Größtes Fossil einer prähistorischen Spinne in Australien entdeckt

Die australische Spinne Megamonodontium mccluskyi ist vor rund 11 Millionen Jahren ausgestorben. Jetzt wurde sie wissenschaftlich beschrieben. Besonders interessant dabei: ihre Größe.

Von Katarina Fischer
Veröffentlicht am 11. Okt. 2023, 09:35 MESZ
Fossil einer Spinne in terracottafarbenem Gestein.

Dieses versteinerte Exemplar von Megamonodotium mccluskyi wurde im Südosten Australiens gefunden.

Foto von Michael Frese

Für Spinnenphobiker ist Australien nicht unbedingt das Reiseziel der Wahl: Auf dem Kontinent ist eine große Zahl von Arachnida, also Spinnentieren, zu Hause – mit der Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) unter anderem die für den Menschen giftigste Spinnenart der Welt. Fossilien prähistorischer Spinnen sind in Australien jedoch erstaunlich rar.

Das macht die Entdeckung einer neuen Spinnenspezies und -gattung, die ein Forschungsteam der University of New South Wales in Kensington und des Australian Museum in Darlinghurst nun benannt und beschrieben hat, so besonders. Megamonodontium mccluskyi krabbelte vor 11 bis 16 Millionen Jahren durch Australien. Die Studie der Forschenden ist in der Zeitschrift Zoological Journal of Linnean Society erschienen.

Rätselhafte Evolution der australischen Spinnen

„Auf dem gesamten Kontinent wurden bisher nur vier Spinnenfossilien gefunden, was die Erforschung der Entwicklungsgeschichte dieser Tiere sehr erschwert“, sagt Matthew McCurry, Paläontologe am Australian Museum. „Darum ist diese Entdeckung so bedeutsam: Sie liefert neue Informationen über das Aussterben der Spinnen und füllt eine Wissenslücke in unserem Verständnis der Vergangenheit.“

Künstlerische Darstellung der neu entdeckten prähistorischen Spinnenart in ihrem natürlichen Lebensraum während des Miozäns.

Foto von Alex Boersma

M. mccluskyi teilt sich einige Ähnlichkeiten mit Spinnen aus der heute lebenden Gattung Monodotium, die in den Feuchtwäldern von Singapur und Papua-Neuguinea zu Hause sind. Laut McCurry legt dies nahe, dass auf dem australischen Festland während des Miozäns ein Klima herrschte, das mit dem dieser Regionen vergleichbar war. Als Australien dann immer trockener wurde, sei die Spinnengattung ihres Lebensraumes beraubt worden und ausgestorben.

Fossile Rarität

Das Fossil stammt aus der paläontologischen Fundstelle McGraths Flat in New South Wales im Südosten Australiens. Benannt nach seinem Finder Simon McClusky, der als Geowissenschaftler die Ausgrabungen begleitete, bricht die neuentdeckte Gattung einige Rekorde.

Zum einen ist das beschriebene Fossil das erste jemals gefundene von einer Spinne aus der Familie der Gebürsteten Falltürspinnen (Barychelidae), der M. mccluskyi aufgrund ihrer Verwandtschaft mit der Gattung Monodontium zugeordnet wird.

„Es gibt etwa 300 Arten Gebürsteter Falltürspinnen, die heute noch leben – aber sie scheinen nicht sehr oft zu Fossilien zu werden“, sagt Studienautor Robert Raven, Arachnologe am Queensland Museum. „Das könnte daran liegen, dass sie so viel Zeit in Höhlen verbringen und sich daher nicht in der richtigen Umgebung befinden, um versteinert zu werden.“

Fünfmal größer als moderne Verwandte

Wie der Zusatz Mega vermuten lässt, ist einer der auffälligsten Unterschiede zwischen der fossilen Gattung und ihren heute lebenden Verwandten die Größe: Mit einer Körperlänge von 23,3 Millimetern war M. mccluskyi rund fünfmal größer als moderne Vertreter der Gebürsteten Falltürspinnen. Sie ist laut Raven außerdem die größte versteinerte Spinne, die je in Australien gefunden wurde.

Dieser Umstand und die Tatsache, dass das Fossil in erstaunlichem Detail erhalten ist, ermöglichten es Michael Frese, Virologe an der University of Canberra, die prähistorische Spinne mithilfe von Stapelmikrofotografie zu scannen und gründlich zu untersuchen.

„Mit der Rasterelektronenmikroskopie konnten wir winzige Details der Klauen und Seten an den Pedipalpen, Beinen und dem Hauptkörper der Spinne erkennen“, sagt er.  Seten sind haarähnliche Strukturen, die eine Reihe von Funktionen haben können. Unter anderem nehmen Spinnen mit ihnen Chemikalien und Vibrationen wahr, verteidigen sich gegen Angreifer und erzeugen mit ihnen sogar Töne.

Für das weitere Studium von M. mccluskyi hat das Australian Museum das Fossil aus seiner paläontologischen Sammlung online für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt – in der Hoffnung, mehr über die Evolutionen der australischen Spinnenwelt und ihres Lebensraums zu erfahren.

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