Weiterschlafen nach dem Aufwachen: Wie schädlich ist die Schlummertaste?

Vor den negativen Folgen des Snoozens wird oft gewarnt. Eine neue Studie hat sich dem Schläfchen nach dem Schlaf gewidmet – und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 27. Okt. 2023, 08:48 MESZ
Eine verschlafene Frau im Bett ist am Handy.

Schlaftrunken die Snooze-Taste suchen und noch ein paar Minuten länger im Bett bleiben: ein tägliches Schauspiel in den meisten Schlafzimmern. 

Foto von DimaBerlin / Adobe Stock

Der Wecker klingelt, aber um aufzustehen und in den Tag zu starten, ist man einfach noch zu müde. Wer diese Situation kennt, gehört vermutlich zu den Menschen, die regelmäßig die Snooze-Taste betätigen, um noch ein paar Minuten länger zu dösen. Ein Verhalten, von dem bislang abgeraten wurde, denn es steht in Verdacht, sich negativ auf den Schlaf, die Stimmung und die kognitive Leistungsfähigkeit auszuwirken.

Dass die Verzögerung des Aufwachens aber oft gar nicht so kritisch ist wie angenommen, zeigt nun eine Studie von Forschenden der Universität Stockholm, Schweden, die in der Zeitschrift Journal of Sleep Research erschienen ist. Ihr zufolge kann das Weiterschlummern nach dem Weckerklingeln in manchen Fällen sogar hilfreich sein.

Die Mehrheit schlummert

Unter der Leitung der Neurowissenschaftlerin Tina Sundelin ermittelte das Studienteam zunächst im Rahmen einer Umfrage, wie viele Menschen die Schlummertaste regelmäßig drücken. Von 1.732 Teilnehmenden gaben 69 Prozent an, dies zu tun – darunter vor allem junge Erwachsene und Eulen, also späte Chronotypen, die eher nachtaktiv sind. Das Schläfchen nach dem Schlaf dauert durchschnittlich 22 Minuten, die Begründung ist logisch: Die meisten gaben an, dass sie, wenn der Wecker klingelt, noch zu müde sind, um das Bett zu verlassen.

Im zweiten Teil der Studie widmeten sich die Forschenden der Frage, wie sich das Weiterschlummern auf die Schlafenden auswirkt. Fragmentierter Schlaf – also wiederholtes Aufwachen und Einschlafen innerhalb einer Schlafeinheit – wurde bereits in der Vergangenheit untersucht. Dabei zeigten sich negative Folgen bezüglich der Stimmung und der kognitiven Leistungsfähigkeit der Testpersonen. In diesen Versuchen wurde allerdings der gesamte Nachtschlaf regelmäßig durch akustische Reize unterbrochen – beim Schlummern hatte man jedoch meist einen ungestörten Nachtschlaf und verlängert diesen nach einem kurzen Aufwachen lediglich.

Snooze im Schlaflabor

Um diese Sondersituation zu erforschen, verbrachten 31 Testpersonen, die angaben, regelmäßig die Snooze-Taste zu nutzen, drei Nächte in einem Schlaflabor. Die Schlafdauer entsprach in allen Fällen der regulären Schlafzeit, die erste Nacht diente der Gewöhnung an die neue Umgebung. An einem Morgen mussten die Teilnehmenden direkt nach dem Weckerklingeln aufstehen, am anderen klingelte der Wecker eine halbe Stunde früher, sodass 30 Minuten zum Schlummern blieben.

Analysen des Stresshormonspiegels im Speichel der Testpersonen und eine Abfrage ihrer Stimmung brachten keine eindeutigen Ergebnisse. Feststellen konnten die Forschenden jedoch, dass die Proband*innen nach dem ersten Aufwachen nicht wieder in den Tiefschlaf fanden, sondern im Anschluss nur noch dösten. Dadurch schliefen sie beim Snoozen durchschnittlich sechs Minuten weniger als wenn der Wecker eine halbe Stunde später klingelte.

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    Schlafdefizit als kleineres Übel

    Dieses Schlafdefizit hat jedoch keine negativen Folgen für die kognitive Leistungsfähigkeit. Im Gegenteil: Beim Lösen von Mathe- und Gedächtnisaufgaben direkt nach dem Aufwachen, schnitten die Testpersonen besser ab, wenn ihnen zuvor eine Schlummerphase erlaubt wurde. Das Nachschlafen hat also entgegen der bisherigen Annahme keine negative, sondern sogar eine positive Wirkung. Die Forschenden begründen dies unter anderem damit, dass die Proband*innen nicht direkt aus dem Tiefschlaf gerissen wurden und darum geistesgegenwärtiger waren.

    „Unsere Studie zeigt, dass eine halbe Stunde Schlummern keine negativen Auswirkungen auf den Nachtschlaf oder die Schlafträgheit, also das Gefühl, am Morgen nicht ganz wach zu sein, hat“, sagt Tina Sudelin. Doch „man darf natürlich nicht vergessen, dass an der Studie nur Personen teilgenommen haben, die regelmäßig schlummern und denen es leichtfällt, nach jedem Wecker wieder einzuschlafen.“

    Schlummern sei wahrscheinlich nicht für jeden geeignet. Wer sich aber bereits daran gewöhnt hat, kann auch in Zukunft die Snooze-Taste drücken und sich ohne schlechtes Gewissen für ein kleines Extra-Schläfchen noch einmal umdrehen.

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