Reise und Abenteuer

Das am wenigsten besuchte Land Europas

Die älteste Republik der Welt hat trotz ihrer geringen Größe eine Menge zu bieten Mittwoch, 10 Januar

Von Christine Blau

Laut der UN-Weltorganisation für Tourismus zieht Europa mehr internationale Touristen an als jede andere Region auf der Welt. Die sage und schreibe 616 Millionen Menschen, die den Kontinent 2016 besuchten, habe eine große Auswahl an Dutzenden von Reisezielen. Jedes davon hat seine eigene spannende Geschichte, herausragende Persönlichkeiten, Architektur und beeindruckende Landschaften. Frankreich lockt bei Weitem die meisten Besucher an, aber wie steht es um den letzten Platz? (Lesenswert: Europas schönster Wanderweg)

Die Enklave San Marino befindet sich auf den Apenninen und wird vollständig von Italien umschlossen. Mit seinen 61 Quadratkilometern ist es nicht nur eines der kleinsten Länder der Welt, sondern hat auch die wenigsten Besucher in ganz Europa zu verzeichnen. Dabei gibt es durchaus gute Gründe, dem Zwergstaat einen Besuch abzustatten.

GESCHICHTSFANS

San Marino wurde im 4. Jahrhundert gegründet und ist damit die älteste bestehende Republik der Welt. Zu jener Zeit entstanden überall in Europa Stadtstaaten, weshalb es eine entscheidende Periode für die Entwicklung demokratischer Modelle war. Spaziert durch die autofreie Hauptstadt – die ebenfalls San Marino heißt – und erkundet die UNESCO-Welterbestätte mit ihrem mittelalterlichen Aufbau. Inmitten der Stadt ragen drei imposante Festungen empor, die von der turbulenten Vergangenheit des Zwergstaates zeugen.

LANDSCHAFTSFREUNDE

Der Monte Titano, der zu den Apenninen gehört, dominiert die gesamte Landschaft des Landes. Bei klaren Sichtverhältnissen kann man bis zur Adria sehen. Auf den Hängen finden sich überall alte Steinbänke, auf denen man ausruhen und die grüne Landschaft genießen kann, die sich bis zu den abgelegenen Dörfern am Rande des Landes erstreckt. In einem dieser Dörfer, Borgo Maggiore, kann man mit einer Seilbahn in die Hauptstadt auf dem Monte Titano fahren. Von der Altstadt aus hat man in jeder Richtung einen wunderschönen Blick auf die weitläufigen Landschaften Italiens.

KULINARISCHE ENTDECKER

Alle Regeln der norditalienischen Kochkunst gelten auch in San Marino, wo es ebenfalls eine lange Tradition der Käseherstellung gibt. Die Küche San Marinos hat viele Pasta- und Fleischgerichte zu bieten und hält mit lokal angebauten Zutaten ein Gleichgewicht zwischen frischer und reichhaltiger Kost. Besonders Piadas sind in der Gegend beliebt – gefüllte Fladenbrote ähnlich den Piadinas der Region Emilia-Romagna. Und vergesst nicht den Wein: San Marino stellt seit fast 2.000 Jahren Wein her und lagert die Flaschen zum Reifen in den örtlichen Höhlen der Gegend ein, wo eine optimale Temperatur herrscht. (Lesenswert: 6 unerwartete Städte für Liebhaber guten Essens)

ARCHITEKTURLIEBHABER

In dem lebenden Geschichtsmuseum der historischen Hauptstadt spazieren Besucher durch die Zeit, vorbei an Klöstern aus dem 14. und 16. Jahrhundert, dem Teatro Titano aus dem 18. Jahrhundert und der neoklassizistischen Basilika aus dem 19. Jahrhundert. Das Herzstück ist der Palazzo Pubblico, der an eine kleine Version des Palazzo Vecchio in Florenz erinnert. (Lesenswert: Italiens Metropole der Kunst und Kultur)

SHOPPINGPROFIS

Da in San Marino so gut wie keine Steuern erhoben werden, ist das Einkaufen dort günstiger als im umliegenden Italien. Sammler wissen besonders die modernen Keramikerzeugnisse aus der Mitte des letzten Jahrhunderts zu schätzen, ebenso wie die Briefmarken aus dem späten 19. Jahrhundert, die ausschließlich für die Nutzung innerhalb des Landes gedacht sind.

TAGESREISENDE

San Marino ist zwar kein Mitglied der EU, hat seine Grenzen zu Italien aber für Touristen geöffnet, die weniger als zehn Tage bleiben. Seine ideale Lage prädestiniert es für Tagesausflüge von Städten wie Florenz oder Bologna, die beide weniger als drei Stunden entfernt sind. (Lesenswert: Die schöne Unbekannte: Der Geheimtipp unter den italienischen Inseln)

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