chr., also aus der Anfangszeit der Tradition. Dabei fanden die Forschenden bei allen Tieren Läsionen und Deformationen an den Knochen sowie Hinweise auf Mangelernährung und Vitaminmangel. Ähnliche Ergebnisse haben bereits Untersuchungen an Pavian-Mumien aus den altägyptischen Stätten Sakkara und Tuna el-Gebel gebracht, die beide in Mittelägypten liegen.

Der Sarg einer Ibis-Mumie. Ibisse galten im Alten Ägypten – wie Paviane – als eine Manifestation des Gottes Thoth. 

Foto von Wikimedia Commons

Das zeigt: Obwohl die Tiere für religiöse Zwecke genutzt wurden und in Verbindung mit Göttern standen, wurden sie unter extrem schlechten Bedingungen gehalten. Die Forschenden vermuten, dass die Paviane in geschlossenen Anlagen mit hohen Wänden eingepfercht wurden und nur unzureichend gefüttert wurden. Mögliche Orte dafür könnten Korridore in Tempelanlagen gewesen sein, die den guten Kletterern keine Chance gaben, zu entkommen. Die Deformationen und Läsionen könnten den Tieren außerdem von Menschen zugefügt worden sein, die die aggressiven Paviane kontrollieren wollten. „Das Leben der heiligen Paviane Ägyptens war nicht einfach“, heißt es in der Studie.

Woher kamen die Paviane?

Demografische Daten sprechen laut den Forschenden dafür, dass die Paviane hauptsächlich in dem sudanesischen Niltal, dem Horn von Afrika oder dem südlichen Teil der Arabischen Halbinsel gefangen wurden. Gemeinsam bildeten diese Tiere nach den Erkenntnissen der Forschenden eine Zuchtpopulation, die in Theben gehalten wurde und Nachschub für die Mumienmacher liefern sollte.

Diese These wird auch durch altägyptische Texte unterstützt, die von großflächigen Farmen für Ibisse und andere Tiere erzählen, deren einziger Zweck es war, später zur Mumie zu werden. Es gibt aber auch Theorien, die dafür sprechen, dass die Alten Ägypter einige der Opfertiere in großem Stil einfingen und dann nur kurz festhielten, bevor sie getötet wurden. Eine Studie aus dem Jahr 2019 beispielsweise zeigt, dass diese Methode bei Ibissen aus Sakkara und Tuna el-Gebel angewendet wurde. Die Paviane in Theben wurden aber nachweislich länger festgehalten – auch weil sie im Gegensatz zu Millionen von Hunden, Katzen und Vögeln seltener geopfert wurden.

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