Mysteriöses Meisensterben alarmiert Vogelschützer

Immer mehr Blaumeisen fallen einer bislang unbekannten Krankheit zum Opfer. Auch andere Arten sind betroffen.

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 16. Apr. 2020, 15:00 MESZ
Kranke Blaumeise

Kranke Blaumeise: Die mit dem Bakterium infizierten Vögel wirken meist aufgeplustert. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind oft verklebt.

Foto von Otto Schäfer

Apathisch und aufgeplustert sitzen sie auf dem Boden, nicht einmal mehr fliehen können sie. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind verklebt. Häufig wirken sie, als hätten sie Atemprobleme. Viele Tiere nehmen kein Futter mehr auf, manche scheinen unstillbaren Durst zu haben. Oft verenden sie kurze Zeit später. Eine offenbar hoch ansteckende Vogelkrankheit gibt Rätsel auf. Die meisten Opfer sind Blaumeisen. Doch in einzelnen Fällen erkranken auch Kohlmeisen oder andere kleine Singvögel, berichtet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

„Erste Fälle wurden uns bereits Mitte März aus Rheinhessen in Rheinland-Pfalz gemeldet“, sagt Nabu-Vogelschutzexperte Marius Adrion. Seitdem ist die Zahl stark gestiegen. Deutlich über 8.000 Hinweise toter und kranker Blaumeisen seien inzwischen eingegangen, teilt der Verband mit. Der Nabu ruft dazu auf, kranke und tote Meisen unter www.NABU.de/meisensterben zu melden.

Die meisten Tiere seien in der Nähe von Futterstellen gefunden worden. Wildlebende Vögel sollten deshalb nicht gefüttert werden, wenn kranke Vögel in der Nähe beobachtet wurden. Betroffen seien aktuell vor allem das Dreiländereck zwischen Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie das nördliche Nordrhein-Westfalen und Teile Niedersachsens.

Die Meisenkrankheit gilt als hochansteckend: Bei Verdachtsfällen sollte deshalb auf Vogeltränken und Futterstellen verzichtet werden.

Foto von Rita Priemer

„Entscheidend ist jetzt, den Krankheitserreger schnell zu identifizieren“, so Adrion weiter. „Daher müssen tote Tiere von Experten untersucht werden.“ Labordiagnosen zum Auslöser stünden noch aus. Es gebe allerdings Parallelen zu einer Krankheitswelle, die vor allem in Großbritannien zu Lungenentzündungen bei Meisenarten geführt habe und seit 2018 in geringem Ausmaß auch aus Deutschland bekannt sei. Hierbei handele es sich um eine für Menschen ungefährliche bakterielle Infektion.

 

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