Tiere

Fische und Garnelen kooperieren dank Geheimcode

Die Tiere nutzen spezielle Signale, um sich zu ihrem gemeinsamen Vorteil zu verständigen.Wednesday, July 11

Von Liz Langley
Gefleckte Meerbarben lassen sich oft von Putzergarnelen säubern.

Werbung nutzt oft Tiere, um Dinge zu verkaufen. Aber es gibt auch Tiere, die machen für sich selbst Werbung.

Die kleine karibische Garnele Ancylomenes pedersoni nutzt dafür ihre auffälligen Streifen und ihre langen Antennen. Mit ihnen teilt sie ihren potenziellen Kunden – vorbeischwimmenden Fischen – mit, dass sie sich gern als Reinigungskraft zur Verfügung stellt. Die Fische haben im Gegenzug ihre eigene Art, eine Garnelen-Putzaktion zu erbitten.

STUMME BOTSCHAFTEN

Im Rahmen einer aktuellen Studie untersuchten die Forscherin Eleanor Caves von der Duke University und ihre Kollegen die Signale, die die Putzergarnelen und ihre Fischkunden in der Karibik austauschen.

Das Team analysierte 199 Begegnungen zwischen den Garnelen und Exemplaren von insgesamt zehn Fischarten. Die Untersuchung fand in einer Feldforschungsstation in Curaçao statt und konzentrierte sich vornehmlich auf die Gefleckte Meerbarbe und den Ozean-Doktorfisch.

Wenn sich ein Fisch einer Garnele näherte, versuchte er, möglichst still zu halten. Die Garnele schwenkte dann ihre Antennen, um ihre Putzbereitschaft zu signalisieren (und sich eine leckere Parasitenmahlzeit zu ergattern). Für gewöhnlich nahmen die Fische dann eine dunklere Farbe an, um zu signalisieren, dass sie geputzt werden wollen.

Jene Garnelen, die ihre Antennen geschwenkt haben, fraßen dann in 80 Prozent aller Fälle auch Parasiten vom Körper der Fische. Selbst ohne vorheriges Antennensignal hatten die Fische eine dreimal höhere Chance auf eine Säuberung, wenn sie einfach schnell eine dunklere Farbe annahmen.

Die Garnelen sind farbenblind und sehen vermutlich nur in Graustufen, erklärt Caves. Die Abdunkelung der Farbe ist für die Tiere also ein gut erkennbares Indiz. Im Labor wurden den Tieren Bilder von hellen und dunklen Dreiecken, Kreisen und Rechtecken an der Scheibe ihres Aquariums präsentiert. Die Tiere versuchten öfter, die dunklen Bilder zu putzen.

GESUNDHEITSVORSORGE

Aber warum gestatten es Fische den Putzergarnelen – eigentlich ein typisches Beutetier –, ihre Schuppen und Kiemen abzusuchen und sogar in ihrem Maul herumzuschwimmen, ohne sie zu fressen?

„Rifffische können von Parasiten überrannt und dadurch gesundheitlich beeinträchtigt werden, wenn ihnen der Service der Putzerorganismen nicht zur Verfügung steht“, erklärt Nanette Chadwick, eine Meeresbiologin der Auburn University. Einige Fische lassen sich sogar putzen, bevor sie jagen oder nach Partnern suchen.

Fische migrieren in Riffe, in denen zuvor Putzerorganismen angesiedelt wurden, so Chadwick. Wenn diese Organismen entfernt werden, „ziehen größere Fische weiter und kleinere, weniger mobile Fische sterben mitunter“.

Putzergarnelen und Muränen stehen in einer für beide Seiten vorteilhaften Beziehung zueinander. Die Garnele genießt eine kostenlose Mahlzeit, indem sie Algen und Insekten von der Haut der Muräne frisst, während diese dadurch gesund bleibt.

Benjamin Titus vom American Museum of Natural History in New York City merkt an, dass Garnelen der Art Ancylomenes pedersoni „engagierte Putzer“ sind, sie ihr ganzes Leben diesem Service widmen. Sie ernähren sich ihm zufolge hauptsächlich von Parasiten, entfernen aber auch totes oder geschädigtes Gewebe, was die Wundheilung unterstützt.

Die Putzergarnelen pflegen auch eine vorteilhafte Beziehung zu mehreren Anemonenarten. Sie finden zwischen ihren giftigen Tentakeln eine sichere Behausung, während die Anemonen womöglich von den zusätzlichen Nährstoffen profitieren, die die Fische ausscheiden, während sie geputzt werden.

Rifffische „nutzen Anemonen sogar als visuelle Anhaltspunkte, wenn sie auf der Suche nach Putzergarnelen sind“, so Chadwick.

EVOLUTION DER KOOPERATION

Bei ihrer Forschung entdeckte Caves damit weitere Belege dafür, wie sich verschiedene Arten – ein potenzieller Fressfeind und ein potenzielles Beutetier – entwickelt haben, um konfliktfrei miteinander zu kommunizieren.

„Heutzutage scheint es mir besonders wichtig, die evolutionäre Basis für Kooperation zu begreifen“, sagt sie.