Pro und Contra: Sollte man Vögel im Winter füttern?

Wenn es kalt wird in Deutschland, wird eine Frage unter Naturfreunden besonders heiß diskutiert. Brauchen Gartenvögel im Winter zusätzliches Futter? Die wichtigsten Argumente im Überblick

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 28. Nov. 2023, 09:18 MEZ
Drei Stieglitze am schneeumwehten Futterhaus

Stieglitze am Futterhaus

Foto von Adobe Stock

Fast 160 Millionen Euro geben die Menschen in Deutschland für Wildvogelfutter aus. Das hat der Industrieverband Heimtierbedarf errechnet. Die Fütterung sorgt dafür, dass mehr Vögel den Winter überleben. Allerdings werfen Fachleute die Frage auf, wie hilfreich diese Art der Unterstützung ist.

„Tatsächlich sollten sich Vogelfreunde darüber im Klaren sein, dass Winterfütterung und Naturschutz zwei Paar Schuhe sind“, sagt Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Laut Nabu kommen grundsätzlich nur wenige Arten ans Futterhaus. Dabei handele es sich meist um ohnehin häufige Vögel wie etwa Amseln, Haussperlinge, Meisen oder Rotkehlchen. Und die seien von der Natur so ausgestattet wurden, dass ihre Bestände auch durch kalte Winter nicht dauerhaft reduziert werden.

Der Nabu empfiehlt die Vogelfütterung zwar „als einmalige Möglichkeit für Naturerlebnis und Umweltbildung.“ Man sollte sie aber nicht mit dem gezielten Schutz bedrohter Vogelarten, etwa durch den Erhalt wertvoller Biotope, verwechseln. Auch die Forschung sieht das Thema zwiespältig.

Galerie: Das sind Deutschlands häufigste Wintervögel

Wie sinnvoll sind Vogelhäuschen und Meisenknödel?

Eine britische Untersuchung kommt beispielsweise zu dem Schluss, dass Vogelfütterung die Artenvielfalt in der Stadt erhöhen kann. Das auf der Insel überaus beliebte Füttern helfe nicht nur einigen wenigen Vögeln. Mehr als der Hälfte aller dort heimischen Vogelarten würden profitieren.

Eine andere Studie, ebenfalls aus Großbritannien, bezweifelt dagegen, dass sich die Bestände durch die Zufütterung positiv verändern. Im Gegenteil: Schwache Tiere würden durch den Winter geschleppt, könnten ihren Nachwuchs dann aber später aus eigener Kraft gar nicht ernähren. 

Die Studienlage ist kompliziert. Kein Wunder, dass das Thema kontrovers diskutiert wird. Was also bringen Meisenknödel, Sonnenblumenkerne und Co. überhaupt?

Vogelstimmen-Rätsel: Wer singt denn da?

Fünf Argumente für die Vogelfütterung im Winter

  • Kein Vogel sollte den Hungertod im Winter erleiden. 
  • Der natürliche Lebensraum wird immer knapper. Deshalb profitiert jede Wildtierart von menschlicher Unterstützung. 
  • Auch sogenannte Allerweltarten wie Amsel oder Haussperling sind vielerorts von Bestandsrückgängen betroffen. Die Winterfütterung kann ihnen helfen.
  • Das Erlebnis im eigenen Garten weckt das Interesse an der Natur. Viele Menschen, gerade auch Kinder und Jugendliche, lassen sich so für den Artenschutz begeistern. 
  • Richtig betrieben ist die Winterfütterung also Hilfe und Naturerlebnis zugleich.

Fünf Argumente gegen die Winterfütterung

  • Die Vogelfütterung in Siedlungen kommt nur etwa 10 bis 15 Arten zugute. Dazu gehören Amsel, Haussperling, Meisen, Finken oder Rotkehlchen – alles Arten, die ohnehin häufig sind. Man sollte die Natur sich selbst überlassen.
  • Durch falsche Fütterung können sich Krankheiten an Vogelhäusern ausbreiten, an denen bestimmte Arten massenhaft zugrunde gehen. Ein Beispiel ist das Grünfinksterben
  • Wenn überhaupt leitet die Winterfütterung also nur einen geringen Beitrag zum Artenschutz.
  • Die Vogelfütterung lenkt nur von der eigentlichen Herausforderung ab, naturnahe Lebensräume zu schaffen. 
  • Das Geld für Futter wäre also besser in gezielten Umweltschmutzprojekten aufgehoben.

Mehr Wildnis im Garten

Übrigens: Schon mit einfachen Mitteln lässt sich der heimische Garten in ein schützendes und nahrhaftes Winterquartier für Vögel und andere Tiere verwandeln. Hier gibt es Tipps für naturnahes Gärtnern und nahrhafte Futterstellen.

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