Historische Aufnahmen von Höhlenwohnungen aus aller Welt

Ob in Frankreich, Tunesien, China oder Australien: Überall suchten Menschen Schutz in Höhlen und richteten sich dort häuslich ein.Dienstag, 8. Oktober 2019

Seit Generationen haben sich die Menschen in Höhlen zurückgezogen, um Krieg, Verfolgung, Armut oder dem rauen Klima zu entgehen. Sie trieben Hohlräume in den Fels oder die Erde oder machten einfach Gebrauch vom dem, was die Natur bereits geschaffen hatte. Dort fanden sie Zuflucht vor der Außenwelt.

Das erbarmungslose Klima ihrer Heimat trieb einige Gemeinden dazu, sich in Höhlen zurückzuziehen, wo die Temperaturen das ganze Jahr über relativ stabil bleiben. Die Bewohner der Bergarbeiterstadt Coober Pedy im australischen Outback suchten unter der Erde Schutz vor der sengenden Wüstenhitze. Auch die Menschen von Guadix in Spanien trieben ihre Wohnräume tief in die Hügel ihrer Heimat.

Petra, die steinerne Stadt
Die Ruinenstadt ist ein Labyrinth aus Höhlen, Tempeln und Gräbern, die direkt aus den rosigen Sandsteinklippen der jordanischen Wüste gehauen wurden. Sie erzählt die Geschichte einer verlorenen Zivilisation, über die nur wenig bekannt ist.

Aber Höhlen bieten auch während des Krieges Schutz. Frühe Christen flohen beispielsweise in die Höhlen von Kappadokien, um der Verfolgung und dem Zorn Roms zu entgehen. Mao Zedong nutzte das Höhlensystem von Yan’an in China als Basis, von der aus er in den Jahren vor der kommunistischen Revolution die Unterstützung der Landbevölkerung gewann. Auch in Europa flüchteten sich Zivilisten und Soldaten in Höhlen. Während des Ersten Weltkriegs zogen sich französische Soldaten beispielsweise in Kalksteinbrüche zurück.

Oft waren Höhlenwohnungen auch eine Alternative für all jene, die sich den Bau eines eigenen Hauses nicht leisten konnten. Nicht selten wurden solche Höhlen Teil und Ausdruck der Kultur jener Menschen. Die Berber im tunesischen Matmata siedelten schon vor Jahrhunderten in unterirdischen Behausungen. Aber viele Familien verließen ihre traditionellen Heimstätten im Zuge einer Modernisierung, nachdem Tunesien 1956 seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangt hatte – eine Modernisierung, die viele Einheimische als Versuch ansahen, ihre Kultur zu untergraben.

Höhlenwohnungen verbrauchen so gut wie keinen Strom zur Kühlung oder Beheizung, weshalb sie als grünere Alternative zu konventionellen Wohnungen gelten. Einige Firmen aus dem Bereich des Stadtdesigns und der Stadtplanung sind daher sogar der Meinung, dass unterirdische Behausungen die Zukunft des urbanen Raums sein könnten, in dem es zunehmend an Platz und Ressourcen mangelt. Firmen in Singapur und Mexiko arbeiten deshalb bereits an umfassenden Plänen für unterirdischen Wohnraum.

Mittlerweile sind viele Höhlen allerdings weit mehr als bloßer Schutz in unsteten Zeiten. Viele dieser Räume – darunter jene in Kappadokien, in denen im 4. Jahrhundert Christen Zuflucht suchten – wurden als kulturelle Stätten deklariert oder dienen heute als Restaurants oder gar Hotels.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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