Wie nachhaltig sind Bio-Eier?

Sie sind in Deutschland nicht nur zu Ostern das beliebteste Bioprodukt. Ist also alles gut im Biohühnerstall?

Veröffentlicht am 26. März 2021, 13:30 MEZ
16 Prozent der verkauften Eier stammen aus ökologischer Landwirtschaft, mit steigender Tendenz. Klingt nach einer guten ...

16 Prozent der verkauften Eier stammen aus ökologischer Landwirtschaft, mit steigender Tendenz. Klingt nach einer guten Nachricht - doch für die Hühner ist die Sache weniger klar. 

Bild ExQuisine - stock.adobe.com

Beim Osterbrunch darf es etwas Besonderes sein. Schinken, ein Hefezopf, dazu ein Körbchen mit selbst gefärbten Eiern in Bioqualität. Sie sind in Deutschland nicht nur zu Ostern das beliebteste Bioprodukt: 16 Prozent der verkauften Eier stammen aus ökologischer Landwirtschaft, mit steigender Tendenz.

Ist also alles gut im Biohühnerstall? Auf den ersten Blick ja, denn die Qualität der Eier überzeugt: Die Tiere fressen Biofutter, die Legeware ist gut kontrolliert, kommt frisch in den Handel, ist frei von Gentechnik und Pestiziden. Antibiotika im Stall sind nur in Ausnahmen erlaubt.

Drei Viertel der Biohennen leben in Massenhaltung

Für die Hühner ist die Sache weniger klar. Denn der Bioboom hat dazu geführt, dass rund drei Viertel der Biohennen in Massenhaltung leben. Unter einem Dach stehen bis zu 40000 Tiere, die Stallabteile mit den nach EU-Ökoverordnung erlaubten 3000 Legehennen sind nur durch Zwischenwände voneinander getrennt. Stimuliert durch Licht und Kraftfutter, legen die Hochleistungsrassen jährlich fast 300 Eier. Nach einem Jahr werden die ausgelaugten und häufig von Krankheiten gezeichneten Tiere geschlachtet.

Eine derartige Ballung erschwert den regionalen Nährstoffkreislauf. Das Futter, das die Großbetriebe brauchen, produzieren sie kaum selbst. Futtermittelkonzerne importieren Soja, Mais oder Weizen aus Osteuropa, China oder Indien. Die Entsorgung des Kots ist für die Massenställe ein Problem.

Der quälendste Schwachpunkt: Die männlichen Tiere

Der quälendste Schwachpunkt der Massenproduktion – egal ob bio oder konventionell – sind die männlichen Tiere. Sie legen keine Eier und liefern in der Mast so wenig Fleisch, dass sich ihre Aufzucht nicht lohnt. Bisher wurden sie daher direkt nach dem Schlüpfen getötet. Weil das ab 2022 verboten ist, sucht die Branche nach Alternativen. Bei Eiern, die das EU-Biosiegel tragen, also nur das ökologische Mindestmaß erfüllen, ist die Geschlechtsbestimmung im Ei erlaubt, nach der männliche Embryos vernichtet werden.

Ökoverbände wie Bioland, Naturland oder Demeter lehnen das als „teure Scheinlösung“ ab, weil das Grundproblem bleibt: die einseitige Zucht von Hybridrassen für jeweils Fleisch oder Ei, bei denen die Hälfte der Embryos oder Küken quasi wertlos sind. Sie probieren sich derzeit an der wenig lukrativen Aufzucht der „Bruderhähne“ – und fordern vom Käufer dafür einen Preisaufschlag von einigen Cent pro Ei.

Die Bionummer

Die erste Zahl des Eiercodes ist bei Biohaltung eine 0. Dann sollte „DE“ für deutsche Aufzucht folgen. Wer regional einkaufen möchte, sollte auf die zweistellige Nummer nach dem Länderkürzel achten. Für bereits gefärbte Ostereier gilt die Kennzeich nungspflicht nicht. Da hilft nur selbst färben.

Zeitraffer: Ein Flamingoküken schlüpft
Hier kämpft sich gerade ein kleiner Kubaflamingo aus seinem Ei.

Wo kaufen wir Bio-Eier?

(Einkaufsstätte in Prozent, 2020)
Discounter: 39,4%
SB-Warenhaus: 9,5%
Supermarkt: 30,2%
Wochenmarkt / Hof: 11,3%
Sonstige: 9,5%

Unser Fazit:

Wer wissen will, ob die Hühner gut leben, sollte seine Eier direkt vom Erzeuger kaufen, egal, ob bio oder konventionell. Für Eier, die in den Handel gelangen, gelten langfristig Zweinutzungshühner als Lösung – wenn die Verbraucher mitziehen. Die robusten Rassen sollen dann für Eier- und Fleischproduktion gleich gut geeignet sein.

Quellen: Statistisches Bundesamt; BÖLW, Brudertier Initiative Deutschland, GFK-Haushaltspanel 

Dieser Artikel erschien in der April 2021-Ausgabe des deutschen NATIONAL GEOGRAPHIC Magazins. Keine Ausgabe mehr verpassen und jetzt ein Abo abschließen! 

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