Pilze sammeln: Die gefährlichsten Giftpilze in Deutschland

Es gibt tausende Pilzarten in Deutschland. Etwa 120 sind giftig – manche tödlich. Im Porträt: Sieben der giftigsten heimischen Pilze.

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 13. Sept. 2023, 10:44 MESZ
Tödlich giftig: Mehrere Grüne Knollenblätterpilze auf dem Wldboden

Tödlich giftig: der Grüne Knollenblätterpilz

Foto von Adobe Stock

Inhalt

Pilze sind seltsame Wesen. Sie sind weder Pflanze noch Tier. Bis ins späte 20. Jahrhundert hielt man sie für Pflanzen. Mit ihnen haben Pilze gemeinsam, dass sie sesshaft sind. Sie betreiben aber keine Photosynthese. Und sie bauen ihre Zellwände aus Chitin – einem Material, das im Pflanzenreich nicht vorkommt, aber Hauptbestandteil der Insektenhaut ist. Nach aktuellem Kenntnisstand sind Pilze näher mit den Tieren verwandt. Die Wissenschaft ordnet sie deshalb einem eigenen Reich neben Pflanzen und Tieren zu. 

Mykologie, die Wissenschaft von den Pilzen, ist ein komplexes Feld. Laut Rote-Liste-Zentrum gibt es in Deutschland „vermutlich mehr als 65.000 Arten der Echten Pilze und pilzähnlichen Organismen“. Gut 6.000 zählen zu den sogenannte Großpilzen. Einige davon werden als Speisepilze geschätzt, andere wegen ihrer Giftigkeit gefürchtet. Bei den meisten Großpilzen handelt es sich um kaum bekannte, ungenießbare Arten, die nur wenigen Fachleuten geläufig sind. Oft helfen die äußeren Merkmale bei der Identifizierung nicht weiter. Erst ein mikroskopischer Blick auf die Sporen bringt dann Gewissheit.

Tödliche Verwechslungen bei der Pilzsuche

Deshalb brauchen auch Hobbysammler viel Erfahrung, um Pilze sicher zu bestimmen. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie warnt davor, sich bei der Pilzsuche blind auf Bestimmungsbücher und Apps zu verlassen. Stattdessen wirbt sie dafür, sich ein „solides Grundwissen anzueignen, beispielsweise auf Lehrwanderungen und durch Pilzkurse“. Beim geringsten Zweifel sollte man das Sammelgut einer Pilzberatungsstelle vorlegen. Andersfalls drohen tödliche Verwechslungen. 

Etwa 120 heimische Pilzarten sind giftig, manche nur in rohem Zustand oder in Verbindung mit Alkohol. Andere Pilze sind tatsächlich tödlich – darunter auch die hier vorgestellten Arten. Sie gehören allesamt zu den Blätter- oder Lamellenpilzen. Im Gegensatz zu den Röhrlingen, deren Hutunterseite ein schwammartiges Gewebe besitzt, sind Blätterpilze dort lamellenartig geformt.

Parasitärer Pilz kann Gedanken kontrollieren
Tief im Amazonasdschungel infiziert ein parasitärer Pilz namens Cordyceps Ameisen und andere Insekten, um sich zu vermehren. Szenen aus „Feindselige Erde“.

Sieben der giftigsten Pilze in Deutschland


Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)

Der Grüne Knollenblätterpilz ist Deutschlands gefährlichster Giftpilz. Er besitzt nicht nur extrem giftige Amatoxine sowie Phallotoxine. Er ist auch weit verbreitet und häufig in Laubwäldern zu finden. Schon ein winziger Bissen kann tödlich enden. Tückischerweise macht sich eine Vergiftung erst nach einigen Stunden bemerkbar. Nach anfänglichem Erbrechen sowie Krämpfen scheint sich der Gesundheitszustand zunächst zu normalisieren. Ein fataler Trugschluss: Nach sechs bis zehn Tagen tritt der Tod durch Leberversagen ein. Nur eine frühzeitige Behandlung verspricht also Rettung. Geübte Pilzsucher erkennen den Grünen Knollenblätterpilz an seinem grünen Hut, der knollenförmigen Stielbasis und den weißen Lamellen.

Grüne Knollenblätterpilze 

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Kegelhütiger Knollenblätterpilz (Amanita virosa)

Auch der Kegelhütige Knollenblätterpilz ist tödlich giftig, allerdings seltener als sein grüner Verwandter. Er lebt bevorzugt in höher gelegenen, sauren Nadelwäldern. Wie sein Name vermuten lässt, besitzt er einen weißen, kegelförmigen Fruchtkörper, der im Alter immer flacher wird. Eine Vergiftung verläuft ähnlich wie beim Grünen Knollenblätterpilz. Beide Arten können unter anderem mit Champignons verwechselt werden.

Kegelhütige Knollenblätterpilze 

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Orangefuchsiger Raukopf (Cortinarius orellanus)

Lange galt der Orangefuchsige Raukopf als harmlos. Erst in den 1950er Jahren haben Wissenschaftler im Zuge einer Massenvergiftung seine tödliche Wirkung entdeckt. Denn die Vergiftungserscheinungen zeigen sich oft erst zwei Wochen nach dem Verzehr. Heute ist klar: Der Orangefuchsige Raukopf ist einer der giftigsten Pilze Europas. Sein namensgebendes Gift Orellanin führt zum Versagen der Nieren und anderer Organe. Er wächst gern in milden Laubwäldern auf sauren und basischen Böden. Mit seinem orange- bis rostbraunen Hut wird er bisweilen mit dem Pfifferling verwechselt.

Orangefuchsige Rauköpfe

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Spitzgebuckelter Raukopf (Cortinarius rubellus)

Ebenso gefährlich ist der Spitzgebuckelte Raukopf. Auch er enthält das tödliche Gift Orellanin, das zu einer langsamen und qualvollen Vergiftung führt. Den Spitzgebuckelten Raukopf findet man meist in sauren, sumpfigen Nadelwäldern. Er besitzt einen dunkleren Stiel mit zickzackartiger, schlangenähnlicher Musterung (Natterung) als sein naher Verwandter, der Orangefuchsige Raukopf.

Spitzgebuckelte Rauköpfe

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Gifthäubling (Galerina marginata)

Dieser kleine, honigbraune Giftpilz kann leicht mit dem Stockschwämmchen, einem beliebten Speisepilz, verwechselt werden. Manchmal besiedeln beide Arten sogar den gleichen Holzstamm. Das Problem: Der Gifthäubling ist tödlich giftig. Er enthält einen ähnlichen Giftcocktail wie Knollenblätterpilze. Oft findet man den Gifthäubling auf verrottetem Waldholz. Aber auch auf Rindenmulch fühlt er sich wohl.

Gifthäublinge

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Fliegenpilz (Amanita muscaria)

Er ist der wohl bekannteste heimische Giftpilz. Sein leuchtend roter, weißgepunkteter Hut macht den Fliegenpilz eigentlich unverwechselbar. Deutschlands Pilz des Jahres 2022 liebt Fichten und Birken. Er enthält psychoaktive Substanzen wie Ibotensäure und Muscarin, die Halluzinationen hervorrufen. Der Genuss kann in hohen Mengen schwere Vergiftungen hervorrufen, die selten zum Tod führen.

Fliegenpilze

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Pantherpilz (Amanita pantherina)

Helle Punkte auf graubraunem Hut: Der Pantherpilz erinnert an einen farblosen Fliegenpilz. Tatsächlich sind beide Arten eng verwandt. Sie enthalten auch die gleichen Giftstoffe – der Pantherpilz allerdings in deutlich höherer Dosis. Etwa 100 Gramm des Pilzes genügen, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Der Pantherpilz kann leicht mit Speisepilzen wie dem Perlpilz oder dem Grauen Wulstling verwechselt werden.

Pantherpilze

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