Haie vor der deutschen Küste: Schutz für die bedrohten Meeresräuber

Mit dem Hundshai ist die größte heimische Haiart in die Liste schutzbedürftiger Tierarten aufgenommen worden. Im Sommer versammeln sich große Exemplare in der deutschen Nordsee vor Helgoland.

Veröffentlicht am 10. Juli 2020, 13:13 MESZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 05:58 MEZ
Hundshai

Hundshai bei Helgoland. Die größten Tiere erreichen eine Länge von bis zu zwei Metern.

Bild Thünen-Institut/Matthias Schaber

Urlaub an der deutschen Küste – die meisten Menschen denken dabei nicht unbedingt an Haie. Doch tatsächlich gibt es einige Dutzend Hai- und Rochenarten in der Nordsee, weiß Dr. Matthias Schaber vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven. „Manche Arten leben dauerhaft dort, andere kommen auf ihren Wanderungen in die Nordsee“, sagt der Fischereibiologe. Mit einer Länge von bis zu zwei Metern ist der Hundshai der größte in deutschen Gewässern dauerhaft vorkommende Hai. Für den Menschen ist er ungefährlich. Vielmehr schwebt er selbst in großer Gefahr.

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„Wie die meisten Haiarten ist der Hundshai anfällig für Überfischung“, erklärt Schaber. Weltweit seien inzwischen nahezu alle Bestände rückläufig. Zum Verhängnis wird dem Hundshai unter anderem die Nachfrage nach seinen Flossen und der vitaminhaltigen Leber. In Europa werde er zwar nicht gezielt gefangen, so Schaber. Dennoch würden im Nordostatlantik jährlich rund 450 Tonnen Hundshai angelandet – meist als Beifang. Die aktuelle Rote Liste der marinen Gewässer Deutschlands stuft ihn als stark gefährdet ein.

Hundshaie auf Wanderschaft

Matthias Schaber vom Thünen-Institut für Seefischerei bringt einen Satelliten-Sender an einem Hundshai an. Die Augen des Tieres sind zur Beruhigung mit einem feuchten Tuch abgedeckt.

Bild Thünen-Institut/Matthias Schaber

Ein neues Programm der Vereinten Nationen soll jetzt dazu beitragen, dass sich der Hundshai wieder erholen kann. Die UN-Artenschutzkonferenz hat dazu Maßnahmen zum Schutz wandernder Haiarten beschlossen. Neben dem vom Aussterben bedrohten Weißspitzen-Hochseehai und dem Glatten Hammerhai gehört auch der Hundshai dazu. Durch international koordinierte Managementmaßnahmen und Aktionspläne soll die Art besser geschützt werden.

Wie auch viele andere Haiarten werden Hundshaie erst mit relativ hohem Alter geschlechtsreif und haben wenige Nachkommen. Die niedrige Reproduktionsrate verschärft das Überfischungsproblem. Wie groß der weltweite Bestand an Hundshaien aktuell noch ist, lasse sich wegen unzureichender Daten nicht sagen, betont Schaber.

Ein Hundshai schwimmt davon, nachdem er mit einem Satelliten-Sender bestückt und wieder in die Nordsee entlassen wurde.

Bild Thünen-Institut/Matthias Schaber

In der deutschen Nordsee sammeln sich große erwachsene Tiere vor allem im Sommer in den Gewässern vor Helgoland. Von dort wandern sie im Herbst wieder ab. Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat Schaber einige Hundshaie mit Satellitensendern markiert. „Wir konnten nachweisen, dass einzelne Haie tausende Kilometer weit bis zur Atlantikinsel Madeira wandern.“ Mit Erkenntnissen wie diesen will Schaber „wichtige Grundlagen für gezielte saisonale und lokale Schutzgebiete schaffen“.

Das Thünen-Institut für Seefischerei

Das Thünen-Institut mit Hauptsitz in Braunschweig ist eine Forschungseinrichtung des Bundes. Es gliedert sich in 14 Fachinstitute, darunter das Thünen-Institut für Seefischerei mit Sitz in Bremerhaven. Dort werden nach eigenen Angaben ökologische und ökonomische Grundlagen erarbeitet, um die Fischbestände und Ökosysteme in der Nordsee und im Nordatlantik gesund zu erhalten, eine nachhaltige Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln aus dem Meer sicherzustellen sowie unterschiedliche Nutzungsformen ökologisch und konfliktarm möglich zu machen. Mehr Informationen unter: www.thuenen.de

Jens Voss

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