Die 5 schönsten Winterwege Deutschlands

Ob mit oder ohne Schnee: Diese Routen führen durch sagenhafte Wälder und tiefe Schluchten, bieten Ausblicke auf märchenhafte Schlösser oder eine Gelegenheit zum Eisbaden.

Von Insa Germerott
Veröffentlicht am 11. Jan. 2023, 09:14 MEZ
Sonnenaufgang am Feldberg im verschneiten Schwarzwald.

Eine der schönsten Winterwanderungen Deutschlands: die Route auf den Feldberg im Schwarzwald zum Sonnenaufgang.

Foto von Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Eiskalte Luft, klarer Himmel und gefrorene Landschaften – der Winter zeigt viele Orte Deutschlands in einem ganz neuen Licht. Von den dichten Wäldern des Schwarzwalds bis zur malerischen Märchenkulisse bei Dresden lässt sich Deutschland in der kalten Jahreszeit von einer anderen Seite entdecken. Besonders eindrucksvoll ist das Winterwandern durch verschneite Gebiete. Dazu braucht es nicht unbedingt eine spezielle Ausrüstung wie Schneeschuhe oder Ski: Viele Regionen verfügen über ausgeschriebene Wege, die im Winter planiert oder geräumt werden, sodass sich die Aktivität auch für Anfängerinnen und Anfänger oder Familien eignet. 

Der Deutsche Alpenverein rät bei einer Winterwanderung zur Wahl einer kürzeren Strecke, da sich die Wege durch den Schnee anstrengender gestalten als im Sommer. Touren-Stöcke seien bei Glätte von Vorteil und eine Stirnlampe könne bei anbrechender Dunkelheit an den kurzen Tagen helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. 

Da die kalte Jahreszeit allerdings nicht immer für mystisch verschneite Wälder und vereiste Gewässer sorgt, gibt es auch Routen, auf denen Wandernde ohne die weiße Pracht atemberaubende Ausblicke genießen oder historische Bauten entdecken können. 

Diese fünf Winterwege sorgen für abwechslungsreiche Erlebnisse – ob mit oder ohne Schnee.  

Harz: Auf dem Goetheweg den Brocken besteigen

Der Bohlensteg durchs Torfhausmoor im Winter.

Foto von GLC Glücksburg Consulting AG

Es heißt, Johann Wolfgang von Goethe habe die Strecke an nur einem einzigen verschneiten Tag mitten im Winter zurückgelegt: den 7,6 Kilometer langen Abschnitt von Torfhaus auf den 1.142 Meter hohen Brocken im Mittelgebirge Harz. Nach einer Erweiterung von Altenau nach Torfhaus im Sommer 2021 misst der Weg, der nach dem deutschen Dichter benannt wurde, heute insgesamt 16,3 Kilometer und zählt zu den schönsten Wanderwegen Deutschlands. 

Seit 1898 fährt die Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken – vor allem im Winter ein einmaliges Erlebnis.

Foto von Pexels / Tilgnerpictures

Vor allem im Winter zeigt sich Wandernden hier ein traumhafter Anblick: Vorbei am Seerosenteich und entlang des künstlich angelegten Dammgrabens führt die erste Etappe des Weges. Wer erst in Torfhaus beginnen möchte, dem liegt zunächst das Hochmoor zu Füßen. Auf einem Bohlensteg wandert man durchs bewaldete Moorgebiet, bevor man in den dunklen Fichtenwald eintaucht. Mit ein bisschen Glück kann man hier den Sperlingskauz, die kleinste in Mitteleuropa heimische Eulenart, in den Spitzen der Fichten sichten.

Spektakulär ist im weiteren Verlauf, sobald die Waldgrenze erreicht ist, der Weg entlang der Brockenbahn. Seit 1898 fahren hier alte Dampflokomotiven auf den Brocken und bieten, insbesondere wenn Schnee liegt, eine romantische Kulisse – nicht nur für Eisenbahnfans ein Highlight. Angekommen auf dem Gipfel, haben Wandernde bei klarer Sicht einen Blick über den gesamten Harz. Mit einer guten Grundkondition und der richtigen Kleidung ist der Weg auch im Winter für Einsteigerinnen und Einsteiger geeignet. 

Schloss Moritzburg: Auf den Spuren von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Märchenfans wird dieser Anblick vertraut sein: Schloss Moritzburg diente als Kulisse des Kultfilms Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Die malerische Landschaft und die Anlagen um das Schloss laden zu einem ausgedehnten Spaziergang ein.

Foto von www.schloesserland-sachsen.de / Sylvio Dittrich

In der Nähe von Dresden geht es zwar nicht hoch hinaus, dafür begeben sich Wandernde auf diesem Winterweg aber in die märchenhafte Welt des Kultfilms Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Die berühmten Szenen des königlichen Balls wurden auf dem Barockschloss in Moritzburg gedreht, das etwa 13 Kilometer nordwestlich der sächsischen Landeshauptstadt liegt. Ein 12,8 Kilometer langer Rundweg führt unter anderem an dem Schloss entlang, das besonders in den Abendstunden mit seiner Beleuchtung zum Blickfang wird. Im Winter gibt es auf Schloss Moritzburg sogar eine mehrwöchige Ausstellung zum Film. Wer sich einmal selbst wie im Märchen fühlen möchte, ist hier genau richtig.

Der Leuchtturm in Moritzburg ist einer der ältesten Binnenleuchttürme Deutschlands. Er befindet sich innerhalb der Außenanlagen des Fasanenschlösschens aus dem 18. Jahrhundert, das im Hintergrund zu sehen ist.

Foto von www.schloesserland-sachsen.de / Carlo Boettger

Auf der Route gibt es aber noch mehr zu entdecken: Durch eine idyllische Teichlandschaft gelangen Wandernde zum Fasanenschlösschen, das im Spätrokoko-Stil im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Nur ein paar Meter weiter befindet sich innerhalb seiner Außenanlagen am Niederen Großteich Bärnsdorfs auch noch einer der ältesten Binnenleuchttürme Deutschlands – und der einzige, den es in Sachsen gibt. 

Breitachklamm: Wege durch die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas

Blick auf den Zwingsteg der Breitachklamm. Die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas entstand in der Würmeiszeit vor 10.000 bis 15.000 Jahren.

Foto von Breitachklammverein eG / Dominik Berchthold

Ein Naturschauspiel der besonderen Art lässt sich in Tiefenbach bei Oberstdorf auf verschiedenen Routen verfolgen: In der Breitachklamm, der tiefsten Felsenschlucht Mitteleuropas, tost das Wasser des Flusses Breitach. An seinen Seiten türmen sich teilweise über hundert Meter hohe Felswände auf, mittendrin liegt der Wanderweg. Die Klamm – so wird die stärkste Form einer Schlucht genannt – entstand in der Würmeiszeit vor 10.000 bis 15.000 Jahren durch das extrem schnell stürzende Wasser, das Geröll und Gestein mit sich riss und sich dadurch wie ein Keil in den Boden fräste.

Eisvorhänge in der Breitachklamm im Winter.

Foto von Breitachklammverein eG / Dominik Berchthold

Die eindrucksvollen Gesteinsformationen und das sprudelnde Wasser können von Brücken und gesicherten Wegen aus beobachtet werden, die Route durch die Untere Klamm ist etwa zwei Kilometer lang. Wenn die Temperaturen es zulassen, verwandelt sich die Schlucht im Winter in eine fantastische Eiswelt. Von meterlangen Eiszapfen über regelrechte Eisvorhänge bis hin zu vereisten Wasserfällen bietet sich den Besuchenden ein atemberaubender, glitzernder Anblick. Ein einzigartiges Erlebnis im Winter sind außerdem die abendlichen Fackelwanderungen durch die Klamm, die bei passenden Witterungsverhältnissen stattfinden. Naturfotografinnen und -fotografen werden auf diesem Winterweg voll auf ihre Kosten kommen. 

Allgäu: Spazieren vor märchenhafter Kulisse am Alpsee

Blick auf den winterlichen Alpsee bei Füssen. Rechts im Bild: Schloss Hohenschwangau.

Foto von Adobe Stock / daliu

Ein paar Kilometer nordöstlich der Breitachklamm wartet auf Wandernde ein unvergleichliches Panorama: Die Tour um einen der schönsten deutschen Seen, den Alpsee bei Füssen, mit den Ammergauer Alpen im Hintergrund ist nicht nur an verschneiten und eiskalten Wintertagen ein Erlebnis. Der knapp vier Kilometer lange Rundweg eignet sich für Anfängerinnen und Anfänger und lädt mit seiner malerischen Aussicht auf zwei der bekanntesten Schlösser Deutschlands – Neuschwanstein und Hohenschwangau – zum Staunen und Verweilen ein.

Auf dem Alpsee-Rundweg können Wandernde auch Schloss Neuschwanstein bei Füssen im Allgäu sehen. Es ist eines der bekanntesten Schlösser Deutschlands.

Foto von Füssen Tourismus und Marketing / Anton Funzel

Die beste Aussicht auf den See können Wandernde vom 30 Meter über dem Wasser gelegenen Pindarplatz genießen, der vom Rundweg aus über einen Stichweg zu erreichen ist. Halten die kalten Temperaturen im Winter an und ist die Eisdecke dick genug, kann man auf dem Alpsee zum Abschluss der Tour Schlittschuhlaufen oder Eisstockschießen gehen. Aber auch ohne Schnee und Eis können Mutige am Alpsee im Winter Abenteuer erleben: zum Beispiel beim Eisbaden im kristallklaren Wasser. 

Schwarzwald: Schlitten-Wanderung mit Weitblick

Vom Feldberg im Schwarzwald aus können Wandernde bei klarer Sicht einen atemberaubenden Ausblick auf die Schweizer Alpen genießen.

Foto von Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Wer sich in den Wäldern Deutschlands auf eine Wintertour mit Ausblick begeben möchte, probiert es am besten im Schwarzwald. Rund 40 Kilometer südöstlich von Freiburg im Breisgau können Wandernde mit guter Grundkondition den Feldberg-Gipfel auf einer dreistündigen Route erklimmen. 234 Höhenmeter werden unterwegs überwunden, auf denen man – bei guten Witterungsverhältnissen – den Blick in die Ferne über den winterlichen Schwarzwald schweifen lassen kann.

Ein Vorteil der Route: Da sie relativ hoch gelegen ist, können sich Wandernde im Winter dort meistens über Schnee freuen. Es lohnt sich, auf der Wanderung einen Schlitten mitzunehmen, denn nach etwa einer guten Stunde wird auf 1.319 Metern die Rodelstrecke an der Todtnauer Hütte passiert. Eine gute halbe Stunde später verspricht das Ziel der Route, die St. Wilhelmer Hütte auf 1.423 Höhenmetern, bei klarem Wetter einen atemberaubenden Panoramablick bis zu den Schweizer Alpen – und eine Stärkung für den Rückweg. Besonders empfehlenswert sind aufgrund des einzigartigen Ausblicks auch die winterlichen Sonnenaufgänge am Feldberg.

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