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Auszeit unter Bäumen: Die schönsten Pfade durch Deutschlands Wälder

Ein Waldspaziergang wirkt sich positiv auf Körper und Seele aus. Ein guter Grund, eine der unzähligen Waldwanderrouten auszuprobieren, die es in Deutschland gibt – vom tiefsten Bayern bis an die Küste der Ostsee.

Veröffentlicht am 14. Apr. 2022, 16:49 MESZ
11,1 Million Hektar und damit 32 Prozent der Landfläche Deutschlands sind bewaldet – 0,13 Hektar für ...

11,1 Million Hektar und damit 32 Prozent der Landfläche Deutschlands sind bewaldet – 0,13 Hektar für jeden Bundesbürger. Eine große Zahl an Wanderwegen, wie dieser Abschnitt des 153 Kilometer langen Pfälzer Weinsteigs am Kalmit, laden dazu ein, die deutschen Wälder zu erkunden.

Foto von Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH / Dominik Ketz

Als im 19. Jahrhundert die Epoche der Romantik in Deutschland begann, prägte diese den Begriff des Deutschen Walds – einem Sehnsuchtsort, der zu Gedichten, Märchen und Sagen inspirierte und zum Sinnbild der deutschen Kunst und Kultur wurde. Auch heute noch ist ein Spaziergang oder eine Wanderung durch den Wald immer mit dem Eintauchen in eine andere Welt verbunden: Sein Geruch und sein Klang, das Licht, das durch die Zweige und Äste der Bäume fällt – kaum hat man ihn betreten, ist man dem Alltag entflohen.

Laut dem NABU sind etwa 32 Prozent der Landfläche Deutschlands mit Wald bedeckt – das sind insgesamt 11,1 Millionen Hektar, 0,13 Hektar pro Bundesbürger. Die am häufigsten vorkommenden Baumarten sind Fichten, Kiefern und Rotbuchen, die zwischen 250 und 500 Jahren alt werden können. Eichen werden sogar älter als 850 Jahre.

Die Notlage unserer Wälder
Deutschland ist ein Land voller üppiger grüner Bäume, obwohl erste kürzlich viele davon verschwanden.

In den letzten Jahren hat sich die japanische Idee des Shinrin-Yoku, des sogenannten Waldbadens, auch hierzulande immer mehr durchgesetzt: Zu den positiven Effekten eines kurzen Waldaufenthalts zählen laut den Forschungsergebnissen von Wissenschaftlern der Nippon Medical School in Tokio unter anderem eine ruhigere Atmung und eine Verlangsamung des Pulses. Schon zwei Waldspaziergänge pro Monat helfen demnach bei Depressionen sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und stärken das Immunsystem dauerhaft. Schon 15 Minuten im Wald senken der Techniker Krankenkasse zufolge die Konzentration von Stresshormonen im Blut.

Ob für einen kurzen Spaziergang oder eine ausgedehnte Wanderung: Wir stellen einige der schönsten Wege durch deutsche Wälder vor.

Nationalpark Kellerwald-Edersee

50 Kilometer von der Stadt Kassel entfernt liegt im Landkreis Waldeck-Frankenberg Hessens einziger Nationalpark. Mit einer Fläche von über 7.600 Hektar umschließt er den Edersee im Nordteil des Mittelgebirges Kellerwald. Rotbuchen machen 65 Prozent des Baumbestands aus und das Gebiet, in dem sie wachsen, ist seit 2011 Teil der UNESCO-Weltkulturerbestätte der Buchenurwälder und Alter Buchenwälder.

Besucher des Nationalparks haben im Teil südlich des Edersees die Wahl zwischen 19 verschiedenen Rundwanderwegen. Die Locheichen-Route führt auf rund sieben Kilometern durch das Zentrum des Buchenwaldgebiets. Auf der Ringelsberg-Route mit einer Länge von 10 Kilometern erwarten Wanderer alte Buchenwälder, Bachschluchten und spektakuläre Aussichten auf das Waldmeer des Schutzgebiets und den Edersee.

Der Hainsimsen-Rotbuchenwald ist für den Kellerwald-Edersee-Nationalpark charakteristisch, in höheren Lagen wachsen auch Bergahorn, die Gemeine Esche und Bergulmen.

Foto von HA Hessen Agentur GmbH / Roman Knie

Darßwald

Knapp 60 Kilometer vor den Toren der Hansestadt Rostock in Mecklenburg-Vorpommern liegt die Halbinsel Darß, deren Nordspitze in die Ostsee ragt. Sie ist hauptsächlich vom Darßwald bedeckt, der mit seiner Größe von 5.800 Hektar jedoch nur einen kleinen Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ausmacht. Der Nordwesten des Walds gehört zur Schutzzone I des Nationalparks, die nur auf ausgeschilderten Wegen betreten werden und in der ansonsten keine menschliche Nutzung stattfinden darf, damit das Gebiet sich natürlich entwickeln kann.

Durch seine direkte Lage an der Ostsee bietet der Darßwald Wanderern das Beste aus zwei Welten: sattgrüne Wildnis im tausende Jahre alten Urwald und einen weiten Blick über das Meer. Die 9,2 Kilometer lange „Wald und Strand“-Route führt an Erlenbrüchen und Buchenwäldern vorbei bis zum alten Meeresufer mitten im Wald, an dem Reffen und Riegen – alte Strandwälle und Moore – davon zeugen, dass hier vor 7.000 Jahren einmal das Meer begann. Folgt man dem Weg weiter, erreicht man schließlich den heutigen Strand und kann seine Füße in das kühle Nass der Ostsee halten.

Am Westufer des Darß wachsen die alten Buchen bis an den Strand.

Foto von Nationalparkamt Vorpommern / Katrin Bärwald

Biosphärenreservat Pfälzerwald

Die Mittelgebirgslandschaft Pfälzerwald in Rheinland-Pfalz ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Es hat eine Fläche von mehr als 177.000 Hektar und bedeckt gut ein Drittel der gesamten Pfalz. Im Jahr 1958 wurde der Naturpark Pfälzerwald geschaffen – der damals dritte Naturpark Deutschlands. Seit 1992 ist er teilweise von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Mit einem Anteil von 35 Prozent am Baumbestand ist die Buche die am häufigsten vorkommende Baumart. Neben Rehen und Wildschweinen beheimatet der Pfälzerwald auch Dachse und Füchse, bedrohte Tierarten wie Luchse und Europäische Wildkatzen sowie einige seltene Vogelarten wie den Wanderfalken.

Durch seine schiere Größe bietet das Waldgebiet unzählige – teilweise mehrtägige – Wandermöglichkeiten. Verpflegung und Unterkunft finden Besucher in den insgesamt 50 bewirtschafteten Hütten des Pfälzerwald-Vereins, 14 Naturfreundehäusern und rund 50 Waldgaststätten. Der 143 Kilometer lange Pfälzer Waldpfad führt auf neun Etappen von Kaiserslautern bis nach Schweigen-Rechtenbach an der Deutschen Weinstraße entlang.

Das 310.500 Hektar große Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord liegt in Deutschland und Frankreich und wurde im Jahr 1998 als erstes grenzüberschreitendes Biosphärenreservat der UNESCO in Europa ausgewiesen. Vom Luitpoldturm auf dem Weißenberg am Pfälzer Waldpfad hat man einen atemberaubenden Blick über das Pfälzer Land.

Foto von Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH / Dominik Ketz

Stadtwald Lübeck

Ein Ausflug in die Natur muss nicht immer mit Stadtflucht verbunden sein. Die Bewohner der Hansestadt Lübeck in Schleswig-Holstein wissen das: Der Lübecker Stadtwald ist nur wenige Kilometer von dem historischen Kern der Stadt entfernt. Er erstreckt sich über eine Fläche von 4.600 Hektar und ist seit dem 12. Jahrhundert in Stadtbesitz. Die vier Forstreviere werden seit Mitte der Neunzigerjahre nach dem Konzept der „Naturnahen Waldnutzung“ bewirtschaftet. Dieses sieht einen minimalen Eingriff in die natürlichen Prozesse des Waldes vor: Tot- und Starkholz machen 10 Prozent der oberirdischen Baummasse aus, natürlich vorkommende Baumarten werden gefördert, Kahlschlag ist verboten, Aussaat und Anpflanzung von Bäumen durch Menschenhand finden nur in Ausnahmefällen statt. Im Jahr 1998 wurde das Konzept vom Bundesumweltministerium ausgezeichnet, Städte wie Berlin, München und Hannover haben es inzwischen übernommen.

Im Lauerholz, dem Forst, der der Stadt am nächsten ist, können Spaziergänger auf dem 3,8 Kilometer langen Ritterbrookpfad nicht nur unter jahrhundertealten Bäumen Waldluft schnuppern: Für Kinder wurden außerdem sieben Stationen mit Aktionen und spannenden Informationen über Waldtiere und Bäume eingerichtet, an denen sie auf spielerische Weise einiges über das Ökosystem und seine Bewohner lernen können.

Das Lauerholz, eines von vier Forstrevieren des Lübecker Stadtwalds, wurde bereits im Jahr 1892 als Erholungswald angelegt.

Foto von Knut Sturm

Nationalpark Bayerischer Wald

Der mit seiner Gründung im Jahr 1970 älteste Nationalpark Deutschlands liegt direkt an der Grenze zu Tschechien und bildet zusammen mit dem benachbarten Nationalpark Šumava die größte zusammenhängende Waldschutzfläche Mitteleuropas. Inklusive einer im Jahr 2020 beschlossenen Erweiterung hat er eine Gesamtfläche von rund 24.850 Hektar und bietet damit viel Platz für Naturliebhaber, die auch gern ein paar Höhenmeter machen: Der Nationalpark ist das Herz des Mittelgebirges Bayerischer Wald, dessen höchster Punkt auf 1.456 Metern liegt. In den geschützten Bergmischwäldern wachsen vor allem Tannen, Buchen und Fichten. Sie sind Heimat vieler Tierarten, darunter Wölfe, Luchse und sogar Elche, die über die tschechische Grenze eingewandert sind.

Im Nationalpark haben Wanderer die Qual der Wahl bei der Entscheidung für eine Route. Für Waldfreunde bieten sich jedoch zwei Strecken besonders an: Mit moderaten Steigungen kann man vom Zwieslerwaldhaus in Lindberg aus auf rund 11 Kilometern den Hans-Watzlik-Hain erkunden, ein echtes Urwaldgebiet, in dem die größten Tannen des Bayerischen Walds wachsen. Deutlich anspruchsvoller ist die fast 15 Kilometer lange Route durch das Höllbachgspreng, vorbei an kleinen Wasserfällen bis hinauf zum Falkenstein-Gipfel auf 1.315 Metern. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick über die Baumwipfel, bevor es durch das Urwaldgebiet Mittelsteighütte zurück zum Ausgangspunkt geht.

Das bewaldete Felsmassiv Höllbachgspreng liegt unterhalb des Großen Falkensteins, unweit der tschechischen Grenze. Einer Verfügung aus dem Jahr 1860, in der die forstwirtschaftliche Nutzung des Gebiets verboten wurde, verdankt dieser Teil des Nationalparks seinen urwaldartigen Charakter. Der Wanderweg durch die Schluchten des Massivs wird nur geübten Wanderern empfohlen.

Foto von Rainer Simonis

Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge

Aufgrund der hier ausgetragenen Varusschlacht zwischen Römern und Germanen im 9. Jahrhundert n. Chr. ist der Teutoburger Wald jedem, der am deutschen Geschichtsunterricht teilgenommen hat, ein Begriff. Heute zeugt das hier errichtete Hermannsdenkmal von dem historischen Ereignis, doch ist es bei Weitem nicht der einzige Grund für einen Ausflug in das Mittelgebirge im Niedersächsischen Bergland. Der Teutoburger Wald ist in zwei Naturparks unterteilt: den Natur- und Geopark TERRA.vita im Nordwesten und den Naturpark Teutoburgerwald / Eggegebirge im Südosten.

In Letzterem kann man auf der Silberbachtal-Route unter anderem einen Blick auf die markante Sandsteinformation der Externsteine werfen, die sich vor ungefähr 110 Millionen Jahren gebildet hat. Auf knapp 15 Kilometern führt die Wanderstrecke vom nordrhein-westfälischen Leopoldstal über idyllische Naturpfade entlang des Silberbachs durch den alten Wald.

Die natur- und kulturdenkmalgeschützten Externsteine im Teutoburger Wald gehören zu den im wahrsten Sinne des Wortes herausragenden Natursehenswürdigkeiten Deutschlands. Die Silberbach-Route bietet Waldwanderern einen spektakulären Ausblick auf die viele Millionen Jahre alte Sandsteinformation.

Foto von Teutoburger Wald Tourismus / Andreas Hub

Nationalpark Hainich

Der im Jahr 1997 gegründete Nationalpark im Städtedreieck Eisenach-Mühlhausen-Bad Langensalza ist der einzige Nationalpark im Bundesland Thüringen. Er hat eine Größe von 7.500 Hektar und ist Teil des Hainichs, dem größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet Deutschlands. Seit dem Jahr 2011 ist der Park, dessen Kernzone von der European Wilderness Society als WILDForest-Gebiet zertifiziert wurde, Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Buchenurwälder und Alte Buchenwälder. Neben der hier besonders geschützten Rotbuche wachsen im Hainich zahlreiche weitere Laubbaumarten, darunter Eschen, Ahorne, Linden und die seltene Elsbeere.

Wer dem 9,5 Kilometer langen Welterbepfad, einem von vier Thüringer Urwaldpfaden, folgt, taucht tief ein in die Wildnis des naturnahen Altbuchenwalds. Vom Menschen weitestgehend unberührt, kann sich der Wald hier vollkommen natürlich entwickeln. Im Frühling bedecken Blütenteppiche den Boden, im Frühsommer weht einem der Duft von Bärlauch in die Nase, während der Wind durch das Blätterdach der uralten Baumriesen streicht. Wer möchte, kann unterwegs einen kleinen Abstecher zum Wartburgblick machen, um von dort den Blick über die Berge des Thüringer Walds und die namensgebende Wartburg schweifen zu lassen.

Im Mai bildet wildwachsender Bärlauch am Waldboden des Nationalparks Hainich einen dichten Blütenteppich. Außerdem spielen Pilze in dem Ökosystem eine wichtige Rolle: 1.650 Arten sind hier beheimatet, die meisten davon Totholzzersetzer. Im Jahr 1999 wurde der seltene Mycoacia nothofagi im Hainich festgestellt, der nur in naturnahen Wäldern wächst.

Foto von Nationalpark Hainich / Lisa Mäder
Wei­ter­le­sen

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