Vögel im Hormonrausch: Von Blind Dates, Regenbogenfamilien und notorischen Fremdgängern

Mit den Frühlingsgefühlen kommt der Stress. Wer im Brutgeschäft nicht nach den Regeln spielt, erlebt schnell eine Bruchlandung. Viele heimische Vögel können davon ein Lied zwitschern.

Schillernde Charmeure: Zur Balzzeit überreichen männliche Eisvögel ihren Partnerinnen selbst gefangene Fische.

 

Foto von NABU/CEWE/Josef Graf
Veröffentlicht am 15. März 2022, 13:35 MEZ

So ein Eisvogelmann muss sich mächtig ins Zeug legen, wenn er beim anderen Geschlecht landen will. Beim ersten Date testet er dazu seinen Marktwert: mit einem selbst gefangenen Fisch, den er seiner Wunschpartnerin im Schnabel überreicht. Akzeptiert sie das Geschenk, bedankt sie sich aufgeregt mit zittrigen Federn. Flügelschlagartig hat das Singledasein damit ein Ende.

Verschmäht sie aber das Mitbringsel, muss er weiter angeln gehen. Die Aussicht auf eine feste Partnerschaft beflügelt ihn. Wie viele andere Vogelarten leben Eisvögel meist monogam – zumindest für eine Brutsaison.

Das gilt auch für die Blaumeisen, die zurzeit in vielen Gärten singen. Beste Chancen haben hier Sänger, die besonders variantenreich trällern. Auch das Outfit sollte stimmen. „Vögel, die möglichst gesund wirken, also ein glänzendes, farbenprächtiges Gefieder haben, werden bevorzugt, da sie einen guten Bruterfolg versprechen“, sagt Nabu-Chef Leif Miller.

Entenküken von Katzenfamilie adoptiert
Die Ente Kitty wurde von einer Katzenfamilie auf einer Farm im australischen Queensland adoptiert.

Seitensprünge im Nistkasten

Nach Dating und Paarung folgt die gemeinsame Aufzucht der Jungen. Monogam heißt aber nicht, dass Blaumeisen auch treu sind. Tatsächlich gehen sie gern mit ihren Nachbarn fremd. Der Ehebruch der Tinder Birds findet im Morgengrauen statt. Das Weibchen schleicht sich aus dem Nistkasten und ist aktiv am Seitensprung beteiligt.

Auch beim Star ist die Liebe eine komplexe Beziehungskiste. Einige Männchen haben dem Nabu zufolge mehrere Vogelfrauen gleichzeitig. Weil Stare oft zweimal im Jahr brüten, nutzen viele die Gelegenheit, nach der ersten Brut den Partner zu wechseln.

Treue Seele: der Wiedehopf

Foto von NABU/CEWE/Christian Gunkel

„Das kommt häufig vor, wenn die erste Brut nicht erfolgreich war“, so Miller. „Spät geborene Jungvögel stammen vor allem aus solchen Verbindungen.“ Nach der Paarung bleibe das Männchen dicht beim Weibchen – damit sie nicht mit einem Konkurrenten fremdgeht.

Andere Vogelpaare dagegen haben laut Nabu einen Treueschwur geleistet. So auch der Vogel des Jahres, der Wiedehopf. Neben seinem typischen Balzruf „upupup“ versucht er, mit seiner aufgestellten orangefarbenen Federhaube zu beeindrucken. Hat er das Weibchen so aus der Reserve gelockt, bietet er ihm Insekten an. Schlüpft sie anschließend in eine angebotene Bruthöhle, ist der Bund für die Brutsaison besiegelt.

Galerie: Wundervolle Vogelwelt

Queere Liebe und Regenbogenfamilien

Auch queere Liebe und Regenbogenfamilien sind unter Vögeln offenbar nicht ungewöhnlich. „Es kommt vor, dass sich gleichgeschlechtliche Vögel zusammentun, um den Nachwuchs gemeinsam aufzuziehen“, sagt Miller.

„Beobachtet wurde das schon bei Raubseeschwalben und Sturmtauchern.“ Stockenten wiederum leben nur in heterosexuellen Beziehungen, bis die Eier gelegt sind. Oft zeigen die Erpel ein ausgeprägtes gleichgeschlechtliches Sexualverhalten.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das gilt auch in der Vogelwelt. Nicht immer klappt es mit der ewigen Liebe. Kehren feste Partner im Frühling zu unterschiedlichen Zeiten ins Brutgebiet zurück, kann es sein, dass die Erstankömmlinge schon mit Blind Dates anbandeln. Gelegenheit macht eben Liebe.

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