Tiere

Kotzen Schlangen Diamanten? Skurrile Fakten über Erbrochenes

Das Erbrechen von Körperflüssigkeiten hat in der Natur einige überraschend nützliche Zwecke und kann zum Beispiel der Verteidigung dienen.Thursday, November 9, 2017

Von Liz Langley
Ein ausgewachsener Sperbergeier wühlt sich durch den offenen Magen eines toten Gnus. Serengeti-Nationalpark, Tansania.

„Ich habe Geschichten über Pythons gehört, die Diamanten erbrechen“, schrieb Enabulele MacDonald kürzlich an die Verrückte Tierfrage der Woche. „Stimmt das?“

Einige Fragen sind einfach richtige Glanzstücke.

Phillip Scher, Anthropologe an der Universität von Oregon, teilte uns per E-Mail mit, dass es folkloristische Erzählungen nigerianischen Ursprungs gibt, in denen bestimmte Schlangen Steine hochwürgen, die einen gewissen Bereich ausleuchten, damit die Schlange nachts jagen kann.

Diese Mythen könnten laut Scher auf kleinen Steinen beruhen – mineralischen Ablagerungen ähnlich Nierensteinen –, die in den Körpern mancher Schlangen gefunden wurden.

Auch wenn Reptilien leider keine Quelle für Edelsteine sind, hat MacDonalds Frage uns zu denken gegeben: „Was für merkwürdige Dinge erbrechen oder würgen Tiere eigentlich so hoch?“

UNSCHÖNE DINGE LOSWERDEN

Erbrechen sei eine sehr aktive Reaktion, die der Hirnstamm auf eine Krankheit oder einen Reiz zeigt, erklärt Charles Horn, ein Neurowissenschaftler an der Universität von Pittsburgh. Es umfasst die Kontraktion der Gedärme, gefolgt vom Würgen und schließlich dem großen Abgang.

Schlangen erbrechen aus denselben Gründen wie andere Tiere – einschließlich strapazierter Nerven. Diese Python hat eine komplette Antilope ausgewürgt, vermutlich, weil sie sich durch die lauten Menschen um sie herum gestresst fühlte.

Die meisten Katzenbesitzer haben es mit Haarbällen zu tun, diesen entzückenden kleinen Knäueln aus verfilztem Haar, die ihre Katzen hinterlassen. Haarbälle entstehen, wenn sich Haare im Magen-Darm-Trakt ansammeln und Rezeptoren reizen, die dem Gehirn das Signal zum Erbrechen geben, sagt Mark Rondeau von der Fakultät für Tiermedizin der Universität von Pennsylvania.

Das Hochwürgen ist ein passiverer, reflexiver Prozess, der oft durch eine Reizung der Speiseröhre ausgelöst würde, fügt er hinzu.

Raubvögel wie Eulen oder Habichte „würgen täglich ein Gewölle aus unverdauten Knochen, Fell und Federn hoch“, informiert uns Kim Stroud vom kalifornischen Ojai Raptor Center per E-Mail.

Auf diese Art „werden sie die unverdaulichen Rückstände los, bevor sie wieder fressen“.

Eine ausgewachsene Honigbiene plündert eine Mandelblüte. Bienen produzieren Honig, indem sie den Blütennektar hochwürgen.

SPASS

Hyänen haben bereits einen anstößigen Ruf – die Weibchen haben zum Beispiel einen Pseudopenis –, und ihre Vorliebe für Erbrochenes hilft ihnen da auch nicht wirklich.

„Hyänen lieben es, sich in Erbrochenem zu wälzen“, sagt Sarah Benson-Amran, eine Biologin an der Universität von Wyoming.

Allerdings sei unklar, warum sie es so mögen, sich in unverdauten Hufen, Knochen und Haaren zu suhlen, ergänzt sie.

VERTEIDIGUNG

Einige Aasgeier, zum Beispiel der Truthahngeier, erbrechen zu Verteidigungszwecken. Die säurehaltige Kotze trifft die potenziellen Raubtiere (und kann ganz schön brennen) und lässt die Geier an Gewicht verlieren, sodass sie leichter davonfliegen können.

Küken der europäischen Blauracke produzieren ebenfalls schleimiges, orangefarbenes Erbrochenes, das Räuber abschreckt.

Die Raupen des Großen Kohlweißlings erbrechen, wenn sie angegriffen werden, eine Flüssigkeit aus halb verdautem Kohl, der bereits Verbindungen enthält, die für Räuber wie Vögel unangenehm riechen und schmecken. 

Eine männliche Blauracke bietet einem Weibchen Nahrung an. Diese Vögel verteidigen sich mit klebrigem, orangefarbenem Erbrochenem – das wirkt abschreckend auf Räuber.

EINFACHERES ESSEN

Hausfliegen erbrechen Verdauungsenzyme auf Nahrung, um diese für einfachere Nahrungsaufnahme zu verflüssigen.

Wölfe sind ebenfalls bekannt dafür, Futter für ihre Welpen hochzuwürgen. Wolfswelpen lecken zum Beispiel die Schnauzen ihrer Eltern ab, damit diese kürzlich gefressenes Fleisch hochwürgen – ein echter Leckerbissen.

Angewidert? Wenn ihr Honig mögt, esst ihr "Bienenkotze". Honigbienen trinken Blütennektar, der mit Enzymen vermischt wird und als Honig wieder rauskommt. 

Na, seid ihr froh, dass wir das erwähnt haben?

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