Geschichte und Kultur

Tutanchamuns Grab hat keine versteckten Kammern

Die dritte Radaranalyse des Grabs des berühmten Pharao zeigte eindeutig, dass sich hinter seinen Wänden keine geheimen Kammern oder Gänge verbergen. Montag, 7 Mai

Von Kristin Romey

Die dritten Radarscans des Grabs von Tutanchamun konnten klären, dass sich keine zusätzlichen Kammern oder Gänge hinter den Wänden der Grabkammer des berühmten Pharao im Tal der Könige befinden, wie ägyptische Behörden im Mai mitteilten.

Eine entsprechende Mitteilung wurde auf einer internationalen Tutanchamun-Konferenz im Großen Ägyptischen Museum in Gizeh im Namen von Mostafa Waziri verlesen, dem Generalsekretär der obersten Denkmalpflegebehörde Ägyptens.

Die Ankündigung war ein etwas enttäuschender Abschluss einer Untersuchung, die vor drei Jahren begann, als der von National Geographic geförderte Ägyptologe Nicholas Reeves die Theorie aufstellte, hinter der Wand des 3.300 Jahren alten Grabs von Tutanchamun könnte sich das Grab der legendären Königin Nofretete aus der 18. Dynastie verbergen.

Zwei erste Suchen nach versteckten Kammern oder Gängen mithilfe von Bodenradar lieferten keine eindeutigen Ergebnisse.

Die dritte Radaruntersuchung wurde Anfang des Jahres mit Unterstützung der National Geogaphic Society unter der Leitung von Franco Porcelli der Polytechnischen Universität von Turin durchgeführt.

Die Ergebnisse wurden Waziri und Khaled El Enany, dem Minister für Altertümer, am vergangenen Samstag in Form eines wissenschaftlichen Berichtes vorgelegt, der mit folgenden Worten endet: „Wir kommen mit großer Sicherheit zu dem Schluss, dass die Hypothese bezüglich der Existenz versteckter Kammern neben Tutanchamuns Grab von den Bodenradardaten nicht gestützt wird.“

ENTHÜLLUNG DES UNSICHTBAREN

Bodenradartechnologien, die auf der Suche nach Öl-, Gas- und Mineralvorkommen oder zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, gewinnen auch für Archäologe eine zunehmend große Bedeutung. Mithilfe der elektromagnetischen Wellen lassen sich künstliche Hohlräume – beispielsweise Gräber und Gänge – im Erdreich entdecken, ohne die alten Stätten unnötig zu stören.

2015 führte der Radarspezialist Hirokatsu Watanabe einen Bodenradarscan von Tutanchamuns Grab durch und verkündete das verblüffende Ergebnis: Er hatte Anzeichen für versteckte Durchgänge an der nördlichen und der westlichen Wand der Grabkammer entdeckt.

Bei einem zweiten Radarscan des Grabs von Ingenieuren der National Geographic Society im Jahr 2016 konnten Watanabes Ergebnisse aber nicht repliziert werden.

Nach einer hitzigen Diskussion über die Diskrepanz der beiden Resultate der Scans gab El Enany eine umfassende dritte Analyse in Auftrag, die den Sachverhalt endgültig klären sollte.

DOPPELT ABGESICHERT

Der Bericht, der den ägyptischen Behörden im Mai vorgelegt wurde, enthielt die Ergebnisse von drei neuen Bodenradarscans. Sie alle wurden im Februar 2018 von drei eigenständigen Teams durchgeführt, die jeweils eine eigene Frequenz benutzten: hoch, mittel und niedrig. Hochfrequente Radarwellen lieferten detaillierte Ergebnisse, drangen aber nur bis zu einer Tiefe von ungefähr 2,10 Meter in den Boden vor. Niedrigere Frequenzen reichten tiefer, lieferten aber ungenauere Ergebnisse.

Die Forschungsteams – von der Polytechnischen Universität von Turin in Italien in Zusammenarbeit mit der Universität von Turin sowie von zwei privaten Unternehmen, Geostudi Aster und 3DGeoimagining – arbeiteten sieben Tage lang an den Scans und sammelten eine Datenmenge, die dem Scan von etwa 2,5 Oberflächenkilometern entsprach.

Nachdem die Experten ihre Radardaten jeweils unabhängig voneinander interpretiert hatten, setzten sie sich zusammen, um ihre Ergebnisse miteinander zu vergleichen.

„Der Befund sieht so aus, dass es in bis zu vier Metern Tiefe keine Anzeichen für Türen oder Hohlräume jenseits der Grabkammer gibt“, erzählte Porcelli National Geographic.

„Das ist enttäuschend, aber das ist das Ergebnis.“

„Unserer Ansicht nach ist das eindeutig“, fügte er hinzu.

„GEISTERSIGNALE“

Porcelli hatte auch eine Vermutung, woher die vorherigen Radaranomalien aus der Grabkammer des Pharao stammen könnten, die zu Spekulationen über Nofretetes Grab geführt hatten: Er hat „Geistersignale“ im Verdacht – fehlgeleitete Reflexionen von Radarwellen, die aus der Grabkammer selbst stammen, aber den Eindruck erweckten, sie würden einem Raum jenseits der Wände entspringen.

Im Normalfall sendet eine Bodenradarantenne die Radarwellen direkt durch eine Wand. Die Wellen werden dann sofort reflektiert und liefern ein sehr deutliches Signal.

Es scheint aber so, als hätten die Radarwellen an einigen Stellen in Tutanchamuns Grab die Wand nicht durchdrungen, sondern wanderten an der Wandoberfläche entlang, bevor sie zu ihrer Quelle zurückkehrten.

Die Forscher vermuten, dass die kunstvoll bemalte Verputzung auf den Kalksteinwänden Eigenschaften haben könnte, die es ihr ermöglichen, Elektrizität zu leiten.

„Auch das Gestein selbst könnte Eigenschaften haben, die dieses Phänomen verursachen“, erklärte Porcelli.

Die Wissenschaftler haben zudem die Vermutung, dass zusätzliche Geistersignale von Tutanchamuns gewaltigem Quarzitsarkophag stammen könnten, der einen Großteil der zentralen Grabkammer einnimmt.

DIE ZUKUNFT DER ARCHÄOLOGIE

Auch wenn die Ergebnisse der Radarscans die ursprüngliche Theorie über das versteckte Grab Nofretetes nicht bestätigen konnten, ist Porcelli zuversichtlich, dass das Projekt demonstriert hat, wie Bodenradartechnologien schlüssige Antworten liefern können. Das ist gerade deshalb wichtig, weil viele Mitglieder der archäologischen Forschergemeinde Ägyptens die Technik noch immer skeptisch betrachten – trotz ihrer Erfolgsbilanz an diversen alten Stätten auf der ganzen Welt.

„Sie könnte effektiver als die traditionelle Archäologie sein, und weniger zerstörerisch“, sagte er.

Fredik Hiebert, ein Archäologe und National Geographic Explorer, stimmt dem zu:

„Das ist das erste beweiskräftige Bodenradarprojekt im Tal der Könige. Es hat die Technik erfolgreich erprobt und ist ein Machbarkeitsnachweis für die großartige Arbeit, die man in Ägypten durchführen kann.“

„Das Ergebnis mag enttäuschend sein, aber die wissenschaftliche Durchführung ist überragend.“

 

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