Klimaschutz: Wie wir schädliche Emissionen kompensieren können

Flugreisen, Autofahren, Fleischkonsum: Der moderne Lebensstil ist oft schlecht für Klima und Umwelt. Nicht immer ist es möglich, Emissionen zu vermeiden. Doch es gibt Wege, den persönlichen CO2-Ausstoß auszugleichen.Montag, 20. Mai 2019

Durchschnittlich elf Tonnen CO2 verursacht jeder Mensch jährlich in Deutschland. Als klimaverträglich gelten ein bis zwei Tonnen. Und schon kleine Veränderungen im Alltag verbessern die Klimabilanz. Regionale Produkte einkaufen, öfter aufs Fahrrad oder in den Zug steigen oder auf Ökostrom setzen: Es gibt viele Möglichkeiten für jeden Einzelnen, den individuellen Treibhausgasausstoß so niedrig wie möglich zu halten, rät das Umweltbundesamt (UBA). Ohne dabei auf viel zu verzichten.

Nicht zuletzt bei der Reiseplanung lassen sich jede Menge Emissionen sparen. Allein eine Flugreise in die Karibik bläst laut UBA rund fünf Tonnen CO2 pro Urlauber in die Luft. „Wann immer möglich, ist der Verzicht auf Flüge die richtige Wahl für das Klima“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Und das gelte nicht nur für den Urlaub. Viele Dienstflüge ließen sich zum Beispiel durch den Einsatz von Videokonferenzen ersetzen. „Wo sich Reisen nicht vermeiden lassen, ist die Kompensation der entstandenen CO2-Emissionen sinnvoll“, so die Ministerin.

Die Grundidee der CO2-Kompensation ist einfach: Emissionen, die an einer Stelle verursacht wurden, lassen sich durch Einsparung an einer anderen Stelle ausgleichen. Denn für das Klima ist es nicht entscheidend, wo genau Treibhausgase ausgestoßen oder vermieden werden. Die Kompensation erfolgt über so genannte Emissionsgutschriften oder CO2-Zertifikate, mit denen Klimaschutzprojekte wie zum Beispiel Aufforstungsprogramme oder Erneuerbare Energien finanziert werden.

Galerie: Kein CO2 im Land von Shangri-la

Klimaneutral reisen


Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen die Dienstreisen der Bundesregierung, deren Klimagas-Emissionen vollständig ausgeglichen werden. Zuständig ist das Umweltbundesamt. „Wir suchen uns bewusst kleine Klimaschutzprojekte aus, die einen besonders hohen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten mit einem Schwerpunkt in den am wenigsten entwickelten Ländern“, erklärt UBA-Chefin Maria Krautzberger. So unterstützt der Bund unter anderem den Bau von Biogasanlagen in Nepal, die mit Abfällen Energie erzeugen. „Dennoch gilt, dass die Vermeidung und Reduzierung von Emissionen stets Vorrang hat“, betont Krautzberger.

Nicht nur Bund und Behörden können so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Auch bei Privatpersonen und Unternehmen rückt die freiwillige Kompensation von Emissionen immer weiter in den Vordergrund“, unterstreicht die UBA-Chefin. Doch über welchen Anbieter erwirbt man ein CO2-Zertifikat? Welche Klimaschutzprojekte unterstützt man hierbei? Wie transparent ist das Ganze? Und was kostet die freiwillige Kompensation?

Wer bietet die besten Zertifikate?

Eine erste Orientierung geben internationale Standards wie zum Beispiel der Verified Carbon Standard (VCS) oder der Gold Standard. Das UBA bietet auf seiner Internetseite einen umfangreichen Ratgeber zum Download an. Und wer seinen persönlichen CO2-Fußabdruck ausrechnen und erfahren will, wie sich im Alltag tonnenweise Emissionen vermeiden lassen, kann den CO2-Rechner des UBA nutzen.

Auch Stiftung Warentest hat das Thema unter die Lupe genommen. Sechs Organisationen wurden verglichen, die eine freiwillige CO2-Kompensation für Privatkunden anbieten. Mit Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima schnitten drei Anbieter im Test mit „sehr gut“ ab. Myclimate erhielt die Note „gut“. Die Preise für die Zertifikate reichen je nach Anbieter aktuell von 5 bis 23 Euro pro Tonne Treibhausgas. Ist die CO2-Kompensation damit ein Freibrief für Klimasünder? Keineswegs, wie auch Stiftung Warentest einräumt: Am besten ist es allemal, Emissionen zu vermeiden als zu kompensieren.

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