Tiere

„Feuervögel“ verursachen Brände in Australien

Die australischen Ureinwohner beobachten schon seit Langem, wie manche Vogelarten zur Ausbreitung von Bränden in den tropischen Savannen des Kontinents beitragen.Wednesday, January 24, 2018

Von Michael Greshko
Der Schwarzmilan soll zu jenen Vögeln gehören, die in Australien zur Ausbreitung von Bränden beitragen.

Feuer sind in Australien keine Seltenheit. Die robuste Landschaft hat sich an die Flammen angepasst, die dank Menschen und Blitzen regelmäßig auflodern. Aber die Aborigines wissen schon lange von einem dritten Auslöser: Vögeln.

In Interviews, Beobachtungen und Zeremonien aus über 100 Jahren finden sich Belege dafür, dass die Ureinwohner des Northern Territory in Australien eine Gruppe von Vögeln, die sie „Firehawks“ nennen, für diverse Brände verantwortlich machen. Diese Vögel würden die Flammen kontrollieren, indem sie brennende Zweige in ihrem Schnabel oder ihren Klauen davontragen und damit an anderen Stellen Brände verursachen.

Angeblich nutzen die Greifvögel die Brände, um sich eine Mahlzeit zu ergattern – die Insekten und Kleintiere, die panisch vor den Flammen fliehen, sind für die aufmerksamen Vögel leichte Beute. (Waldbrände: Ursachen und Gefahren für Mensch, Tier und Planet)

Die entsprechenden Anekdoten wurden jüngst für eine Studie zusammengetragen, die im „Journal of Ethnobiology“ veröffentlicht wurde.

„Wir machen hier keine [neue] Entdeckung“, warnt der Co-Autor Mark Bonta, ein Geograf der Pennsylvania State University, der von National Geographic gefördert wird. „Die meisten Daten, mit denen wir gearbeitet haben, entstammen der Zusammenarbeit mit den Aborigines. Sie kennen dieses [Phänomen] vermutlich seit 40.000 Jahren oder länger.“

FRESSRAUSCH

Seit Jahrzehnten sehen die Aborigines im Norden Australiens die „Firehawks“ – den Schwarzmilan (Milvus migrans), den Keilschwanzweih (Haliastur sphenurus) und den Habichtfalken (Falco berigora) – als Teil der natürlichen Ordnung an. 

Laut dem Co-Autor Bob Gosford, einem Ornithologen und australischen Anwalt für die Rechte der Ureinwohner, profitieren diese Vögel von den Flächenbränden und sind oft an deren Fronten zu sehen.

„Schwarzmilane und Habichtfalken finden sich an diesen Feuerfronten ein, weil es dort im wahrsten Sinne des Wortes ein Massaker gibt“, sagte er 2016 in einem Interview mit der Australian Broadcasting Corporation. „Sie geraten in einen regelrechten Fressrausch, weil kleine Vögel, Eidechsen und Insekten aus dem Grasland strömen und vor dem Feuer fliehen.“

Jedes Jahr verbrennen etwa 75 Prozent der tropischen Savannenbereiche der Erde, zu denen auch die Savannen im Norden Australiens gehören. Damit entfällt auf diese Bereiche ungefähr die Hälfte der Biomasse, die weltweit jährlich verbrennt.

Von 1997 bis 2011 waren jedes Jahr durchschnittlich 18 Prozent der 1,9 Millionen Quadratkilometer australischer Savanne von Bränden betroffen.  In manchen Regionen bricht etwa alle zwei Jahre ein Brand aus.

„Ich habe gesehen, wie ein Vogel einen schwelenden Zweig in seinen Klauen packte und ihn eine halbe Meile weiter auf eine trockene Grasfläche fallen ließ. Dann wartete er mit seinen Freunden auf den wilden Exodus der versengten und verängstigten Nagetiere und Reptilien“, erzählte Waipuldanya Phillip Roberts 1964 in seiner Autobiografie „I, the Aboriginal“, die vom australischen Journalisten Douglas Lockwood verfasst wurde.

„Als dieser Bereich ausgebrannt war, wurde der Vorgang andernorts wiederholt.“

HEIMLICHE FEUERVÖGEL

Diese Passage war es, die Gosford später dazu inspirierte, Berichte aus erster Hand über dieses Verhalten zu sammeln, was er seit 2011 beharrlich tut. Obwohl er es noch nicht selbst beobachten konnte, haben einige seiner Co-Autoren, die bei der Feuerwehr aktiv sind, es schon gesehen.

Vor der Studie waren einige lokale Experten skeptisch, was die bewusste Brandstiftung der Vögel angeht.

„Wenn [die Vögel] ihre Beute verfehlen und vielleicht einen Stock greifen, [...] lassen sie den Stock oder Stein fallen“, schrieb Anthony Molyneux vom Alice Springs Desert Park 2011. „Wenn der Stock schwelt oder brennt, löst er einen neuen Brand aus.“

Die neue Studie hat definitiv auch jenseits des Ornithologenkreises Wellen geschlagen.

Obwohl Gosford und seine Kollegen Fotos und Videos des Verhaltens auftreiben konnten, war noch kein brauchbares Material dabei. Sie wollen das Phänomen im Laufe des Jahres dokumentieren, indem sie eine Reihe kontrollierter Brände beobachten, die von lokalen Feuerwehrleuten gelegt und kontrolliert werden.

„Je mehr sich das herumspricht, desto besser“, sagt Bonta. „Das ist nur eine Frage der Zeit.“

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