Tiere

Hunde wissen, was wir fühlen

Eine wissenschaftliche Studie bestätigt, was viele Hundebesitzer schon lange geahnt haben.Donnerstag, 22. März 2018

Von Kimberly DeDecker
Ein Studioporträt eines Corgis namens Rusty.

Habt ihr manchmal den Eindruck, dass euer Hund spürt, wie es euch geht? Da liegt ihr wohl gar nicht so falsch.

Vor Kurzem haben Hunde in Experimenten Anzeichen dafür gezeigt, dass sie anhand von Gesichtsausdrücken und Lautäußerungen erkennen können, ob ein Mensch oder ein anderer Hund fröhlich oder wütend ist.

Die entsprechende Studie erschien in „Biology Letters“ und zielte darauf ab, die emotionale Verbindung zwischen dem Menschen und seinem besten Freund zu ergründen.

„Wir wussten immer noch nicht, ob Hunde [...] irgendwie begreifen, dass beispielsweise ein fröhlicher Gesichtsausdruck positiv und ein negativer Gesichtsausdruck negativ ist“, sagt die Studienleiterin Natalia de Souza Albuquerque. Sie ist eine Doktorandin im Bereich der experimentellen Psychologie an der Universität von São Paulo in Brasilien.

Für ihre Forschung rekrutierten Albuquerque und ihr Team 17 Haushunde aus der Gegend um Lincoln im Vereinigten Königreich und ließen die Tiere im Labor zwei Experimente durchlaufen.

HUNDETESTS

Beim ersten Versuch wurde jeder Hund vor zwei Bildschirmen platziert, auf denen dann ein Bild eines Hundes oder Menschen mit einem fröhlichen oder wütenden Gesichtsausdruck erschien. Die Bilder wurden mit einer Reihe an Geräuschen kombiniert: bei Hunden mit einem spielerischen oder aggressiven Bellen und bei Menschen mit einem Satz in einer unbekannten Sprache (in dem Fall brasilianisches Portugiesisch) in einem fröhlichen oder wütenden Tonfall.

Wenn das Bild und der Klang zueinander passten – zum Beispiel ein fröhlich dreinschauender Hund und ein verspieltes Bellen –, blickten die Hunde länger auf die Bildschirme als in jenen Fällen, in denen Bilder und Klänge nicht zusammenpassten.

Ihre erhöhte Aufmerksamkeit ist ein Hinweis darauf, dass die Hunde die Emotionen erkannten.

Wenn die Hunde aber einen neutralen Klang hörten, verloren sie das Interesse und sahen sich im Raum um, anstatt auf den Bildschirm zu blicken – ein Hinweis darauf, dass die Hunde den Mangel an Emotion korrekt erkannt hatten.

CLEVERE VIERBEINER

Laut Albuquerque ist die Fähigkeit der Hunde, eine emotionale Verbindung zu Menschen herzustellen, weder instinktiv noch angeboren, sondern ein Zeichen ihrer geistigen Fähigkeiten.

„Die Hunde mussten die Information aus dem Klang gewinnen und sie dann mit dem Bild assoziieren. Daran sind sehr komplexe psychologische Mechanismen beteiligt“, sagt sie.

Das Team entdeckte auch, dass Hunde die Emotionen ihrer Artgenossen besser erkennen können als die von Menschen.

„Das war ziemlich interessant“, so Albuquerque, „weil es Sinn macht, sich vorzustellen, dass Hunde diese Fähigkeit schon besitzen und sie nutzen und weiterentwickeln, um mit Menschen zu interagieren.“

Menschen und Hunde leben schon seit etwa 30.000 Jahren Seite an Seite. Im Laufe dieser Zeit scheinen die Tiere die Fähigkeit entwickelt zu haben, die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Besitzer erkennen zu können.

HUNDEBLICK

Als nächstes möchte Albuquerque die emotionalen Reaktionen der Hunde eingehender untersuchen und ergründen, wie sie ihr Verständnis von Gefühlen einsetzen, um mit Menschen zu interagieren.

Wissenschaftler haben beispielsweise schon untersucht, dass Hunde ihre Besitzer gut genug zu kennen scheinen, um sie manipulieren zu können.

Eine Studie vom Oktober 2017 hat gezeigt, dass Hunde zum Beispiel ihren „Hundeblick“ aufsetzen – sie ziehen die Innenseiten ihrer Augenbrauen hoch, damit ihre Augen größer und kindlicher wirken –, wenn sie Menschen in die Augen blicken.

„Sie sind sehr gut an die Welt der Menschen und an die menschliche Gefühlswelt angepasst“, sagt sie.

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