Reise und Abenteuer

Schwimmendes Tierheim: Willkommen auf dem Katzenboot

Das Katzenboot begann in den 1960ern als bescheidenes Projekt und ist mittlerweile zu einer Touristenattraktion geworden. Freitag, 8 Juni

Von Elaina Zachos
Bilder Von Muhammed Muheisen

Auf den Kanälen Amsterdams fahren Boote in allen möglichen Formen und Größen umher. Aber eines sticht aus der Masse hervor: das Katzenboot.

De Poezenboot”, wie es auf Niederländisch heißt, ist das einzige schwimmende Tierheim der Welt. Dort leben um die 50 Katzen, die auf der Straße geboren oder ausgesetzt wurden. 17 von ihnen wohnen schon seit mehreren Jahren auf dem Boot.

“Die Katzen kommen und gehen“, sagt Muhammed Muheisen. Der zweifache Pulitzer-Preis-Gewinner und Fotograf reiste 2018 in die niederländische Hauptstadt, um eine Woche auf dem Katzenboot zu verbringen. Die meisten vierbeinigen Bootsbewohner sind getigerte Katzen oder Streuner, aber eine Perserkatze bekommt Muheisen zufolge besonders viel Aufmerksamkeit.

“Die ist die beliebteste Katze auf dem ganzen Boot. Sie hat wunderschönes Fell“, erzählt er. „Sie ist eine dieser launischen, lustigen Katzen.“

Das Unterfangen begann im Jahr 1966, als Henriette van Weelde – im Ort auch als “Cat Lady” bekannt – damit begann, Straßenkatzen aufzunehmen. Sie lebte mit ihnen auf einem alten Segelkutter, den sie innen katzenfreundlich umgestaltet hatte.

“Ihr Ehemann war gestorben und sie brauchte ein bisschen Liebe”, sagt Muheisen.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde der Segelkutter mehrfach renoviert und ersetzt, zuletzt 1979 durch ein Hausboot. Im Juni 1987 wurde die Catboat Foundation dann offiziell eine gemeinnützige Organisation. Schließlich wurde das Boot 2001 nochmals renoviert, um den gesetzlichen Anforderungen an ein Tierheim gerecht zu werden.

Das Boot ist nun beispielsweise mit Holzlatten und Drahtgeflecht aufgebessert worden, um zu verhindern, dass die Katzen ins Wasser entkommen können.

KATZENFREUND AUS LEIDENSCHAFT

Van Weelde starb 2005 im Alter von 90 Jahren, aber ihr Vermächtnis lebt weiter.

Heutzutage kann das Katzenboot durch Spenden von Touristen und anderen Freiwilligen weiterbetrieben werden. Das Geld wird verwendet, um Neuankömmlinge zu kastrieren oder sterilisieren und mit Mikrochips zu versehen. Muheisen zufolge wird das Boot regelmäßig von 20 bis 25 Freiwilligen im Alter von 20 bis über 70 Jahren besucht, die sich um die Katzen kümmern.

“Sie alle lieben natürlich Katzen und reden mit den Touristen, die zu Besuch kommen”, sagt Muheisen. „Sie sind sehr freundlich und den Katzen gegenüber sehr fürsorglich.“

Eine Adoption der felinen Katzenboot-Bewohner ist zudem keine leichtfertige Angelegenheit. Jedes Jahr kommen Tausende von Besuchern, hauptsächlich Touristen, und Interessenten müssen einen Termin für eine bestimmte Katze vereinbaren.

Danach müssen potenzielle künftige Besitze einen Tag warten, um ihre Entscheidung zu überdenken, bevor die Prozedur weitergeht. Falls sich ein Katzenbesitzer am Ende doch umentscheiden sollte, kann er die Katze wieder beim Boot abgeben.

Für Muheisen war seine Leidenschaft für Katzen einer der Gründe, die ihn zu diesem ungewöhnlichen Tierheim brachten.

“Tag für Tag wird man mehr zu einem Teil ihrer Umwelt. Man ist für sie einfach eine weitere große Katze“, erzählt er. „Das war einer der schönsten Aufträge, die ich je hatte.“

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