Warum sehen Hunde gerne fern?

Wie gern und aufmerksam Hunde fernsehen, hängt auch von ihrer Rasse und Persönlichkeit ab.Donnerstag, 21. November 2019

Eine Frage, die schon viele Hundehalter umgetrieben hat, beschäftigte auch die National Geographic-Fotoredakteurin Mallory Benedict: Warum sehen Hunde fern? In diesem Fall ging es um den Pudel ihrer Schwester, der von den bewegten Bildern auf dem Fernseher völlig gefesselt scheint.

„Er flippt total aus, wenn irgendein Tier im TV zu sehen ist. Wie kann er die Tiere im Fernsehen überhaupt erkennen und warum reagiert er darauf so stark?“

Haushunde nehmen Bilder im Fernsehen auf ähnliche Weise wahr wie wir und sind intelligent genug, um Tiere dort zu erkennen – selbst solche, die sie noch nie gesehen haben. Genauso erkennen sie Hundegeräusche aus dem Fernseher, beispielweise Bellen und Knurren.

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Eine Studie, die 2013 in „Animal Cognition“ veröffentlicht wurde, zeigte, dass Hunde Bilder von Artgenossen von Bildern von Menschen unterscheiden können.

Allerdings gibt es einige Unterschiede zwischen unserer Wahrnehmung und der unseres besten Freundes. Hundeaugen können Bilder schneller verarbeiten als menschliche Augen. Auf älteren Fernsehern, die noch weniger Bilder pro Sekunde zeigten als moderne TVs, würden die Szenen für Hunde flackern wie ein „Film aus den Zwanzigern“, erklärte Nicholas Dodman. Der tierärztliche Verhaltensforscher arbeitet an der Tufts University in Massachusetts.

Hunde sehen außerdem dichromatisch und nehmen nur das Spektrum der Primärfarben Gelb und Blau wahr. Menschen sehen hingegen trichromatisch und können das gesamte Farbspektrum wahrnehmen, wie eine Website der Binghamton University erklärt.

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Genau wie menschliche Babys nutzen auch Hunde nonverbale Kommunikation, um zu bekommen, was sie wollen.

DogTV, ein HD-Sender speziell für Hunde, hat beispielsweise viel mehr Frames pro Sekunde und wurde farblich auf die dichromatische Sicht der Hunde angepasst, sagte Dodman, der Chefwissenschaftler des Senders.

DogTV hat ein Entspannungsprogramm, das beispielsweise Hunde auf einer grünen Wiese zeigt; ein Programm zur Stimulation, das Hunde beim Surfen in Kalifornien zeigt; und ein Programm, das Situationen zeigt, an die sich Hunde langsam gewöhnen können, beispielsweise eine läutende Türklingel.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Jenseits ihrer biologischen Voraussetzungen hängt die Reaktion eines Hundes auf einen Fernseher – läuft er aufgeregt umher, bellt er oder ignoriert er ihn einfach? – auch von seiner Rasse oder Persönlichkeit ab.

„Unterschiedliche Hunde haben unterschiedliche Persönlichkeiten“, so Dodman. „Manche sind territorial, andere nicht; manche mögen Menschen, andere hassen sie; manche sind richtige Raubtiere, manche nicht; manche sind aufdringlich, andere schüchtern.“

Gerade ein Bellen aus dem Fernseher kann einige Hunde in Aufregung versetzen (wie man in diesem YouTube-Video eines Deutschen Schäferhundes sieht, der einen anderen Hund im Fernsehen anbellt).

Manche Hunde bellen aber nicht nur Tiere im Fernseher an, sondern versuchen auch, hinter das Gerät zu gucken, um die Tiere zu finden.

Andere „sind schon desensibilisiert. Wenn sie einen anderen Hund [im Fernseher] sehen, denken die sich: Ach, die hängen nur im TV rum und kommen nie raus“, sagte Dodman.

Auch die Rasse eines Hundes kann dessen Reaktion auf den Fernseher beeinflussen. Schweißhunde, die stärker auf ihren Geruchssinn fokussiert sind, interessieren sich nicht so sehr für visuelle Eindrücke. Hütehunde werden hingegen durch kleine, sich bewegende Objekte auf dem Bildschirm eher stimuliert.

Lieber Tierdokus als Nachrichten

Viele Halter lassen das Radio oder den Fernseher laufen, wenn sie die Wohnung verlassen, damit der Hund etwas Gesellschaft hat. Und sie hoffen, dass die Geräusche für den Hund angenehmer sind als Stille, so Dodman.

Tiersender sind dabei Nachrichtenprogrammen vorzuziehen, aber genau wie viele Menschen „schauen“ Tiere sowieso nur nebenbei fern.

„Sie orientieren sich an Dingen, die sie gerade spannend finden, sehen sich das ein paar Minuten an […] und schauen dann wieder weg“, erklärte Dodman. Trotzdem sei das „immer noch besser, als den ganzen Tag Däumchen zu drehen, während die Besitzer nicht da sind.“

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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