Tiere

Ältester bekannter Wildvogel der Welt legt mit 67 ein Ei

Wisdom ist ein Hoffnungsträger für die Lysanalbatrosse, die zum Beispiel durch das Plastik in den Weltmeeren bedroht sind. Freitag, 5 Januar

Von Christine Dell'Amore

Wisdom hat es wieder getan. Mit 67 hat der älteste bekannte Wildvogel in seinem Zuhause auf den Midwayinseln ein Ei gelegt.

Wisdom und ihr Partner Akeakamai kehren jedes Jahr in das Papahānaumokuākea Marine National Monument zurück, um zu nisten und ein Küken aufzuziehen. Am 13. Dezember 2017 bestätigte der Fish and Wildlife Service der USA, dass das Pärchen ein neues Ei bebrütete.

In ihrem langen Leben hat Wisdom mehrere Partner überlebt und zwischen 30 und 35 Küken großgezogen. (Lesenswert: 30 berührende Momente zwischen Tiermüttern und ihrem Nachwuchs)

Laut dem Geologischen Dienst der USA geht noch eine weitere beeindruckende Zahl auf ihr Konto: Insgesamt hat sie seit 1956 vermutlich zwischen drei und fünf Millionen Kilometer zurückgelegt – das entspricht ungefähr vier bis sechs Rundreisen zum Mond und zurück. 

„Das hat es noch nie gegeben, dass wir einen Vogel haben, von dem wir wissen, dass er 67 Jahre alt ist und sich noch immer vermehrt“, sagt Kate Toniolo, die stellvertretende Leiterin des Meeresschutzgebiets. „Da fragt man sich: Könnte es zwei Nester weiter einen Vogel geben, der noch älter als Wisdom ist?“

EIN VOGEL NAMENS WISDOM

Wisdoms Geschichte, wie wir sie kennen, begann am 10. Dezember 1956, als der Biologe Chandler Robbins einem gewöhnlichen Laysanalbatros auf den Midwayinseln einen Fußring anlegte.

Der Vogel wurde erst 46 Jahre später wieder gesichtet, als Robbins ihn 2002 zufällig wieder einfing. (Lesenswert: 13 dramatische Aufnahmen zeigen die Schönheit und Wildheit von Vögeln)

Ihr anscheinend fortgeschrittenes Alter und ihr guter Gesundheitszustand brachten ihr den Namen Widsom ein – Weisheit. (Genau wie Wisdom bleib auch Robbins bis ins hohe Alter aktiv. Bis zu seinem Tod 2017 im Alter von 98 Jahren arbeitete er im Patuxent Wildlife Research Center in Maryland mit Vögeln.)

Robbins hatte eine gewisse Zuneigung für den Vogel, wie er National Geographic 2013 in einem Interview erzählte – besonders, weil sie so vielen Gefahren für ihre Art aus dem Weg gegangen ist. Sie hat kein Plastik aus dem Meer gefressen und verfing sich nicht in irgendeiner Langleine eines Fischers.

„Wir sprechen von einem Vogel, der die Grenzen unseres Wissens dehnt, weil er so anders ist als unsere eigene Lebensgeschichte und als 99 Prozent aller Tiere, mit denen wir tagtäglich interagieren“, fügte Charles Eldermire hinzu. Er ist der Leiter des Vogelkameraprojekts im Labor für Ornithologie der Cornell-Universität in Ithaca, New York. 

Die meisten Wildvögel kämpfen darum, zu überleben, einen Partner zu finden und Küken aufzuziehen – und die allerwenigstens schaffen das auch noch Jahr für Jahr, sechs Jahrzehnte am Stück“, sagte Eldermire. Wisdom „sprengt den üblichen Rahmen wirklich“.

GLÜCKSVOGEL

Nicht nur das: Wisdom hat auch die herausfordernde Lebensweise der Albatrosse gemeistert. Die Vögel fliegen auf der Nahrungssuche Hunderttausende von Kilometern über das offene Meer, müssen mit extremen Wetterbedingungen zurechtkommen und ein abgelegenes Stückchen Land finden, auf dem sie ihre Küken großziehen können, erklärte Eldermire.

„Sie ist sowohl ein unglaublicher Glücksvogel als auch ein sehr erfahrener Vogel“, sagte er.

Und jedes Küken, das Wisdom großzieht, ist ein weiterer Gewinn für ihre Art, die von der Weltnaturschutzunion als potenziell gefährdet eingestuft wird, sagt Toniolo.

Fast 70 Prozent der Laysanalbatrosse nisten auf den Midwayinseln. Ein Tsunami wie jener, der 2011 durch ein Erdbeben in Japan ausgelöst wurde, könnte also auf einen Schlag zahlreiche der Vögel auslöschen.

„Das zeigt, wie wichtig jeder Vogel für den Fortbestand der Art ist“, sagt sie.

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