Tiere

Hören Katzen genauso auf ihre Namen wie Hunde?

Ein Forschungsprojekt in Japans Katzencafés zeigt, dass unsere Hauskatzen mehr an uns angepasst sind, als wir dachten. Friday, April 5, 2019

Von Carrie Arnold
Katzen bringen ihren Namen mit Belohnung in Form von Futter oder Streicheleinheiten in Verbindung.

Katzen haben erstaunliche Fähigkeiten: Sie können Mäuse fangen, verstehen, was das Geräusch des Dosenöffners bedeutet und haben schon längst das Internet erobert.

Doch eine Frage wird Katzenexpertin Atsuko Saito immer wieder gestellt. Erkennen Katzen ihren eigenen Namen ebenso gut wie Hunde?

Im Wissenschaftsmagazin Science Reports stellt die Psychologin der Tokioter Sophia University ihre Ergebnisse vor. Diese belegen, dass Katzen sehr wohl ihren Namen kennen – und das sogar, wenn sie von Fremden gerufen werden.

Katzen sind Saitos Lieblingstiere und nachdem sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit die kognitiven Fähigkeiten von Primaten studierte, legte sie anschließend den Fokus ihrer Forschungen auf die oft missverstandenen Haustiere.

„Ich liebe Katzen. Sie sind so niedlich und so egoistisch. Wenn sie gestreichelt werden wollen, kommen sie zu mir und wenn sie in Ruhe gelassen werden wollen, gehen sie einfach“, meint sie lachend.

Sie führte Experimente durch, die zeigten, dass Katzen menschliche Gesten interpretieren können, um verstecktes Futter zu finden und sie erkennen die Stimme ihres Besitzers. Außerdem betteln sie Personen, die sie ansehen und mit ihrem Namen ansprechen um Futter an. All das lässt darauf schließen, dass Katzen ihren eigenen Namen kennen.

Der Name ist entscheidend

Saito und ihre Kollegen testeten diese Hypothese, indem sie insgesamt 78 Hauskatzen und Tiere, die in Japan in Katzencafés leben, beobachteten.

In den Wohnungen, Häusern und Cafés baten die Forscher sowohl Besitzer als auch fremde Personen darum, die Katze bei ihrem Namen zu rufen. Sie zeichneten das Verhalten der Tiere mithilfe von Videokameras auf und achteten dabei insbesondere auf Anzeichen des Erkennens wie Ohr- und Kopfbewegungen und Schlagen mit dem Schwanz.

Mit vier unterschiedlichen Experimenten konnte das Team belegen, dass Katzen signifikant auf ihren eigenen Namen reagierten – selbst nachdem sie zuvor ähnlich klingende Wörter oder die Namen anderer Katzen hörten, die mit ihnen in Wohnung oder Katzencafé lebten.

Die Katzen zeigten nicht nur Interesse, wenn ihr Besitzer sie beim Namen rief, sondern auch bei völlig fremden Personen.

Es ist möglich, dass die Katzen den Klang ihres Namens mit Belohnung wie Futter oder Streicheleinheiten assoziieren, erklärt Saito.

„Das war eine exzellente Studie“, meint Jennifer Vonk, eine Erkenntnispsychologin an der Oakland University in Michigan, die nicht an der Studie beteiligt war.

Vonk hat bereits selbst ähnliche Experimente im privaten Rahmen mit ihren eigenen Katzen durchgeführt. Dabei benannte ihr Ehemann die Tiere mit etlichen Kosenamen in Babysprache, um zu sehen, ob sie darauf reagierten. Für gewöhnlich taten sie das nicht.

Hunde im Vorteil

Die Katzen reagierten zwar nicht so enthusiastisch auf ihren Namen wie Hund, doch Saito gibt zu bedenken, dass Hunde im wahrsten Sinne des Wortes dazu geboren wurden, um auf ihren Namen zu hören.

Jahrhundertelang züchteten die Menschen Hunde zu einem folgsamen, zugänglichen Partner. Katzen dagegen haben sich mehr oder weniger selbst domestiziert, da Wildkatzen den Mäusen und Ratten in bäuerliche Siedlungen folgten. Und nicht nur das: Hunde haben einen Vorsprung von rund 20.000 Jahren.

Eines der ersten Dinge, die ein Hund in der Hundeschule lernt, ist die Reaktion auf seinen Namen, was die Arbeit mit ihm und seine Sozialisierung sehr erleichtert.

„Wir gehen mit unseren Hunden spazieren und stellen sie anderen Leuten vor. Und man kann Hunde leicht mit Leckerlis und anderen Belohnungen trainieren“, sagte Vonk.

„Bringt man Katzen in eine Laborumgebung, werden sie starr vor Schreck.“

Evolution vor unseren Augen

Saito ist der Meinung, dass sich Hauskatzen immer noch stetig weiterentwickeln und das ist uns zu verdanken.

Bis vor einem oder zwei Jahrzehnten verbrachten Katzen noch einen Großteil ihrer Zeit im Freien und kamen nur nachts oder bei schlechtem Wetter ins Haus.

Da nun mehr und mehr Katzen ihr Leben drinnen verbringen und damit auch in größerer Nähe zu Menschen, wird sich ihre Fähigkeit, uns zu lesen und auf uns zu reagieren wohl noch steigern.

„Soziale Evolution ist ein fortlaufender Prozess“, meint Saito abschließend.

 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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