Echte irische Butter: 3.000 Jahre alter Butterblock auf Acker gefunden

Tausende Jahre alt und 22 Kilo schwer ist der historische Butterblock, den ein Landwirt in Irland beim Pflügen gefunden hat. Die ,Moorbutter‘ stinkt nicht nur – sie liefert vor allem Hinweise auf kulinarische Praktiken unserer Vorfahren.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 11. Juli 2024, 09:45 MESZ
Eine große, runde Scheibe Butter.

Tausende Jahre über dem Haltbarkeitsdatum: Funde von konservierter Moorbutter, die teils bis in die Bronzezeit zurückreichen, werden hauptsächlich in Irland und Schottland, aber auch in anderen nördlichen Ländern Europas gemacht. Dieses Exemplar stammt aus Enniskillen in Nordirland und vermutlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert.

Foto von Bazonka / Wikimedia Commons

Zunächst war es für Michael Boyle ein ganz normaler Arbeitstag auf dem Land seiner Farm nahe der kleinen Küstengemeinde Loughfad, nördlich von Donegal in Irland. Bei genauerer Inspektion seines Ackers bemerkte er etwas ungewöhnlich helles, das sich von der dunklen Erde abhob. Den intensiven Geruch, der ihm alsbald in die Nase stieg, beschrieb der Landwirt als salzig, käsig und unverwechselbar. Er hätte sofort gewusst, um was es sich handeln musste: ein riesiges Stück sogenannter Bog-Butter.

Als solche bezeichnet man eine wachsartige, konservierte Substanz, die einst aus Tiermilch, -talg oder -fetten hergestellt und im Torf von Mooren begraben wurde. Auf deutsch ist das historische Streichfett als Moorbutter bekannt. Das von Boyle gefundene Exemplar reiht sich in die größten jemals entdeckten Bog-Butter-Stücke ein: Stolze 22 Kilo bringt der rechteckige, erstaunlich formstabile Butterblock auf die Waage. 

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Antikes Streichfett: Über Jahrtausende konserviert im Moor

Nach ersten Erkenntnissen wird das Alter des großen Stücks Moorbutter auf etwa 3.000 Jahre geschätzt. Der Fund würde damit bis in die jungsteinzeitliche Bronzezeit zurückgehen. Dieses Alter stimmt zumindest mit der geschichtlichen Einordnung anderer derartiger Funde überein, denn das Konservieren von Streichfetten durch das Begraben im Torfmoor war nachweislich schon vor über 3.500 Jahren eine beliebte Praxis. Zu dieser Erkenntnis kam zuvor ein Zusammenschluss von Forschenden der Universitäten Dublin, Cork, Bristol sowie der Queen’s University und dem National Museum of Ireland. Laut ihnen ist die Butter selbst nach Jahrzehnten begraben im Torf noch ess- und genießbar.

Zumindest heutzutage handelt es sich bei Boyles Ackerland allerdings nicht um ein Moor. Die Erdschicht unterhalb des Ackers, aus der die Moorbutter geborgen wurde, besteht zu großen Teilen aus Lehm. Konserviert hat dieser die Masse dennoch ebenso hervorragend. Zudem könnte ein Behälter bei der Haltbarmachung geholfen haben – Reste von Holz am unteren Ende des Butterblocks deuten daraufhin, dass das Fett einst nicht allein begraben wurde. Für mehr Gewissheit wollen Wissenschaftler*innen des irischen National Museums sorgen und sowohl den Fundort als auch die schmierige Substanz genauer analysieren.

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    Moorbutter – ein gar nicht mal so seltener Fund

    Konservierte Butterblöcke oder gar vollständig mit Inhalt gefüllte Butterfässer gehören zu den vermeintlich kurioseren Funden in der Archäologie. Allerdings haben sie weniger Seltenheitswert als man vermuten könnte. Seit dem 17. Jahrhundert sind Entdeckungen von ,Bog Butter‘ dokumentiert, die meisten davon stammen aus Irland und Schottland. Besonders im 19. Jahrhundert häuften sich die Fälle infolge des Torfabbaus. 

    Damals wurden die obersten Schichten von Mooren systematisch abgetragen und als Brennstoff verkauft. Stießen die Arbeiter*innen dabei auf die helle, wachsartige Substanz, wurde die schwere Tätigkeit gleich doppelt bezahlt: weil die Moorbutter sich als Schmierfett oder sogar als Salbe eignete, brachte sie ihnen Geld ein.

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