Paarstudie: Woran man erkennt, ob eine Beziehung hält

Immer weniger Menschen leben als Paar zusammen. Was braucht es für eine glückliche Beziehung?

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 8. Feb. 2024, 15:22 MEZ
Ein glückliches Paar umarmt sich.

Gesunde Beziehungen machen glücklich.

Foto von Adobe Stock

Mit Partner oder Partnerin in einem gemeinsamen Haushalt wohnen – dazu entscheiden sich immer weniger Menschen in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2023 lebten nur noch 60 Prozent der Erwachsenen als Paare zusammen. Das hat das Statistische Bundesamt errechnet. 1996, im ersten Jahr der Erhebungen, waren es noch 66 Prozent. Besonders stark ist der Rückgang bei jungen Leuten. Auch verheiratete Paare leben seltener unter einem Dach als früher. Sind Partnerschaften deshalb heute weniger intensiv? 

Das lässt sich aus der Statistik nicht ableiten. Aber: Die erste gemeinsame Wohnung ist für viele eine echte Herausforderung. „Nicht immer gelingt es, den Traum vom gemeinsamen Wohnen gut zu realisieren“, sagt Paartherapeut Ferdinand Krieg. „Paare erleben nämlich auch, dass sie, seitdem sie zusammengezogen sind, über eine Flaute in der Partnerschaft klagen. Oder über ein höheres Maß an Konflikten.“

Getrenntlebende Paare sind dagegen oft weniger abhängig voneinander. So lassen sich unterschiedliche Lebensvorstellungen besser verwirklichen. Davon profitiert auch die gemeinsame Beziehung, weil man sie bewusster gestalten kann. „Paare die zusammenwohnen, sollten daher darauf achten, genügend Freiräume, räumlich, zeitlich und inhaltlich, einzuplanen“, sagt Krieg.

 

Beziehungen machen glücklich

Mehr Freiräume fürs gemeinsame Glück also. Und die Kulturwissenschaftlerin Annegret Braun ist überzeugt: „Beziehungen sind die größte Glücksquelle.“ Allerdings werde diese Bedeutung oft unterschätzt, so die Münchner Glücksforscherin. „Spannend ist, dass die Menschen darin nicht primär ihr Glück suchen – weil es anstrengend ist, Beziehungen zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Doch sie finden es immer darin.“

Dabei spielt es keine Rolle, welcher Art die Beziehungen sind: Studien kommen zu dem Schluss, dass eine intensive Freundschaft ähnlich auf die Zufriedenheit wirkt wie eine langjährige Partnerschaft – sofern diese stabil und glücklich ist. Tatsächlich zeigt eine repräsentative Umfrage: Weniger als die Hälfte der Paare in Deutschland sind rundum glücklich. Etwa jede dritte Ehe in Deutschland wird irgendwann geschieden.

Galerie: Zehn Orte des Glücks

Beziehungskiller: Die vier apokalyptischen Reiter

Schon vor Jahren hatte der US-Psychologe John Gottman vier Verhaltensweisen beschrieben, die eine Liebesbeziehung auf lange Sicht zerstören: Destruktive Kritik, Rechtfertigung, Verachtung und Isolation. Er bezeichnete diese kommunikativen Todsünden als apokalyptische Reiter der Paarbeziehung. Oft treten sie gemeinsam auf.

Destruktive Kritik bedeutet bei Gottman: Generelle Schuldzuweisungen statt sachlicher Diskussion. Wer den Partner oder die Partnerin aber derart persönlich attackiert, muss mit ebenso unsachlicher Rechtfertigung rechnen. Eine aggressive Verteidigungsstrategie löst allerdings keinen Konflikt.

Gleiches gilt für das Mauern. Wer die Arme verschränkt, den Blickkontakt meidet oder sich sogar zurückzieht, fühlt sich machtlos oder verzweifelt – signalisiert aber Gleichgültigkeit. Das macht den anderen nur umso wütender

Positive Momente schaffen: Kommunikation als Gegengift

Der bedrohlichste Reiter ist die Verachtung. Sarkasmus, Spott, mangelnder Respekt: Laut Gottman wirkt all das wie Gift auf eine Beziehung. In einer gesunden Partnerschaft sei hierfür kein Platz.

Der Beziehungsforscher leitete aus seinen Beobachtungen die sogenannte Gottman-Konstante ab. Sie besagt, dass es für eine stabile Partnerschaft fünfmal so viele gute Momente braucht wie schlechte. Kippt dieses 5:1-Verhältnis, gerät die Beziehung ins Wanken. Der Grund: Negatives Verhalten zerstört mehr, als positives wieder kitten kann. 

Der Glücksatlas
Die Kulturen der Welt haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was es bedeutet, glücklich zu sein. Findet heraus, wie Glück gemessen wird.

Wer unglücklich startet, wird noch unglücklicher

Was entscheidet außerdem über eine glückliche Partnerschaft? Ein Forschungsteam aus Deutschland und Kanada hat untersucht, ob sich die Dauer einer Beziehung vorhersagen lässt. Das Team um Psychologin Christine Finn von der Universität Jena führte dazu eine Langzeitstudie mit 1.965 Paaren durch. Über sieben Jahre hinweg sollten die Teilnehmenden berichten, wie zufrieden sie in ihrer Partnerschaft sind. 16 Prozent der Paare trennten sich in diesem Zeitraum.

Finns Fazit: „Prognosen über die Langlebigkeit einer Beziehung sind durchaus möglich.“ Wer unglücklich starte, werde im Laufe der Zeit voraussichtlich noch unglücklicher. Die Wahrscheinlichkeit einer Trennung steigt. Menschen, die ähnliche Bedürfnisse haben und zugleich in der Partnerschaft eigene Interessen verfolgen können, blieben dagegen länger zusammen.

Nach Finns Worten lassen sich also schon zu Beginn einer Beziehung „gewisse Vorhersagevariablen finden, die Informationen darüber liefern, ob die Beziehung lange hält oder nicht“. Zwangsläufig sei all dies aber nicht. Paare könnten das Ausleben von Nähe und Unabhängigkeit bewusst steuern und daran arbeiten. „Keine Beziehung ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.“

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