Studie zeigt: Drogen machen nicht kreativer

Wer berauscht ist, hat bessere Ideen? Falsch, sagen Wissenschaftler – und benennen Faktoren, die die menschliche Kreativität wirklich steigern.

Von Marina Weishaupt
Veröffentlicht am 6. Apr. 2023, 10:40 MESZ
Ein buntes Gemälde mit einem Pinsel, der Farbe auf die Leinwand bringt.

Der Konsum von Drogen wird oft als hilfreiches Mittel zur Steigerung von Kreativität angesehen – fälschlicherweise, wie eine Studie belegt.

Foto von wavebreak3 / Adobe Stock

Ob als Mittel gegen Lampenfieber oder als Stressausgleich: Der Konsum von Drogen ist in kreativen Branchen weit verbreitet. Vor allem prominente Kunstschaffende zählen zu den Risikogruppen für Drogenmissbrauch und Suchterkrankungen. Oftmals wird der Konsum mit einem bestimmten Zweck gerechtfertigt: Die Bewusstseinserweiterung soll die Kreativität fördern und maßgeblich zum Schaffen neuer Kunst beitragen. 

Doch kann kreatives Denken so wirklich positiv beeinflusst werden? Eine Metastudie der Berliner Humboldt-Universität in Zusammenarbeit mit den Universitäten Potsdam und Essex hat dies untersucht. Die Studie erschien im Fachmagazin Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts

Drogen haben keinen positiven Einfluss auf die Kreativität

Im Rahmen ihrer Metatudie verglichen die Forschenden insgesamt 84 zwischen 2000 und 2021 veröffentlichte internationale Studien, die sich mit der Förderung von Kreativität beschäftigen. Die in diesen Studien untersuchten Praktiken unterteilte das Team in ihrer Metastudie in insgesamt 12 übergeordnete Methoden und analysierte deren Wirksamkeit. Als besonders effektiv erwiesen sich dabei gezielte und komplexe Trainingskurse oder Meditationsübungen. Rund 70 Prozent der Teilnehmenden verschiedenster Studien waren nach derartigen Techniken erwiesenermaßen kreativer als Vergleichsgruppen.

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Als unwirksam stellte sich dagegen der Gebrauch von Substanzen zur kognitiven Manipulation heraus – also die Einnahme von Drogen. Insbesondere die Nutzung von Medikamenten wie Adderall und der Konsum von Drogen wie Marihuana oder Alkohol verhelfen der Kreativität vergleichsweise am wenigsten – und sind im Gesamtergebnis nicht wirksam. 

Ein positiver Einfluss derartiger Mittel auf den kreativen Fluss ist laut den Forschenden lediglich auf subjektive Erfahrungen und verfälschte Wahrnehmungen zurückzuführen.

Kreativität: Alles eine Frage der Einstellung?

Konkrete Methoden, die kreatives Denken nachweislich positiv beeinflussen, gibt es laut Erstautorin Jennifer Haase dennoch. Denn: „Kreativität ist keine Fähigkeit, die es zu erlernen und dann anzuwenden gilt. Kreativität ergibt sich viel mehr aus den Einstellungen, Emotionen und Erwartungen, die eine Person in dem Moment hat, in der sie vor einer kreativen Herausforderung steht“, sagt sie. 

Kurzfristig kann beispielsweise eine Technik namens Brainwriting der Kreativität auf die Sprünge helfen. Ähnlich wie beim mündlichen Brainstorming werden Ideen in schriftlicher Form festgehalten. Langfristige Effekte hingegen haben etwa kulturelles Engagement, Besuche von Museen und Ausstellungen oder Auslandsaufenthalte. Kurzum: Sämtliche Situationswechsel, die für Entspannung oder neue Sichtweisen und Eindrücke sorgen, fördern den Ideenreichtum und Wohlbefinden nachhaltig – sowohl im Berufs- als auch im privaten Alltag. 

Kreativität kann also durchaus mithilfe äußerer Einflüsse gesteigert werden – laut Paul Hanel, Mitautor der Studie, aber eben nicht durch die Einnahme von Drogen: „In Anbetracht der Nebenwirkungen ist es doch ermutigend, dass Drogen keinen Einfluss auf die Kreativität haben.“

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