Tiere

Karpfen bricht Altersrekord

Als das Büffelfischweibchen geboren wurde, war noch nicht einmal der Erste Weltkrieg ausgebrochen.Montag, 5. August 2019

Von Sean Landsman
Dieser Großmäulige Büffelfisch (Ictiobus cyprinellus) wurde im Gavins Point National Fish Hatchery and Aquarium in South Dakota fotografiert. Mithilfe der Radiokarbonmethode konnten Forscher bestätigen, dass es sich bei dieser Art um den bislang langlebigsten bestätigten Süßwasserfisch der Welt handelt.

Ein großer Fisch, der in Nordamerika heimisch ist, hat es auf die Liste jener Tiere geschafft, die mehr als 100 Jahre alt werden können und damit die meisten Menschen überleben.

Eine aktuelle Studie im Fachmagazin „Communications Biology“, die sich der Radiokarbonmethode bediente, beschreibt einen Großmäuligen Büffelfisch (Ictiobus cyprinellus), der sagenhafte 112 Jahre alt wurde. Damit übertraf das Tier den bisherigen Altersrekord der Art – 26 Jahre – um mehr als ein Vierfaches.

Das macht den Großmäuligen Büffelfisch, der bis zu 36 Kilogramm schwer werden kann, zum bislang ältesten bestätigten Süßwasserknochenfisch – eine Gruppe, die ungefähr 12.000 Arten umfasst.

 „Ein Fisch, der älter als 100 Jahre wird? Das ist eine große Sache“, sagte Solomon David, ein Professor der Nicholls State University in Louisiana, der nicht an der Studie beteiligt war.

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In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler dank verbesserter Technologien immer mehr Fischarten entdecken, die länger leben, als man zunächst dachte. Ein gutes Beispiel dafür ist der Grönlandhai, der älter als 270 Jahre werden kann. Obwohl die Lebenserwartung zu den grundlegenden Faktoren der Fischbiologie zählt, wissen wir häufig nur wenig über sie.

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Altersbestimmung mit Isotopen

Schon bevor die Autoren der Studie das Alter eines einzigen Fisches bestimmt hatten, vermuteten sie, dass die in Nordamerika heimische Art deutlich länger lebt als angenommen.

Für ihre Analyse nutzten die Forscher dünne Scheiben der Otolithen oder Ohrsteine – winzige Kalkkörnchen, die Teil des Gleichgewichtsorganes der Fische sind – von 386 wilden Großmäuligen Büffelfischen, die größtenteils von Bogenfischern gefangen wurden. Unter dem Mikroskop zählten die Forscher dann die Wachstumsringe der Otolithenscheiben. Nach ihrer ersten Zählung gelangten sie zu der Einschätzung, dass einige Fische älter als 80 oder 90 Jahre waren.

Als der Studienleiter Alec Lackmann diese Zahlen sah, war seine erste Reaktion: „Das kann gar nicht sein!“

Um diese außergewöhnlichen Schätzungen zu bestätigen, griffen Lackmann von der North Dakota State University und seine Kollegen auf den sogenannten Kernwaffeneffekt zurück. Bei der Radiokarbonmethode wird dieser Effekt genutzt, um die Menge der 14C-Isotope im Gewebe mit der atmosphärischen 14C-Konzentration Mitte des 20. Jahrhunderts zu vergleichen, die im Zuge der Atombombentests angestiegen war. Mit dieser erprobten Methode wurden bereits zahlreiche Gewebeproben von Menschen bis hin zu Haien erfolgreich datiert.

Fischsenioren überwiegen

Als sie die Ergebnisse aus ihrer Ringzählung mit der Radiokarbonmethode verglichen, stellten sie eine Übereinstimmung fest. Damit war eine Lebenserwartung von 80-90 Jahren für die Fische bestätigt.

Insgesamt waren fünf der Gefangenen Büffelfische älter als 100 Jahre. Der neue Rekordhalter ist ein knapp zehn Kilogramm schweres Weibchen, das in Minnesota gefangen wurde. „Tatsächlich zählte sie sogar zu den kleinsten ausgewachsenen Exemplaren“, wie Lackmann anmerkt.

Die ersten 16 Fische, die Lackmann untersucht hat, waren alle älter als 80 Jahre. Dieser Umstand unterstreicht eine weitere überraschende Erkenntnis der Studie: Viele der Fische wurden vor 1939 geboren, was auf jahrzehntelange Probleme bei der Fortpflanzung hindeutet. Der Grund dafür ist wahrscheinlich der Bau eines Damms, der die Wanderung der Fische stromaufwärts zu ihren Laichgründen behindert oder vollständig blockiert.

In ihren heimischen Gewässern erfüllen die Büffelfische einen wichtigen Zweck, indem sie invasive Arten wie Karpfen verdrängen und so zur Gesundheit der Flussökosysteme beitragen.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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