Wunderwelt Wald: 13 überraschende Fakten über Wälder in Deutschland

Wie viel Wald haben wir in Deutschland? Wo steht Deutschlands ältester Baum? Und welcher Baum ist am höchsten? Deutschlands Wälder stecken voller Superlative.

Alte Bäume wie diese Eiche haben eine große Bedeutung für intakte Wälder.

Foto von Gerd Ludwig
Von Jens Voss
Veröffentlicht am 13. Apr. 2022, 14:38 MESZ

Wie viel Wald gibt es in Deutschland?

Deutschland ist eines der waldreichsten Länder Europas. Fast ein Drittel ist von Wald bedeckt (rund 11,4 Mio. Hektar der Landesfläche). Seit 1990 konnte die Waldfläche um mehr als 200.000 Hektar ausgeweitet werden.

Wo gibt es am meisten Wald in Deutschland?

Während der flache Norden von Landwirtschaft geprägt ist, sind die Mittelgebirge besonders waldreich. Den meisten Wald (über 2,6 Mio. Hektar) hat Bayern. Prozentual zur Landesfläche besitzen aber Rheinland-Pfalz und Hessen die größten Waldanteile (42 %). Es folgen das Saarland mit 40 % und Baden-Württemberg mit 38 %. In Bayern sind es 37 %. Der Pfälzerwald ist mit fast 180.000 Hektar Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet.

Wie alt sind die deutschen Wälder?

Knapp ein Viertel des Waldes (24 Prozent der Fläche) ist älter als 100 Jahre. Die Hälfte der Waldfläche (51 Prozent) ist mit Bäumen im Alter von 21 bis 80 Jahren bewachsen. Die jüngeren Wälder (bis 20 Jahre alt) sind zu 85 Prozent aus natürlicher Verjüngung hervorgegangen. Diese Bäume wurden also nicht gepflanzt, sondern haben sich selbst ausgesät.

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Wo steht Deutschlands ältester Baum?

Gleich mehrere Gemeinden wetteifern um den Rekord. Da ist zum einen eine Eibe in Balderschwang im bayerischen Allgäu, die 2000 bis 4000 Jahre alt sein soll. Die Femeiche von Raesfeld in Nordrhein-Westfalen bringt es vermutlich auf rund 1500 Jahre. Und eine Linde im hessischen Schenklengsfeld ist nach Worten der Gemeinde 1200 Jahre alt.

Welcher Baum ist der höchste in Deutschland?

Als höchster Baum in Deutschland gilt "Waldtraud" – eine Douglasie im Freiburger Stadtwald. 1916 wurde der damals dreijährige Setzling gepflanzt. Heute ist der Baum etwa 67 hoch – und wächst immer noch.

Deutschlands höchster Baum: Die 67 Meter hohe Douglasie "Waldtraut" – eine Douglasie im Freiburger Stadtwald. 

Foto von

Gibt es noch Urwald in Deutschland?

Etwa 99 % der Wälder in Deutschland sind menschlich geprägt. Das heißt im Gegenzug: Nur 1 % des deutschen Waldes ist naturbelassen. 36 % weisen eine naturnahe Zusammensetzung der Baumarten auf. Die Zerschneidung von Waldgebieten beeinträchtigt die biologische Vielfalt. Umweltverbände fordern, mehr Waldfläche zu Urwäldern zu machen.

Wie krank ist der deutsche Wald?

Ab den 80-er Jahren sorgte der kranke deutsche Wald auch international für Aufsehen. Seitdem sprechen etwa auch die Franzosen von „Le Waldsterben“. Heute ist unser Wald so krank wie nie. Laut aktuellem Waldbericht ist der Klimawandel längst im deutschen Wald angekommen. Das haben die Dürrejahre 2018 bis 2020 auf dramatische Weise gezeigt. Die mehrjährige Trockenperiode hat selbst tiefe Bodenschichten ausgetrocknet und zu starken Dürreschäden bei den Bäumen geführt.

Welche Baumarten sind vom Waldsterben betroffen?

25 Prozent der gesamten Waldfläche sind wegen der Zusammensetzung ihrer Baumarten besonders empfindlich gegenüber Trockenheit. Vor allem Fichten starben in den letzten Jahren großflächig ab – der Borkenkäferbefall gab ganzen Wäldern den Todesstoß. Aber auch andere Baumarten sind betroffen. 277.000 Hektar Wald müssen wieder aufgeforstet werden. Das entspricht fast 400.000 Fußballfeldern. Die Bundesregierung spricht von einer Generationenaufgabe.

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Welche Baumarten sind am häufigsten?

Trotz des großen Fichtensterbens: Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche wachsen Nadelbäume, wobei Fichte (25 Prozent) und Kiefer (23 Prozent) immer noch am häufigsten sind. Laubbäume gibt es auf 45 Prozent der Waldfläche. Meist sind es Buchen (16 Prozent) und Eichen (10 Prozent). Mischwälder prägen heute mit 76 Prozent Flächenanteil den deutschen Wald. In den letzten Jahren ist der Laubwaldanteil durch den Waldumbau weiter gestiegen.

Welche Baumarten werden bei der Wiederaufforstung gepflanzt?

Naturnahe, artenreiche Mischwälder, mit standortgerechten, überwiegend heimischen Baumarten kommen besser mit den klimatischen Veränderungen zurecht. Hitzeresistentere Arten wie Speierling oder Elsbeere geraten dabei mehr in den Blick. Um dem Klimawandel zu trotzen, werden auch ursprünglich nicht heimische Baumarten gepflanzt. Dabei spielt die Douglasie eine große Rolle. Auch Robinie, Japanlärche oder Roteiche sollen dabei helfen, den Wald resistenter für Hitze und Dürre zu machen.

Wem gehören die Wälder in Deutschland?

Knapp die Hälfte der Wälder in Deutschland (48 Prozent) ist in Privatbesitz. 19 Prozent gehört den Kommunen. Die übrigen Wälder gehören den Ländern (29 Prozent) und dem Bund (4 Prozent).

Der Reinhardswald in Hessen. Prozentual zur Landesfläche besitzen Hessen und Rheinland-Pfalz am meisten Wald.

Foto von Gerd Ludwig

Wie hilft der Wald beim Klimaschutz?

Der Wald ist ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. In Holz und Böden sind aktuell 2,6 Mrd. Tonnen Kohlenstoff gebunden. Zusätzlich entzieht der Wald der Atmosphäre durch das Wachstum der Bäume klimaschädliches CO2.

Kann der Wald das Wasser und die Luft reinigen?

Der Wald spielt eine besondere Rolle in den lokalen Wasserkreisläufen: Wie kaum ein anderes Ökosystem kann er Niederschlagswasser speichern und reinigen. Außerdem sind Wälder natürliche Klimaanlagen und Luftfilter. Der Kühleffekt spielt in Zeiten der Klimaerwärmung eine immer wichtigere Rolle. Außerdem filtert der Wald Gase, Staub und Ruß aus der Luft.  

Quellen: Waldbericht der Bundesregierung, Stadt Freiburg im Breisgau, Tourismus Hörnerdörfer , Gemeinde Raesfeld, Gemeinde Schenklengsfeld

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