Tiere

Botswana erlaubt wieder die Jagd auf Elefanten

Nach fünf Jahren wird das temporäre Jagdverbot auf Elefanten wieder aufgehoben, obwohl der Bestand auf dem Kontinent rückläufig ist.Freitag, 24. Mai 2019

Von Rachael Bale
Ein deutscher Jäger erlegte in Namibia diesen alten Elefantenbullen. Schon länger wird eine Debatte darum geführt, ob und wie die Trophäenjagd dem Naturschutz hilft.

Nach einer fünfjährigen Aussetzung hat die Regierung von Botswana beschlossen, Elefanten wieder zum Abschuss für Hobbyjäger freizugeben, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums für Umwelt, den Schutz natürlicher Ressourcen und Tourismus heißt.

In Botswana leben mehr als 130.000 der Tiere – und damit ein Drittel aller Elefanten, die in der afrikanischen Savanne noch übrig sind. Zwischen 2007 und 2014 schrumpfte der Elefantenbestand des Kontinents um ganze 30 Prozent, wie Forscher im Rahmen des Great Elephant Census herausfanden. Die Zählung erfolgte per Hubschrauber in 18 Ländern und wurde 2016 von Elephants Without Borders abgeschlossen. Botswana hingegen schien in den letzten Jahren von der um sich greifenden Wildereikrise größtenteils verschont geblieben zu sein.

Auch wenn die Jagd auf Elefanten dort nun erlaubt ist, kann nicht jeder Jäger damit rechnen, Teile des erlegten Tieres auch mit nach Hause nehmen zu dürfen. In den USA und Deutschland ist der Import von Körperteilen bedrohter Arten – zu denen auch der Elefant gehört – verboten, sofern keine ausdrückliche Genehmigung vorliegt. Während in den USA seit dem Inkrafttreten dieser Regelung noch keine einzige Genehmigung erteilt wurde, erlaubte das Bundesamt für Naturschutz den Import nach Deutschland 2017 in 615 Fällen, wie der Spiegel berichtete.

Im Juni 2018 hatte die Regierung Botswanas ein Komitee zusammengestellt, welches über eine eventuelle Aufhebung des Jagdverbots auf Elefanten beraten sollte. Das Verbot wurde 2014 unter Präsident Ian Khama erlassen, um Arten wie Elefanten besser zu schützen.

„Den Dorfbewohnern entstand aus der Abschussquote und der Jagdgebühr, die die Jäger zahlen mussten, kein Vorteil“, sagte der Direktor von Elephants Without Borders, Mike Chase, im Februar in einem Interview mit National Geographic. Damals wurde über den Vorschlag der Regierung gerade debattiert.

Dennoch kam das Komitee – das aus lokalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen, Forschern und Industrierepräsentanten bestand – zu dem Schluss, dass sich „die Aussetzung der Jagd negativ auf die Lebensgrundlage auswirkt, insbesondere die der kommunalen Organisationen“, die zuvor von der Jagd profitiert hatten. (Kann die Zerstörung von Elfenbein dabei helfen, Elefanten zu retten?)

Außerdem urteilte das Komitee, dass die Behörde für Wildtiere und Nationalparks zu lange brauchte, um gegen problematische Elefanten vorzugehen, die in einer einzigen Nacht eine ganze Ernte zerstören können.

„Der allgemeine Konsens der Befragten war, dass das Jagdverbot aufgehoben werden sollte“, heißt es in der Erklärung. „Auf Grundlage dieser Sachverhalte hat die Regierung die Empfehlungen überdacht und ausgewertet und das Verbot aufgehoben.“

Naturschutz als Politikum

„Man kann eine nachhaltige Quote einführen, deren Auswirkungen auf den Bestand vernachlässigbar ist“, sagte Chase. „Aber man muss das abwägen und auch die internationalen Reaktionen darauf bedenken [...] und wie sich das auf unsere Wirtschaft, unsere Arbeitsplätze und unseren Ruf als Vorreiter im Bereich des Naturschutzes auswirken könnte.“

Dennoch kann er auch die Position der Gemeinden verstehen, die am stärksten von Schäden durch Elefanten betroffen sind und sich für eine Wiedereinführung der Jagd ausgesprochen haben. Er verweist darauf, dass sich das Verbreitungsgebiet der Elefanten in Botswana dramatisch vergrößert hat. Die anhaltende Dürre treibt die Tiere auf ihrer Suche nach Wasser immer weiter, weshalb sie mittlerweile öfter als früher in Kontakt mit Menschen kommen.

„Wenn man seinen Lebensraum mit einem fünf Tonnen schweren Tier teilt, dass das eigene Leben bedroht, die Ernten zerstört und das Hab und Gut beschädigt – da verstehe ich die Verzweiflung“, sagte er. „Wenn man alle Alternativen versucht hat [...] und das Tier immer noch eine Gefahr darstellt, dann muss es getötet werden. Und dann sollten die Gemeinden wenigstens insofern davon profitieren können, dass ein Jäger dafür bezahlt, es zu töten“, sagte er im Februar.

Khama hingegen hat die Entscheidung als reines Politikum kritisiert, das einzig dazu dienen soll, vor der Wahl im Oktober Stimmen aus den ländlichen Regionen zu sichern.

Dan Ashe, ein ehemaliger Mitarbeiter des US Fish and Wildlife Service, der nun der Geschäftsführer der US-amerikanischen Association of Zoo and Aquariums ist, ist persönlich kein Befürworter der Entscheidung, Elefanten für die Hobbyjagd freizugeben. Allerdings betont er, wie wichtig es ist, Botswanas Entscheidungshoheit über seine eigenen Wildtiere zu respektieren.

„Botswana hat beim US Fish and Wildlife Service für sein professionelles Wildtier-Management und seine relativ korruptionsfreie Regierung immer ein gutes Ansehen genossen“, erzählt er über seine Zeit bei der Behörde.

Viele Naturschützer sprechen sich gegen die Jagd auf Elefanten aus, sowohl aufgrund der sinkenden Bestandszahlen als auch aufgrund ethischer Bedenken – es gibt keinen Zweifel daran, dass Elefanten zu komplexen Emotionen und Mitgefühl fähig sind.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Elefanten

Wei­ter­le­sen