Vom Supermarkt ins Meer: Das Strand-Fazit 2018

In insgesamt 120 Ländern fand sich ein Millionenheer Freiwilliger zusammen, um die Strände vom Müll zu befreien. Zu den kuriosesten Funden gehörten ein künstlicher Weihnachtsbaum und eine Schreibmaschine. Donnerstag, 5. September 2019

In Plastik eingeschweißte Gurken in der Auslage eines Supermarkts in Toronto. In neun von zehn Fällen waren es Lebensmittelverpackungen, die bei der letztjährigen weltweiten Strandsäuberungsaktion von Ocean Conservancy eingesammelt wurden.
In Plastik eingeschweißte Gurken in der Auslage eines Supermarkts in Toronto. In neun von zehn Fällen waren es Lebensmittelverpackungen, die bei der letztjährigen weltweiten Strandsäuberungsaktion von Ocean Conservancy eingesammelt wurden.
bild Cole Burston, Bloomberg/Getty Images

Eine durchschnittliche Gurke behält ihre Frische im Supermarkt für drei Tage. Packt man sie aber in eine Hülle aus Polyethylen, verlängert sich diese Haltbarkeit auf 14 Tage. Das erklärt wohl auch den sprunghaften Anstieg von Lebensmittelverpackungen, die im kommenden Jahr einen Umsatz von 370 Milliarden US-Dollar erwartet.

Behält man diese Zahl im Hinterkopf, überrascht es nur wenig, dass der Ozean unter dem Kauf- und Konsumverhalten der Menschen zu leiden hat. Bei der jährlichen Strandsäuberung, die die gemeinnützige Organisation Ocean Conservancy ins Leben gerufen hat, stehen neun von zehn gefundenen Gegenständen in Verbindung mit Essen und Trinken. Lebensmittelverpackungen stellen rund die Hälfte der Gesamtmenge des gesammelten Mülls dieser Aktion 2018. Dem neuen Bericht der Organisation zufolge haben es nun auch zum ersten Mal Gabeln, Messer und Löffel aus Plastik auf diese Liste geschafft.

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Abgesehen von Lebensmittelverpackungen – es wurden über 3,7 Millionen einzelne Verpackungsteile gesammelt – besteht die Liste von Wegwerfplastikgegenständen vor allem aus Strohhalmen, Rührstäbchen, Besteck, Flaschen und Flaschendeckeln, Einkaufstüten und anderen Plastiktüten (für Lebensmittel und andere Zwecke), Deckeln aller Art, Bechern und Tellern.

An der Spitze stehen nach wie vor Zigarettenstummel, die Plastikfilter enthalten und seit vielen Jahren die Nummer 1 sind.

„Zigarettenstummel sind ein Problem für sich und sie gewinnen das Rennen jedes Jahr“, sagt George Leonard, der leitendende Wissenschaftler von Ocean Conservancy.

„Wenn man sich den Rest der Top-10-Liste anschaut, fällt einem sofort ins Auge, dass der Großteil der Gegenstände nicht recycelbar ist. Wenn Recycling die Lösung für das Plastikproblem der Weltmeere sein soll, müsste das auf 50 bis 90 Prozent steigen, was ein großer Sprung ist und schnell richtig kompliziert wird“, sagt er.

Die Müllsammelaktion hat 2018 auch erstmalig mehr als eine Million Freiwillige zur Mithilfe motiviert. Sie entfernten mehr als 10,5 Millionen Kilogramm Müll von den Stränden in mehr als 120 Ländern. Außerdem wurden fast eine Million verschiedene Gegenstände katalogisiert, was eine Momentaufnahme von fast allem abbildet, das Menschen produzieren und benutzen.

Es wurden mehr als 69.000 Spielzeuge aufgesammelt, mehr als 16.000 Haushaltsgeräte, ein Kronleuchter, ein künstlicher Weihnachtsbaum, ein Garagentor und eine Registrierkasse.

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Die Organisation sammelt dadurch große Datenmengen und versucht mit ihrer Hilfe, globale Muster zu erkennen, die die Bemühungen um einen plastikfreien Ozean unterstützen können, meint Leonard.

Leonard beeindruckt nicht so sehr die schiere Masse an Abfall, die bei der Strandsäuberungsaktion 2018 zusammengetragen wurde – mehr Teilnehmer am Strand sammeln auch mehr Müll ein –, sondern was die Teilnehmerzahl über das Problem der Umweltverschmutzung mit Plastikmüll aussagt.

„Die Leute leisten gerne freiwillige und gemeinnützige Arbeit“, erklärt er. „Und die zunehmende Empörung über den Zustand der Weltmeere ist ein großer Motivator dafür.“

Die Aufräumaktion für das Jahr 2019 ist für den 21. September geplant.

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