Hoffnung für einen der seltensten Pinguine der Welt

Aktuelle Zahlen zeigen: Der Bestand Galápagos-Pinguine wächst. Grund ist wohl eine einzigartige Methode, die Biologen auf den Galapagosinseln entwickelt haben.

Von Christine Peterson
Veröffentlicht am 24. Okt. 2022, 08:48 MESZ
Ein Pinguin steht auf dem felsigen Untergrund der Insel.

Der Galápagos-Pinguin (hier fotografiert auf der Insel Sombrero Chino) ist der einzige Pinguin, der am Äquator lebt. 

Foto von Joël Sartore, Nat Geo Image Collection

Vor mehr als zehn Jahren meißelte Dee Boersma mit Hammer und Brechstange kleine Löcher in die Lava auf den Galapagosinseln. Die National Geographic Explorerin hoffte, so einen der seltensten Pinguine der Welt anzulocken – den Galápagos-Pinguin.

Und tatsächlich: Fünf Monate später zog ein Pinguin-Paar in eine der ausgehöhlten Nischen ein, um dort seine Küken großzuziehen. Im Jahr darauf kam ein weiteres Paar. 

Noch heute sind mindestens 84 der 120 Nester, die Boersma und ihre Kollegen aus dem schwarzen Felsen am Äquator geschlagen haben, in Gebrauch. Eine neue Zählung der Tiere hat nun ergeben, dass ein Viertel der gefährdeten Pinguin-Art Jungtiere sind. Bei einer Art, von der es laut Boersma vermutlich nur noch zwischen 1.500 und 4.700 Tiere gibt, ein beachtlicher Anteil.

So viele Jungtiere wie lange nicht

Die Nester waren eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Tiere. Weil die Art nicht gut in Gefangenschaft zurechtkommt, „gibt es keine Zoos mit Galápagos-Pinguinen“, sagt Paul Salaman, Präsident der Galápagos Conservancy, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in den USA, die sich für die Erhaltung der Tierwelt des vulkanischen Archipels einsetzt. „Wir müssen bei der Population wirklich alles geben.”

Ein Pinguinpaar sitzt in einem der Nester, die Boersma und ihre Kollegen im Jahr 2010 gebaut haben. Da Raubtiere eine der größten Bedrohungen für Galápagos-Pinguine darstellen, baute das Team die Nester in Gebieten, in denen sich diese nicht bewegen.

Foto von Dee Boersma

Und die Anstrengungen zahlen sich aus: Boersma, die als Biologin an der University of Washington in Seattle arbeitet, blickt zum ersten Mal seit langem hoffnungsvoll in die Zukunft der rund 2 Kilogramm schweren Vögel. „Ich hatte erwartet, dass es in diesem Jahr gut laufen würde mit dem Nachwuchs“, sagt Boersma. „Aber die aktuelle Zählung war trotzdem eine positive Überraschung: Es ist die beste Brut seit zwölf Jahren.“ 

Auswirkungen von La Niña und El-Niño

Die vielen Jungtiere sind nicht nur eine Folge der menschengemachten Nester: Die Anzahl der Galapagos-Pinguine ist auch abhängig vom wechselhaften Klima auf den Galapagosinseln. Dieses schwankt stark, je nach Wassertemperatur des Meeres, die von El Niño und La Niña zyklisch beeinflusst wird. Dabei verursacht La Niña einen Abfall der Wassertemperatur und führt so zu einem erhöhten Fischreichtum entlang der Küste Südamerikas – auch aktuell. Auch durch diese Zunahme ihrer Nahrung verzeichnen die Galápagos-Pinguine derzeitig einen Anstieg ihrer Population. 

Dass es auch genau umgekehrt laufen kann, zeigte sich im Jahr 1982. Damals führte ein besonders starker El-Niño dazu, dass warmes Wasser zu den Inseln geleitet wurde. Dieses hinderte wichtige Nährstoffe daran, an die Oberfläche zu steigen, wodurch die Fische ausblieben und so auch die Nahrung für die Pinguine. Zuerst verhungerten die Küken, dann starben die erwachsenen Tiere. Boersma schätzt, dass die Population der Galápagos-Pinguine damals etwa um die Hälfte zurückging, von 10.000 Tieren auf weniger als 5.000. Davon hat sich die Art nie erholt.

Eine Gruppe erwachsener und junger Galápagos-Pinguine ruht sich auf einer kleinen Insel aus Lavafelsen aus.

Foto von Dee Boersma

Brüten in Lavaröhren

Der Galápagos-Pinguin ist am engsten mit dem Humboldt-Pinguin aus den Küstengebieten Perus und Chiles verwandt. Wie es dazu kam, dass eine Tierart, die für ihren Lebensraum in südlichen, oft eisigen Gefilden bekannt ist, an den Äquator zog, weiß bislang niemand so genau. Wahrscheinlich ist, dass einige Humboldt-Pinguine von einer Meeresströmung mitgenommen wurden und vor Millionen von Jahren auf den Galapagosinseln, etwa 965 Kilometer vor Ecuador, landeten. Dort blieben sie und entwickelten sich zu den Pinguinen, die wir heute kennen. 

Bis zu dreimal im Jahr ziehen die Tiere auf den heißen Felsen ihre Küken auf. Zum Nisten benötigen Galápagos-Pinguine Schattenplätze in Wassernähe, Bäume sind auf den Inseln jedoch selten. Deshalb begeben sich die monogamen schwarz-weißen Vögel zum Eierlegen in Lavaröhren, die meist etwa einen Meter tief und bis zu 27 Meter lang sind. Dort legen sie dann ein oder zwei Eier direkt auf den Felsen. Im Alter von acht bis neun Monaten werden die Küken flügge, kehren aber gelegentlich zu ihren Eltern zurück, um zu fressen.

Küken-Comeback

Auf der Suche nach Möglichkeiten, die Population auch unabhängig von La Niña zu vergrößern, brachten Boersma und ihr Kollege, der Galápagos-Biologe Godfrey Merlin, im Jahr 2010 schließlich Hammer und Brechstange ins Spiel. Sie hatten festgestellt, dass viele der ursprünglichen Nistplätze der Pinguine auf Inseln lagen, die von Raubtieren wie Ratten und Katzen bevölkert wurden. Diese waren mit den Menschen auf die Insel gekommen und fressen Eier, Küken und sogar ausgewachsene Tiere.

Das Team beschloss, neue Brutplätze auf Inseln zu errichten – an Orten, die von den Raubtieren weniger frequentiert werden. Diese Arbeit wurde unter anderem von der National Geographic Society und der David and Lucile Packard Foundation, einer Non-Profit-Organisation aus Kalifornien, finanziert.  

Trotz erster Erfolge mahnt Boersma, die die Art seit 1970 untersucht, zur Vorsicht: Es sei noch zu früh, um festzustellen, ob der jüngste Anstieg der Zahl junger Pinguine wirklich eine Erholung des Bestandes der Tiere bedeutet. Doch die Zahlen machen Hoffnung.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht

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