Kultstätte: Blauer Ritualraum in Pompeji entdeckt

Bei Ausgrabungen in der antiken Stadt haben Forschende einen blau gestrichenen Raum entdeckt, verziert mit kleinen Gemälden von Göttinnen. Der Raum wurde vermutlich als Ritualstätte genutzt.

Von Lisa Lamm
Veröffentlicht am 13. Juni 2024, 09:42 MESZ
Ein Raum mit hellblauen Wänden und hellen Gefäßen an der linken Wand.

Bei Ausgrabungen in Pompeji haben Forschende einen Schrein entdeckt: eine heilige Stätte in blauer Farbe.

Foto von Pompeii Archaeological Park / Pompeii Sites

Die Farbe ist zwar hier und da etwas abgeblättert und verblasst, aber das Blau an den Wänden ist bis heute deutlich erkennbar. Der neu entdeckte ‚blaue Raum‘ in der antiken Stadt Pompeji sieht fast so aus, als sei er erst vor wenigen Jahren verlassen worden. Und auch die kleinen gemalten Darstellungen, die die Wände zieren, haben sowohl den Vulkanausbruch im Jahr 79 n. Chr. als auch die über 1.900 Jahre dazwischen gut überstanden.

Laut dem Forschungsteam des Archäologischen Parks Pompeji, das den Fund entdeckte, wurde der etwa acht Quadratmeter große Raum, der sich in einem zentralen Bereich der Stadt befand, von den Einwohner*innen Pompejis als heilige Stätte genutzt. 

Abbildungen von Göttinnen

Neben der blauen Farbe sticht der Raum vor allem durch kunstvolle Verzierungen und kleine Gemälde an den Wänden hervor. Darunter sind mehrere Frauen-Darstellungen, die laut den Forschenden die vier Jahreszeiten repräsentieren sollen: die sogenannten Horen, altgriechisch für Jahresabschnitte. In der Mythologie sind die Horen Göttinnen, die neben den Jahreszeiten auch die (sittliche) Ordnung überwachen. Neben diesen Figuren gibt es an den Wänden auch Abbildungen von landwirtschaftlichen Gegenständen und Symbolen, darunter ein Pflug und ein Hirtenstab, und Bilder von Bauten und der Landschaft rund um Pompeji.

Genutzt wurde der Raum höchstwahrscheinlich für religiöse Rituale und als Verwahrungsort für heilige Gegenstände. Dass er besonders war, zeigt neben den reichen Verzierungen auch die auffällige Farbgebung. „Das Blau, das in diesem Raum zu finden ist, kommt in pompejanischen Fresken selten vor und wurde im Allgemeinen für aufwändig dekorierte Räume verwendet“, heißt es in einer Meldung des Archäologischen Parks. 

Das Erbe Pompejis

Als der Ausbruch des Vesuvs Pompeji unter Schutt und Asche begrub, lebten dort aktuellen Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Menschen. Insgesamt bestand die antike Stadt am Golf von Neapel aus über 13.000 Räumen, die sich in etwa 1.070 Wohneinheiten und öffentlichen und sakralen Bereichen befanden – und nun nach und nach freigelegt werden.

Trotz der jahrzehntelangen Erforschung der Stadt, sind die Geheimnisse des Alltags der Bewohner*innen noch lange nicht alle gelüftet – bislang ist erst ein Teil der unzähligen Gebäude ausgegraben worden. Erst im letzten und vorletzten Jahr fanden Forschende in der Stadt ein Fresko, das eine Art Pizza zeigte und Räume, die jeweils das alltägliche Leben der Mittelschicht und der Sklaven in Pompeji offenbarten. Die Stadt gilt als eine der interessantesten archäologischen Stätten der Welt – auch, weil viele der Gebäude und Artefakte durch die Zeit unter der Asche extrem gut konserviert wurden. 

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