Geisterhaftes Meerestier mit 20 Armen entdeckt

Bei einer Expedition in der Antarktis ging Forschenden eine bisher unbekannte Spezies ins Netz. Sie wurde nun beschrieben.

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 16. Aug. 2023, 09:30 MESZ
Aufnahme des Erdbeerfedersterns von der Seite vor einem dunklen Hintergrund.

Ein konserviertes Exemplar von Promachocrinus fragarius, einer zuvor unbekannten Tierart aus der antarktischen Tiefsee.

Foto von Greg W. Rouse

Eine seltsame Kreatur kriecht über den Boden. 20 lange, federartige Tentakel wabern um ihren Körper, sodass es den Eindruck erweckt, sie würde schweben. Obwohl das Wesen aussieht wie eine extraterrestrische Spinne, ist es kein Alien. Es ist auf unserem Planeten zu Hause, in den dunklen, kalten Tiefen des Südpolarmeeres, und trägt den Namen Promachocrinus fragarius – zu Deutsch Erdbeerfederstern.

Entdeckt wurde das Meerestier in einem der Schleppnetze, die im Rahmen mehrerer Expeditionen zwischen den Jahren 2008 und 2017 über den Meeresgrund der Antarktis gezogen wurden.

Federstern sieht aus wie Erdbeere

Bis sie beschrieben und benannt wurde, vergingen viele Jahre: Erst im Juli 2023 veröffentlichten die Studienautoren Greg Rouse, Meeresbiologe an der University of California San Diego, Emily McLaughlin, Biologin am kalifornischen Schmidt Ocean Institute, und Nerida Wilson, Molekularbiologin am Western Australian Museum in Perth, ihre Erkenntnisse in der Zeitschrift Invertebrate Systematics.

Federsterne und ihre tierischen Eindringlinge
Die faszinierenden Federsterne, im Meer lebende Wirbellose, sind Wirte für viele andere Arten.

Eine Besonderheit der Neuentdeckung ist die Anzahl ihrer Fangarme. Sie sind nach oben gerichtet und mit feinen Härchen besetzt, mit denen sie Plankton aus der Strömung des Wassers filtern. Außerdem helfen sie dem Meerestier in ausgebreiteter Form bei der Fortbewegung. Während die meisten bekannten Federsternarten über zehn dieser weichen Arme verfügen, hat der geisterhafte Erdbeerfederstern mit 20 doppelt so viele.

Am unteren Ende des Körpers von P. fragarius wachsen sogenannte Cirren, an deren Enden winzige Krallen sitzen, mit denen sich der Federstern am Boden festhält. „Um die Befestigungspunkte der Cirren sehen zu können, haben wir einen Teil von ihnen entfernt“, sagt Greg Rouse. Dabei legten die Forschenden einen kleinen Knubbel an der Spitze der Tentakel frei, der in Form und Größe einer Erdbeere ähnelt – daher der Name des Tieres.

Unentdeckte Arten am Grund der Tiefsee

Bisher ging man davon aus, dass in der Antarktis nur einen Vertreter der Gruppe der Federsterne lebt: P. kerguelensis, der bereits im Jahr 1879 beschrieben wurde. Neben P. fragarius haben die Studienautoren nun aber noch drei weitere Arten im Südpolarmeer entdeckt: P. unruhiP. uskglassi und P. wattsorum. Sie alle leben in Tiefen von 65 bis 1.170 Metern und zählen zur Klasse der Crinoidea, also Seelilien und Haarsterne. Als Angehörige des Stammes der Stachelhäuter sind sie eng mit Seesternen, Seeigeln und Seegurken verwandt.

Drei Millionen Quadratkilometer der Erde sind von Meeresboden bedeckt und die Frage, welche seltsamen Kreaturen sich in der größtenteils unerforschten Tiefsee tummeln, ist eine der spannendsten der Meeresbiologie. Auf einem so riesigen Gebiet gibt es noch viel zu entdecken. Laut Greg Rouse kommt es darum gar nicht so selten vor, dass neue Tiefseebewohner gefunden werden. In seinem Labor an der UC San Diego, der Scripps Institution of Oceanography, stoßen die Forschenden pro Jahr auf zehn bis 15 zuvor unbekannte Spezies.

„Wir finden viele Arten“, sagt er. „Das Problem ist der Aufwand, der nötig ist, um sie zu beschreiben.“ Zumindest für den außerirdisch anmutenden Erdbeerfederstern sind die Zeiten, in denen er unter dem Radar der Biologen über den Meeresboden wandern konnte, nun vorbei.

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