Warum E-Scooter dem Klima mehr schaden als nützen

Elektro-Roller gelten als umweltschonende Fortbewegungsmittel. Laut einer neuen Studie der ETH-Zürich ist das Sharing-Modell bislang jedoch eher schädlich für die CO2-Bilanz.

Veröffentlicht am 3. Jan. 2022, 13:45 MEZ, Aktualisiert am 3. Jan. 2022, 21:22 MEZ
Eine Flotte E-Scooter nehmen den urbanen Raum ein.

Eine Flotte E-Roller nehmen den urbanen Raum ein.

Bild Jonas Jacobsson

Sharing is caring? Was geteilte Elektroroller betrifft, stimmt dieser beliebte Satz der Werbeindustrie offenbar nicht. Eine neue Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) hat die Klimafolgen der neuen Verkehrsmittel genau untersucht. Das Fazit: Sie schaden dem Klima sogar mehr, als dass sie es entlasten.

Keine klimaschonende Bilanz

Das Forschungsteam um Daniel Reck und Kay Axhausen vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT) der ETH sammelte dazu drei Monate lang die Positionsdaten, Buchungen sowie Umfragedaten von 540 Studienteilnehmenden in der Stadt Zürich. „E-​Trottis und E-​Bikes wirken im Betrieb auf den ersten Blick klimaschonend, da sie keine Verbrennungsmotoren besitzen”, sagt Reck. “Unsere Studie zeigt aber, dass geteilte E-Scooter momentan hauptsächlich den Öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad und das Zu-Fuß-Gehen ersetzen.” Und diese Fortbewegungsarten sind deutlich umweltfreundlicher als Elektroroller.

Bisherige Studien hatten den E-Fahrzeugflotten viel bessere Klimabilanzen erteilt, da die Berechnungen häufiger davon ausgingen, dass eine Autofahrt ersetzt würde. Insgesamt rekonstruierte das Team rund 65.000 Fahrten mit acht verschiedenen Verkehrsmitteln. Wetterbedingungen und individuelles Fortbewegungsverhalten wie Radfahren und Fußmärsche wurden bei den Berechnungen ebenfalls berücksichtigt. Die Ergebnisse der Studie sind nach Angaben der Forschenden auf die meisten europäischen Städte mit gutem Angebot an Öffentlichem Nahverkehr übertragbar.

In puncto Klima: Besitzen ist besser als teilen

Überraschend war nach Angaben der Forschenden noch eine weitere Erkenntnis: der Unterschied zwischen Privatbesitz und dem Sharing-Modell. “Unterm Strich emittieren geteilte E-Scooter und E-Bikes mehr CO2 als die ersetzten Verkehrsmittel, während private E-Scooter und E-Bikes weniger CO2 emittieren als die ersetzten Verkehrsmittel”, erklärt Reck. Das liege unter anderem daran, dass private Scooter im Schnitt mehr als doppelt so lange im Einsatz bleiben, bevor sie gewartet oder ersetzt werden müssen. “Der Slogan «Sharing is Caring» scheint also unter momentanen Bedingungen nicht für die Mikromobilität zu gelten, ganz im Gegenteil.”

Zusätzlich sehen Städte zusehends eine wachsende Herausforderung darin, die Mengen an Kleinstfahrzeugflotten sinnvoll in die öffentlichen Plätze der Großstädte zu integrieren. Im Stadtbild nehmen sie teilweise unkontrolliert überhand. Außerdem werden sie oft umgeworfen und zerstört, und damit zu noch mehr Schrott, der die Umwelt belastet.

Galerie: Kein CO2 im Land von Shangri-la

Möglichkeiten, die CO2 Emissionen von E-Scooter Flotten zu verbessern

Reck sieht jedoch einige Möglichkeiten, die Bilanz zu verbessern. So sollten E-Scooter-Flotten besser mit dem ÖPNV integriert werden. „Aktuell haben wir insbesondere an den Stadträndern das Problem, dass die ÖPNV Stationen weit auseinander liegen. Die sogenannte letzte Meile zum Wohnort ist für viele ein Hindernis und umgekehrt ein Grund, warum das Auto genutzt wird“, sagt Reck. Würden E-Scooter, E-Bikes und ÖPNV besser verzahnt, könnten sie gemeinsam eine attraktive Alternative zum PKW sein. „Vielleicht hilft die Studie, genau diese Lücke zu schließen. Es ist zumindest unser Anliegen“, so Reck.

Die elektrischen Tretroller sind seit zweieinhalb Jahren in Deutschland zugelassen und werden als klimaschonende Mobilitätslösung angepriesen, da sie mit Strom betrieben werden. Offenbar bislang mehr Marketing als Realität.

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