Extremtemperaturen: Wie viel Hitze überlebt der Mensch?

Jährlich sterben tausende Menschen in Deutschland an Überhitzung. Unter bestimmten Wetterbedingungen drohen schon bei Lufttemperaturen knapp über 30 Grad ernsthafte Probleme. Ab welchen Werten wird es tödlich?

Von Jens Voss
Veröffentlicht am 29. Nov. 2023, 14:10 MEZ
Eine Frau gießt sich an einem extremen Hitzetag zur Abkühlung Wasser aus einer Trinkflasche über den ...

Abkühlung: Steigt die Körpertemperatur auf über 40 Grad, wird es gefährlich.

Foto von Adobe Stock

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die extreme Hitze des Klimawandels. Eine Studie hat herausgefunden: Schon heute ist ein Drittel der Menschheit jedes Jahr für 20 Tage oder länger potenziell tödlicher Hitze ausgesetzt. Bis 2100 könnten 75 Prozent der Menschheit von solchen Hitzewellen betroffen sein. 

Der Hitzesommer 2022 ließ bereits erahnen, was künftig auf uns zukommen könnte. Weit über 60.000 Hitzetote gab es einer Untersuchung zufolge in Europa. Deutschland hatte mit 8.173 Toten die drittmeisten Hitzeopfer zu beklagen, nach Italien (18.010) und Spanien (11.324). 

Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge werden die Temperaturen in Deutschland künftig weiter steigen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Sie sind oft in ihrer Mobilität eingeschränkt, nehmen gefährliche Hitze nicht immer wahr und empfinden weniger Durst. 

Wie viel Hitze kann ein Mensch aushalten?

Wie geht der menschliche Körper mit solchen Hitzeextremen um? Ab welchen Temperaturen wird es lebensbedrohlich? Die normale Körpertemperatur liegt bei einem Erwachsenen etwa zwischen 36 und 37 Grad Celsius. Auf der Haut sind es 33 bis 34 Grad. Als gleichwarmes Lebewesen erzeugt der Mensch seine eigene Wärme durch Stoffwechselaktivität. Um die Körpertemperatur zu stabilisieren, müssen wir dabei eigene Wärme abgeben können. Andernfalls würde die Temperatur immer weiter steigen. 

Körpertemperaturen über 40 Grad können den Organismus stark belasten. Ab 42 Grad droht akute Lebensgefahr, weil körpereigene Eiweiße zerstört werden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Betriebstemperatur regulieren können. Der Körper führt überschüssige Wärme unter anderem durch Verdunstung von Wasser ab – also durchs Schwitzen. Die Hautoberfläche liefert beim Verdampfen der Flüssigkeit die nötige Wärmeenergie. Dabei entsteht Verdunstungskälte.

Damit der Schweiß auf der Haut verdunsten kann, muss die Umgebungsluft aber genügend Kapazitäten haben, um diese Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Dazu muss sie möglichst trocken sein. Wer schon mal in der Sauna war, kennt den Effekt: Weil die Luft dort extrem trocken ist, lässt sich die enorme Hitze dank ausgiebigem Schwitzen zumindest eine gewisse Zeitspanne lang ertragen. 

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Die gefühlte Temperatur entscheidet

Temperaturen können also je nach Luftfeuchte, Wind und Sonnenstrahlung unterschiedlich wahrgenommen werden. Fachleute sprechen hierbei von gefühlter Temperatur. Von ihr hängt auch unser persönliches Wohlbefinden ab. 

Je feuchter die Luft, desto geringer der Kühleffekt durchs Schwitzen. Bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit beispielsweise kann kein Wasserdampf mehr in die Luft gelangen. Der Schweiß verdunstet nicht mehr, der Kühleffekt bleibt aus. Die Körpertemperatur lässt sich dann auf diese Weise nicht mehr regulieren. Steigt sie unkontrolliert an, drohen echte Probleme.

Schon ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad spricht der DWD vor einer starken Wärmebelastung, ab einem Wert von 38 Grad warnt er vor extremer Belastung. Tatsächlich liegt die gemessene Lufttemperatur oft deutlich darunter – zum Beispiel bei starker Schwüle oder Windstille.

Hitzeschlag: Tödlicher Wärmestau im Körper

Eine US-amerikanische Studie mit jungen, gesunden Teilnehmenden kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Demzufolge sind bereits Temperaturen von 31 Grad kritisch, sofern die Luftfeuchte bei 100 Prozent liegt. Bei 60 Prozent Luftfeuchtigkeit sind es 38 Grad. Schon dann steige die Körpertemperatur, weil der Organismus keine Wärme mehr loswerden könne. Alltägliche Aktivitäten wie Spaziergänge oder Kochen seien dann kaum noch möglich. 

Bei einer Körpertemperatur von über 40 Grad setzt das körpereigene Temperatur-Regulationssystem aus – und damit auch die Schweißproduktion. Es entsteht ein gefährlicher Wärmestau im Körper. Mögliche Folge nach wenigen Stunden: Hitzeschlag und andere Gesundheitsschäden. Dabei kann es zu Ohnmacht, einem epileptischen Anfall oder einem Schock kommen – und im schlimmsten Fall zum Hitzetod.

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