Verrückte Vorratskammern im Tierreich

Von lebenden Honigfässern über komatöse Larven bis hin zu Feinkost-Pilzen ist alles dabei.

Veröffentlicht am 15. Okt. 2018, 17:18 MESZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 06:20 MEZ
Bild Brian Gordon Green, Nat Geo Image Collection

Der Herbst ist da, und mit ihm beginnt für viele Menschen die Zeit der bunten Blätter, Kastanien, Kürbisse und Gruselgeschichten. Für viele Tiere bedeutet diese Jahreszeit aber vor allem eines: Vorratszeit. 

Hierzulande denken wir wohl hauptsächlich an Eichhörnchen, wenn es um das Anlegen von Vorräten für den Winter geht.  

Allerdings haben auch andere Tiere ihre ganz speziellen Angewohnheiten und Vorlieben, die teils recht kurios wirken. 

Spitzmäuse 

Es gibt insgesamt fünf Arten Amerikanischer Kurzschwanzspitzmäuse, und sie alle verfolgen dieselbe Strategie, um ihr eingelagertes Essen nicht verderben zu lassen: Sie halten es am Leben. 

Diese Spitzmäuse ernähren sich für gewöhnlich von Insektenlarven. Ihr Speichel ist giftig: „Wenn sie zubeißen, wird das Gift in die Beute injiziert und sie wird gelähmt“, sagt der Biologe Elmer Finck von der Fort Hays State University in Oklahoma. 

Das Gift versetzt das Beutetier ins Koma, sodass die Spitzmaus es für den späteren Verzehr in einigen Tagen oder Wochen in ihren Bau bringen kann. 

Wenn die Larven aufwachen, bevor die Maus sie fressen will, beißt sie einfach noch mal zu und versetzt sie wieder in ihren Schlaf. 

Maulwürfe 

Maulwürfe lagern lebende Regenwürmer unterirdisch ein, indem sie in deren Köpfe beißen und sie so verstümmeln. Durch die Verletzung und das kühle Wetter können die Tiere nicht entkommen. Im Bau eines Maulwurfs wurden einmal 470 Regenwürmer gefunden. 

Wenn der Frühling anbricht und den Boden erwärmt, wächst einigen der Würmer der Kopf nach und sie können sich einen Weg in die Freiheit graben.

Bild Joel Sartore, National Geographic Photo Ark

Feuerameisen 

Feuerameisen lähmen ihre Beute ebenfalls, darunter andere Ameisen der Gattung Pheidole. Um einen Vorrat anzulegen, überfallen sie die Nester ihrer Beute und bringen die toten und verletzten Tiere zurück in ihren eigenen Bau. 

Eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigte, dass Feuerameisen kleine Stückchen der Beute zum Trocknen einlagern und eine Art „Dörrfleisch“ herstellen – ein Vorrat für Zeiten, in denen Nahrung knapp ist. 

Laut Walter R. Tschinkel, einem Entomologen der Florida State University und Co-Autor der Studie, speichern die Arbeiterinnen vieler Arten flüssige Nahrung in ihrem Kropf, der auch als sozialer Magen bezeichnet wird

Eine Art Ventil am hinteren Ende des Kropfes lässt genug Flüssigkeit in den Magen der Arbeiterin tropfen, um sie am Leben zu halten, wie Tschinkel erklärt. „Der Rest der Flüssigkeit kann für andere Nestmitglieder hochgewürgt werden“ und reicht etwa vier Tage lang. 

Honigtopfameisen treiben das Einlagern von Nahrung aber auf die Spitze: Während des Winters lagern sie Honig in Mitgliedern des Ameisenstaates ein. Diese Arbeiterinnen werden „lebende Lagerfässer und hängen von der Decke, wo sie Nahrung über Monate oder Jahre hinweg speichern“, so Tschinkel.

Bild Joel Sartore, National Geographic Photo Ark

Winterkrabben 

Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigte, dass die Art Uca lactea, die im sandigen Watt Südkorea, Japans, Taiwans und Chinas lebt, womöglich Aas und Sedimente mit Nahrungspartikeln in ihrem Bau verstaut. In der Wildnis zählen zu solchen Partikeln beispielsweise Algen und Meiofauna, also besonders kleine Lebewesen wie Milben oder Bärtierchen. 

Im Rahmen der Studie wurde beobachtet, wie die Krabben Aas und Futter verstauten, das man ihnen bereitgestellt hatte. Vermutlich lagern sie die Nahrung für schwierige Zeiten ein, in denen sie zum Beispiel durch starke Regenfälle nicht auf Nahrungssuche gehen können. Die Weibchen sammelten während der Paarungszeit die meisten Vorräte, was vermuten lässt, dass ihnen die zusätzliche Nahrung einen Vorteil bei der Reproduktion verschafft. 

Das Watt ist ein „nährstoffarmer“ Lebensraum in dem man „konstant auf Nahrungssuche“, sei, sagt Judith Weis, eine Meeresbiologin der Rutgers University. In solch einer Umgebung verwundert es nicht, dass die Krabben einen Vorrat anlegen. 

Eichhörnchen 

Genau wie ihre grauen Cousins sammeln auch Eichhörnchen Samen und Nüsse für den Winter. Allerdings bereiten sie auch eine ganz besondere Spezialität zu. Die Hörnchen trocknen Pilze und verstauen sie in Bäumen – vorzugsweise in Nadelhölzern – in der Nähe ihrer Vorräte. 

Man stelle sich mal vor, wie viel man in einem Feinkostladen für handgemachte, kieferngetrocknete Dörrpilze bezahlen würde. 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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