Tiere

6 Haie, die ihr (vielleicht) noch nicht kennt

Mehr als 500 Haiarten schwimmen durch unsere Weltmeere. Zeit, ein paar davon näher kennenzulernen.Friday, July 20

Von Annie Roth
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Wenn das Thema Haie aufkommt, denken die meisten Menschen vermutlich an Weiße Haie oder Hammerhaie. Diese besonders bekannten Raubfische machen aber nur einen sehr kleinen Teil der zahlreichen Haiarten auf der ganzen Welt aus.

Insgesamt zählen mehr als 520 bekannte Arten zu dieser Knorpelfischgruppe. Ein Fünftel davon wurde erst in den vergangenen zehn Jahren entdeckt. Von einigen Vertretern haben die meisten vermutlich noch nie gehört, zum Beispiel vom Zigarrenhai oder Grönlandhai. Das bedeutet aber nicht, dass diese Tiere nicht beachtenswert sind. Haie sind nicht nur wunderschön – der Fotograf Brian Skerry beschreibt sie als „eine Mischung aus Anmut und Kraft, die mich ein ums andere Mal wieder ins Meer lockt“ –, sie brauchen auch unsere Hilfe. Einigen Schätzungen zufolge werden jedes Jahr vermutlich etwa 100 Millionen Haie getötet, die meisten davon, um die chinesische Nachfrage nach Haifischflossensuppe zu befriedigen, wie Forscher berichten. Im Süden Chinas ist die Suppe ein beliebtes Hochzeitsgericht.

Im Folgenden stellen wir sechs Haiarten vor, die sich vor ihren berühmteren Verwandten durchaus nicht verstecken müssen.

Im New England Aquarium von Boston (Massachusetts) schwimmt ein Schaufelnasen-Hammerhai durch den Giant Ocean Tank.

DER SCHAUFELNASEN-HAMMERHAI

Der Schaufelnasen-Hammerhai hat etwas, das andere Haie nicht haben – Hunger auf Grünzeug. Erst kürzlich entdeckten Wissenschaftler, dass bis zu 50 Prozent ihrer Nahrung auf Seegras entfallen.

Die Schaufelnase ist der kleinste Vertreter aus der Familie der Hammerhaie und der einzige mit einem abgerundeten, schaufelartigen Kopf, dem er seinen Namen verdankt. Die Fische leben in flachen Meeresbereichen und Mündungsgebieten entlang der Küsten Nord- und Südamerikas.

DER GRÖNLANDHAI

Der Grönlandhai oder Eishai hat die größte Lebenserwartung aller bekannten Wirbeltiere. Einige Schätzungen belaufen sich auf 300 bis 500 Jahre. 

Die Tiere leben im Nordatlantik und im Arktischen Ozean. Dort fristen sie ihr Dasein vorwiegend in Dunkelheit und nutzen ihren feinen Geruchssinn, um am Meeresboden Kadaver aufzuspüren. Das Gewebe dieser Tiefseebewohner weist einen hohen Trimethylaminoxid-Gehalt auf, wodurch sie dem großen Druck in der Tiefe besser standhalten können.

Grönlandhaie zählen zu den größten und langsamsten Fischen des Meeres. Mit einer durchschnittlichen Länge von vier bis fünf Metern sind sie von der Größe her mit Weißen Haien vergleichbar, werden aber nicht ganz so schwer.

Ein Riesenmaulhai taucht vor der Küste Kaliforniens in die Tiefe ab.

DER RIESENMAULHAI

Über diesen riesigen Filtrierer ist nur wenig bekannt, da sich Wissenschaftlern bisher kaum Gelegenheit bot, die Art zu erforschen. Seit der ersten gesicherten Beobachtung im Jahr 1976 gab es insgesamt nicht mal hundert weltweite Sichtungen dieser Tiere. Die scheuen Haie leben vermutlich in den tieferen Meeresbereichen und ernähren sich von Plankton.

Das größte bislang gesichtete Exemplar war ein etwa fünfeinhalb Meter langes Männchen. Man vermutet aber, dass die Weibchen dieser Art größer als die Männchen sind. Männliche Riesenmaulhaie erreichen erst mit einer Länge von etwa vier Metern ihre Geschlechtsreife, während es bei Weibchen knapp fünf Meter sind, wie das Florida Museum of Natural History informiert.

Ein Stachelhai gleitet vor der Küste von Costa Rica durch ein Tiefseeriff.

DER STACHELHAI

Das Äußere des Stachelhais ist ähnlich ungewöhnlich wie sein Name. Der Tiefseebewohner hat keine Analflosse, dafür aber zwei Rückenflossen, die relativ dicht an der Schwanzflosse positioniert sind. Seine ledrige Haut ist mit spitzen Hautdentikeln übersät, denen er auch seinen Namen verdankt. 

Stachelhaie scheinen im gesamten Pazifik verbreitet und wurden bereits an den Küsten Japans, Taiwans und der Westküste der USA gefunden. Obwohl die Tiere in hunderten Metern Tiefe leben, stellt die Fischereiindustrie eine Bedrohung für ihr Überleben dar. Bei der Tiefseefischerei enden die Tiere insbesondere durch Grundschleppnetze, Stellnetze und Langleinen oft als ungewollter Beifang.

Ein einsamer Zebrahai lauert am sandigen Meeresboden des Dimaniyat Islands Nature Reserve auf Beute.

DER ZEBRAHAI

Zebrahaie – manchmal auch Leopardenhaie genannt – gehören zwar nicht zu den schnellsten oder größten Haien, aber vielleicht zu den niedlichsten. Als Jungtiere sind sie braunweiß gestreift und ähneln damit entfernt ihren Namensvettern. Wenn sie ihre Geschlechtsreife erreichen, verblassen die Streifen jedoch – dann dominieren dunkelbraune Flecken.

Die Haie werden im Schnitt zwischen zwei und zweieinhalb Meter lang und ernähren sich vorwiegend von Weichtieren, die sie aus ihren Schalen heraussaugen.

Ein Kurzflossen-Mako schwimmt vor der Küste von North Island in Neuseeland durch das türkisblaue Meer.

DER KURZFLOSSEN-MAKO

Der Kurzflossen-Mako ist der schnellste Hai der sieben Weltmeere. Auf kurzen Strecken kann er Geschwindigkeiten von fast 80 km/h erreichen. Diese Makos sind jenseits der Polarmeere weltweit verbreitet und nutzen ihre Schnelligkeit, um Thunfischen, Schwertfischen, Tintenfischen und anderen Haien aufzulauern und sie zu erlegen. Mit ihren gezackten Zähnen zerreißen sie die Flossen ihrer Beute, damit diese nicht mehr fliehen kann.

Kurzflossen-Makos sind außerdem warmblütig, was unter Haien eine Seltenheit ist. Dadurch ist ihnen auch das Vordringen in Tiefen möglich, die für andere Haiarten viel zu kalt wären.

Leider sind die Fische auch beliebte Ziele der kommerziellen und Sportfischerei. Aufgrund ihres schwindenden Bestandes wurden sie von der Weltnaturschutzunion als „gefährdet“ eingestuft.

Jedes Jahr landen zudem Tausende Kurzflossen-Makos als Beifang in Netzen.

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