Tiere

Vampirkrabben machen Heimaquarien unsicher

Zwei unbekannte Unterarten von Vampirkrabben wurden lange vor ihrer wissenschaftlichen Dokumentation für Heimaquarien verkauft. Die Krustentiere mit den etwas gruseligen Augen stammen ursprünglich aus Indonesien. Montag, 2. September 2019

Von James Owen
Die Vampirkrabben-Unterart Geosesarma dennerle droht mit ihren violetten Scheren.

Vampirkrabben tragen ihren Namen aufgrund ihrer leuchtend gelben oder orangefarbenen Augen, die ihnen viele Fans unter Hobbyaquarianern eingebracht haben. Doch die Herkunft einiger dieser unheimlich anmutenden Krustentiere blieb lange ein Rätsel.

Erst im Jahr 2015 konnten Forscher den Ursprung der Süßwasserkrabben schließlich bis nach Südostasien zurückverfolgen. Sie gaben an, dass die beiden beliebtesten Unterarten der bunten Krebstiere der Wissenschaft zuvor vollkommen unbekannt waren.

Die beschriebenen Spezies Geosesarma dennerle und Geosesarma hagen wurden in zwei unterschiedlichen Flusstälern auf der indonesischen Insel Java entdeckt.

„Diese Krabben sind schon etwas Besonderes, da sie zehn Jahre lang als Haustiere gehandelt wurden, ohne dass irgendjemand wusste, woher sie ursprünglich stammen“, erklärt Christian Lukhaup aus Waiblingen, Co-Autor der Studie und professioneller Aquarianer.

Wissenschaftler hatten schon zuvor Unterarten der Vampirkrabben bestimmt – darunter auch solche, die oft für Aquarien verkauft werden – doch die neu entdeckten Arten gehören zu den häufigsten Aquarienbewohnern.

Die 2015 beschriebene Vampirkrabbe G. dennerle hat eine tief violette Farbe mit einem cremeweißen Fleck auf dem Rücken. G. hagen erfreut den Betrachter mit ihren leuchtend orangefarbenen Scheren und Panzer.

Die auffälligen Augen der Krabben und ihre fantastische Farbgebung sind zweifellos der Grund für die Begeisterung vieler Aquarianer.

„Händler in Südostasien und anderen Teilen der Welt wissen, was ihre Kunden in Sachen Farbe haben wollen“, meint Co-Autor der Studie Christoph Schubart, der am Institut für Zoologie der Universität Regensburg forscht.

„Sie sammeln sie in Gegenden, die noch nicht durch wissenschaftliche Expeditionen von Forschern untersucht wurden und plötzlich wird der Markt mit Tieren überschwemmt, die noch gar keinen Namen haben“, sagt Schubart, dessen Studie im Wissenschaftsmagazin „Raffles Bulletin of Zoology“ veröffentlicht wurden.

Vampir(krabben)jäger

Außerdem sind Vampirkrabben nur wenige Zentimeter groß und eignen sich daher ideal für den Transport in kleinen Gefäßen, sagt Lukhaup.

Die Krabbe Geosesarma hagen besitzt rote Scheren und gelbe Augen – Farben, die zur Kommunikation mit ihren Artgenossen dienen.

Der Vampirkrabbenjäger des Teams, Lukhaup, wurde passenderweise in Transsylvanien geboren, der Heimat des sagenumwobenen Dracula. Er nutzte seine guten Kontakte im Zierfischhandel um Fänger aufzuspüren, die vielleicht wissen könnten, woher die Krabben stammen.

„Es gab viele falsche Gerüchte, weil die Leute nicht wollten, dass andere Fänger ihre Gebiete finden“, erklärt er.

Lukhaup, der bereits früher dabei geholfen hat, die wilden Ursprünge einiger in Heimaquarien beliebten Garnelenarten und anderer Süßwasserkrustentiere zu finden, verfolgte die Spur der Vampirkrabben schließlich bis ins tiefste Innere der Insel Java.

Die Sprache der Farben

Schubart vermutet, dass es auf den indonesischen Inseln noch mehr unentdeckte Vampirkrabbenarten gibt.

Da die Süßwasserkrabben nicht im Laufe ihres Lebens in den Ozean wandern und auch sonst eher bleiben wo sie sind, hat jede indonesische Insel ihre eigene Vampirkrabbenart, erklärt Schubert.

Die Tiere leben amphibisch, was auch die evolutionäre Entwicklung ihrer grellen Farben erklärt. An Land „ist visuelle Kommunikation viel wichtiger“, meint er. „Der Fokus liegt viel mehr auf Farben und visuellen Hinweisen als auf chemischer Kommunikation wie im Wasser.“

Galerie: Häschen der Meere: Die verrückte Welt der Nacktkiemer

Galerie ansehen

Bedrohte Vampire

Die beiden Vampirkrabbenarten sind wahrscheinlich in je einem Wasserbereich endemisch und sind damit leichte Beute für Krabbenfänger. Davor warnt das Studienteam bereits.

„Für die einheimischen Fänger ist das ihre Lebensgrundlage“, sagt Schubart. „Sie nehmen einfach, was sie kriegen können und exportieren es.“

Luhaup hofft, dass die kommerzielle Zucht in Zukunft den Bestand in freier Wildbahn schützen und ihn vor der Ausrottung bewahren wird. Die Nachfrage nach Vampirkrabben ist enorm hoch.

Ein paar Menschen züchten die Krabben bereits, doch der Großteil stammt nach wie vor aus Indonesien.  

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Wei­ter­le­sen